Hintergrund
Rieschweiler Prellballer stellen ihre Abteilung auf neue Füße
Wenn die Prellballer des TV Rieschweiler heute zu einem Auswärtsspieltag fahren, „muss ich mich nur noch in den Bus setzen“, sagt Manfred Hettrich zufrieden. Kein Busabholen bei der Gemeinde mehr, kein Tanken im Vorfeld mehr. Kein Nachdenken, ob er auch wirklich alle Trikots, Bälle und Spielpässe dabei hat. „Das war am Anfang schon ein komisches Gefühl. Ich musste mich dran gewöhnen, dass ich mich um nichts mehr kümmern muss“, sagt das bald 62-jährige Prellball-Urgestein. „Klappt aber doch schon ganz gut“, ruft ihm seine Tochter Lena lachend im Vorbeigehen zu, an einem Trainingsabend Anfang Januar 2025 in der Rieschweiler Turnhalle.
Früher eine „One-Man-Show“
Früher war die Prellball-Abteilung – die Heimat für 60 Sportler, darunter etwa 30 Jugendliche – nicht nur gefühlt eine „One-Man-Show“. Aufgaben, die heute auf viele Schultern verteilt sind, erledigte Manfred Hettrich ganz alleine. „Er hat wirklich alles gemacht, irgendwann wurde das zu viel“, sagt die 28-jährige Lena Hettrich im Rückblick. Besonders als ihr Vater, der im 39. Jahr bei der Firma TLT Turbo in Zweibrücken arbeitet, seit langem im kaufmännischen Vertrieb, im Januar 2024 links ein künstliches Kniegelenk bekam und nach der Operation längere Zeit ausfiel. „Wir sind ohnehin eine Randsportart. Jeder wusste: Wenn wir nichts machen, sterben wir aus“, sagen Lena und ihr drei Jahre jüngerer Bruder Leo Hettrich unisono.
Vor fast einem Jahr, am 9. Januar, riefen die Geschwister daher alle erwachsenen Prellballer in einem Zoom-Meeting zusammen. Tenor: So sieht’s aus, und wir müssen was ändern. „Wir haben lange überlegt, wie die neue Struktur der Abteilung aussehen kann und soll“, erzählt Leo Hettrich, der in Rieschweiler wohnt, im Gemeinderat sitzt und im Januar gerade sein Referendariat als Lehrer für die Fächer Physik und Geschichte an der Landgraf-Ludwig-Realschule Plus in Pirmasens begonnen hat. Resultat der Denkarbeit: Die Arbeit soll auf zehn Posten und damit besser verteilt werden. „Wir haben extra ein Modell mit sehr vielen Leuten gewählt, dann jeden für eine kleine Aufgabe angesprochen“, berichtet Lena Hettrich, die ebenfalls in Rieschweiler wohnt. Ende April hat sie ihr Referendariat an der BBS Pirmasens (Fächer BWL und Sport) hinter sich, die gelernte Industriekauffrau wartet gerade auf Stellenangebote.
Nach einer „Hybridphase“ nun allein schwimmen
Die vakanten Positionen sollten mit Leuten vor Ort besetzt werden, dem Engagement ging viel Überzeugungsarbeit voraus, und es sollte auf Freiwilligkeit beruhen. „Wir haben dann überraschend schnell Leute für alle Posten gefunden“, sagt Lena Hettrich, auch Oberturnwartin im TVR, zufrieden. Über die neue Besetzung wurde dann in einem Abteilungsbeschluss auch ganz offiziell abgestimmt, und das Ganze auch schriftlich festgehalten, berichtet Leo Hettrich, der neue Abteilungsleiter.
Danach gab es eine „Hybridphase“, wie Leo das nennt, zum Einarbeiten für alle. „Wir sind alle um die 30 Jahre alt und wachsen in die Aufgaben rein. Das Konzept bewährt sich sehr gut“, findet Lena Hettrich. In besagter Übergangsphase stand ihr Papa mit Rat und Tat zur Seite. Das tut er natürlich auch heute noch, doch seit dem 31. Juni 2024 ist er offiziell nicht mehr Abteilungsleiter – nach zuvor 35 Jahren in dieser Funktion. Gauwart ist Manfred Hettrich allerdings immer noch. „Wir haben die Hybridphase im Sommer noch mal analysiert und ein bisschen nachjustiert“, stellt Leo fest. Mit mehr handelnden Personen sei zwar mehr Kommunikation nötig, „aber da läuft ganz viel über eine Whatsapp-Gruppe und insgesamt über Soziale Medien“, sagt Leo Hettrich.
Intensive Prellball-Gespräche in der Familie
Innerhalb der Familie drehen sich bei Hettrichs natürlich weiter ganz viele Gespräche immer noch intensiv um Prellball. Wobei der Papa dann auch ganz klassisch zu Hause mal einen Zettel hinlegt. „Mit allem, was ich noch sagen wollte“, wie Manfred Hettrich lachend zugibt, der im Herbst 2026 seine passive Phase der Altersteilzeit antreten will.
Am Samstag steht für die neue Abteilungsführung die nächste Bewährungsprobe an: Beim Heimspieltag der Herren- und Frauen-Bundesliga Süd sind ab 12 Uhr in der Contwiger IGS-Sporthalle 20 Leute im Einsatz – und gleich vier eigene Mannschaften, die Manfred Hettrich am Spieltag dann aber doch noch betreut.
TVR-Damen peilen wieder DM-Endrunde an
In der ersten Rieschweiler Herrenmannschaft treten wie gewohnt Niklas Resch, Maic Volnhals, Alexander Volnhals und Kapitän Niklas Speer an. Das Team ist zurzeit Tabellendritter, allerdings punktgleich mit Weiler und Waiblingen. Die TVR-Herren II – bestehend aus Henrik Speer, Martin Trofenik, Danilo Utess und Kapitän Andreas Deck – wollen in ihrer bisher erfolgreichsten Saison den derzeitigen sechsten Rang verteidigen.
Das erste Damenteam des TVR (mit Jessica Deck, Alena Borne, Andrea Backes, Laura Herbert und Kapitänin Lena Hettrich) liegt derzeit nur zwei Punkte hinter Tabellenführer TV Winterhagen und peilt optimistisch den erneuten Einzug in die DM-Endrunde an. Im zweiten Damenteam fällt am Samstag Anna Dürr aus, weswegen das junge Team mit Kim Menna, Eva Dürr und Kapitänin Hanna Roos nur zu dritt antritt.
Die neue TVR-Abteilung
Leo Hettrich: Abteilungsvorsitz, Wettkampforganisation Bundesliga und Turniere - Lena Hettrich: Vereinsangelegenheiten, übergeordnete Organisation - Niklas Resch: Finanzen und Kassenführung - Jessica Deck: Trainingsorganisation und Materialverwaltung - Niklas Speer: Öffentlichkeitsarbeit, Homepage - Maic Volnhals: äußere und Melde-Angelegenheiten - Andreas Deck: Jugend und Jugendarbeit - Manfred Hettrich: Betreuung der Erwachsenen, Senioren-Stammtische - Andreas Weber: Training der Erwachsenen.
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