Zweibrücken
Redner sieht in Aufstieg der AfD „ganz deutliche Parallelen“ zu Machtergreifung der Nazis
Vor 81 Jahren, am 14. März 1945, wurde die Zweibrücker Innenstadt beim Angriff der Alliierten fast vollständig zerstört. Zur Gedenkveranstaltung „Nie wieder – unsere Verantwortung“ auf dem Hallplatz kamen am Samstagmittag 100 Zweibrücker. Dabei machten alle Redner deutlich, dass es nicht nur ums Erinnern gehe, sondern darum, aus der Vergangenheit Lehren zu ziehen.
„Gedenken ist mehr als nur Erinnerung, es ist auch Mahnung und Verantwortung“, sagte Oberbürgermeister Marold Wosnitza und bezeichnete Frieden als „ein zerbrechliches Geschenk“. Ähnlich sah es Gertrud Schanne-Raab vom Bündnis Buntes Zweibrücken, die das Gedenken auch nach solch einer langen Zeit noch für notwendig hielt. „Kriege dienen nur den Mächtigen. Friede dient allen Menschen“, sagte sie. Ingrid Satory vom Bündnis Buntes Zweibrücken schlug den Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart: „Aus unserer deutschen Geschichte kann man nur lernen, wenn man sie kennt.“ Gianluca Olivieri, Schüler der Berufsbildenden Schule, fand: „Erinnerung bedeutet mehr als zurückblicken.“ Es gehe darum, aus der Geschichte zu lernen. Für den ökumenischen Arbeitskreis begrüßte der frühere Dekan Peter Butz „die Nachgeborenen“, da kaum einer der Zuhörer die Bombennacht miterlebt habe. Die Zerstörung Zweibrückens sei auch die Geschichte eines Neuanfangs unter der Parole „Nie wieder!“.
Am deutlichsten wurde Michael Schubert vom Historischen Verein, der nicht nur daran erinnerte, wie die Nationalsozialisten in den 20er und 30er Jahren unter Adolf Hitler die Macht in Deutschland ergriffen, sondern dies ganz bewusst tat, um dadurch zur Gegenwart überzuleiten. Er sieht im Aufstieg der AfD „ganz deutliche Parallelen zur damaligen Entwicklung“. Schubert warnte davor, dass sich die Geschichte wiederholt, rief zur Wachsamkeit und zur Verteidigung der Demokratie auf und benutzte hierfür die Worte von Erich Kästner, der 1958 in seiner Rede „Über das Verbrennen von Büchern“ gesagt hatte: „Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf.“ Schubert mahnte: „Viel zu lange hat man die politische Rechte in Deutschland nicht ernst genommen.“ Er sprach sich vehement gegen eine Kooperation anderer Parteien mit der AfD aus: „Mit solchen Leuten darf es keine Zusammenarbeit geben.“
Die 18-jährige Helmholtz-Schülerin und Poetry-Slammerin Leah Eisenbarth beschrieb mit ihrem Gedicht „Jengaturm“, wie zerbrechlich die Demokratie ist, wenn man sie immer weiter aushöhlt. Lieder über den Frieden, darunter „Die weißen Tauben sind müde“ von Hans Hartz und „Nein, meine Söhne geb’ ich nicht“ von Reinhard Mey, sang Susanne Duymel, begleitet von ihrem Mann Oliver Duymel am Keyboard. Die beiden waren für den HFG-Chor eingesprungen, dessen Chorleiterin erkrankt ist.