Zweibrücken
Neue Standesamtsleiterin: Bikerjacke ja, Eichhörnchenfell nein
Ob das ihr Traumberuf ist? „Aber hallo“, sagt Pamela Kuhn, „in unserer Abizeitung von 1993 stand bei mir hinter Berufswunsch: Standesbeamtin.“ Jetzt ist sie nicht nur das, sondern leitet das komplette Zweibrücker Standesamt. Als Nachfolgerin von Yvonne Langner, die nach Rodalben gewechselt ist, arbeitete Kuhn bisher noch an zwei Tagen in der Woche im Jugendamt, bis auch dort die Nachfolge geregelt ist. Im Februar wird es nur noch einmal die Woche sein, ab März ist die neue Leiterin dann komplett im Standesamt.
Wieso eigentlich jetzt erst, wenn doch Standesbeamtin schon seit Jahrzehnten ihr Berufswunsch war? „Ich habe lange beim Sozialamt gearbeitet, was ich auch gerne gemacht habe“, erklärt die 50-Jährige, die ab 2023 beim Jugendamt für Vormundschaften und Pflegschaften zuständig war. Als Yvonne Langner dann Zweibrücken verließ, habe sie die Gelegenheit beim Schopf gepackt. Vorausschauend habe sie bereits 2021 eine zweiwöchige Weiterbildung zur Standesbeamtin in Bad Salzschlirf hinter Fulda absolviert.
„Viele denken bei Standesamt an eine dröge Tätigkeit zwischen staubigen Akten. Aber das stimmt nicht. Die Trauungen etwa, das ist ein sehr kreativer Prozess“, rückt die Amtsleiterin ein schiefes Bild gerade. Wie ihrer Vorgängerin ist es auch Kuhn ein persönliches Anliegen, den Brautpaaren das Ja-Sagen sozusagen maßgeschneidert möglich zu machen. Und möglich ist bei Pamela Kuhn vieles. „Bei einer Biker-Hochzeit ziehe ich auch mal eine Lederjacke an, wenn das gewünscht wird.“
Mit Känguru und Hermine Granger
Vor Kurzem habe sie ein Paar getraut, bei dem der Bräutigam Fan der Känguru-Chroniken von Marc-Uwe Kling war und die Braut den Harry-Potter-Charakter Hermine Granger verehrte. „Das habe ich alles eingearbeitet in die Traurede“, erzählt Pamela Kuhn mit leuchtenden Augen. Sie liebe es, Trauungen einen so individuellen Anstrich zu verpassen.
Ein Anliegen habe sie aber abgelehnt: Cosplayer wollten das Brautpaar in Fuchs-, Eichhörnchen- und Hasenkostümen überraschen, und auch die Standesbeamtin sollte eins tragen. „Das wollte ich dann doch nicht. Ein bisschen feierlich soll es ja bleiben. Außerdem ist die Trauung für Sommer geplant, da wäre es mir als Eichhörnchen etwas warm geworden.“ Sie sei sich auch nicht sicher gewesen, ob sich das Brautpaar wirklich über die Menagerie im Standesamt freut. Also habe sie die Cosplayer überzeugt, das mit den Kostümen abends bei der Feier zu machen.
Grundsätzlich sei sie aber offen für Ideen, Hauptsache den Brautleuten gefällt es. Bisher habe sie keine Klagen gehört, im Gegenteil. „Eine Braut fand es so gut, dass sie mir spontan ihren Brautstrauß geschenkt hat.“ Dabei ist die „begeisterte Zweibrückerin“, wie Kuhn sich selbst nennt, schon seit 33 Jahren vergeben und seit 18 Jahren verheiratet. Zusammen mit ihrem Ehemann hat sie zwei Töchter, 23 und 17 Jahre alt. Sie hat doch sicher in Zweibrücken geheiratet? „Nein, da war damals kein Termin mehr frei, und Samstagstermine gab’s auch noch nicht.“ Und so wurden die Kuhns in Zweibrücken-Land getraut.
Ihre Töchter darf sie nicht trauen
Sollten ihre Töchter einmal heiraten, darf Pamela Kuhn zwar die Traurede halten, aber die Hochzeit nicht beurkunden. „Das ist bei Verwandten in gerade Linie nicht zulässig.“ Als Brautmutter wolle sie aber sowieso lieber nur Gast sein „und ordentlich mitheulen“, wie sie schmunzelnd einräumt. Als Standesbeamtin bekommt sie jetzt schon viel von den Emotionen und der glücklichen Stimmung bei Trauungen ab, „das hat schon einen besonderen Charme“. Sie könne allen Trauungen etwas abgewinnen, egal, ob hundert Leute dabei sind oder nur zwei, wie sie sagt.
Um allen Paaren gerecht zu werden, mache sie samstags nicht mehr als sechs Trauungen. „Da lässt irgendwann die Konzentration nach, und auch meine Stimme leidet.“ Da es für jeden ein einzigartiges Erlebnis sein soll, wolle sie keine Trauungen „am Fließband“ runterrattern.
Absagen muss Pamela Kuhn öfter mal erteilen, weil kein Termin mehr frei ist. Zweibrücken habe sich unter Yvonne Langner als beliebte Hochzeitsstadt etabliert. „Die Hälfte der Brautpaare kommt von außerhalb“, sagt Kuhn. Darunter seien einige, die zuvor auf Hochzeiten in Zweibrücken als Gäste waren und denen es hier gefallen hat. „Eine Auszeichnung für uns“, findet die Standesamtsleiterin, die nach Feierabend und am Wochenende gerne mit Mann und Hund wandern geht. „Außerdem lese und esse ich gerne.“
Ab Mai: Doppelnamen ohne Bindestrich
Im Standesamt geht es auch um Geburten und Todesfälle und einiges mehr, was Pamela Kuhn interessant findet. „Das Standesamt bildet Zeitgeschichte ab“, sagt sie. Im Mai kommt eine Herausforderung auf die neue Amtsleiterin zu: Da tritt ein neues Namensrecht im Kraft, laut dem dann unter anderem Doppelnamen auch ohne Bindestrich möglich sind, und das auch für beide Eheleute und für Kinder. „In die Materie muss ich mich noch einarbeiten“, meint Kuhn. Dabei könne sie sich „auf das extrem fähige Lexikon, das neben mir sitzt“, verlassen. Sie meint den Kollegen Günter Knerr, der bereits seit vielen Jahren im Standesamt arbeitet.
Apropos Namen: Wie spricht man eigentlich Kuhns Vornamen aus, deutsch Pamela oder englisch „Pämälla“? „Ist egal, ich höre auf beides“, meint die Amtsleiterin pragmatisch.