Zweibrücken
Margarete Palz und ihr Bruder Gerhard Heisler erklären ihre Kunst
Ihre Kunst nur als lebensgroße Tanzgewänder zu bezeichnen, würde dem Werk von Margarete Palz (84) nicht gerecht. Ebenso sind die Fotografien ihres Bruders Gerhard Heisler (80) viel mehr als nur eingefangene Momente. Seit den 1990er Jahren vereint sich ihre Kunst. Aber noch nie haben die Geschwister zusammen ausgestellt. Erst jetzt im Neunkircher Arthouse. Am Freitag wurde die Schau eröffnet. Patrick Göbel wollte wissen: Warum stellen die beiden erst jetzt gemeinsam aus? Was fasziniert sie am Werk des jeweils anderen?
Herr Heisler, wie begann die Zusammenarbeit mit Ihrer Schwester?
Gerhard Heisler: Die Zusammenarbeit ist ja schon seit meiner Geburt (lacht). Also, wir könnten bis zu Adam und Eva zurückgehen. Sie hat mein Leben und meine fotografische Entwicklung beratend begleitet. Nach meiner Ausbildung bei Foto Loth in Zweibrücken hatte ich wohl ein sehr ungewöhnliches Berufsleben. Ich war Fotograf der Bundesregierung in Bonn, dann kamen die Meisterprüfung und meine Selbstständigkeit in Saarbrücken. Ich war Spezialist für Industrie- und Architekturfotografie. Meine Kunden, zum Beispiel die Demag-Kranbau in Zweibrücken, haben mich fast rund um die Welt geschickt. Später, weil ich als einer der Ersten Bildgestaltungen am Computer machen konnte, komponierte ich Bilder als digitale Composings. Ich konnte dazu frei gestalten. Diese Ergebnisse wurden dann vergrößert, zum Beispiel für Messen. Ich sage oft: Meine „Spinnereien“ haben die Kunden akzeptiert und sogar bezahlt! Mit meinen freien Gestaltungen habe ich meine Schwester oft überrascht.
Und wie begann Ihre Zusammenarbeit, bezogen auf die Tanzskulpturen Ihrer Schwester? Sie macht ja aus Ihren Fotografien ihre Tanzskulpturen.
Frau Palz, Herr Heisler: Warum stellen Sie erst jetzt zum ersten Mal gemeinsam aus?
Margarete Palz: Da gibt es einen Zufall. Ich hatte als erstes die Einladung von Jürgen Trösch, bei ihm auszustellen (in dessen Arthouse die Ausstellung stattfindet, Anm. d. Red.). Ich bin anschließend nach Spanien gefahren. Ich brauche einfach so Eckpunkte, wie eine Ausstellung sein soll – wann und wie und was. Und wenn ich in Spanien bin, erfinde ich die ganze Ausstellung schon. Dann kam Jürgen Trösch zusammen mit einem Freund zu mir ins Atelier. Da lag ein Katalog der Fotografie meines Bruders. Und die Männer haben geblättert und sagten: Das wär’ doch die Idee, eine Symbiose-Ausstellung zu machen. Und jetzt ist es soweit, dass die Ausstellung hier auf der Bühne steht.
Und wie war die Planung für Ihre gemeinsame Ausstellung?
Palz: Das sind ja zwei unterschiedliche Vorgehensweisen. Mein Bruder hat rasch einen Plan gehabt, was er in die einzelnen Nischen bringt. Während ich erfinde. Meine Kostüme sind ja schon fertig. Aber ich denke darüber nach, was hier erledigt werden soll, bevor ich einschlafe. Da denke ich immer: Morgen könntest du das und jenes machen. Und wenn ich einen Plan im Kopf habe, kann ich schlafen. Ob er in der Tat auch so wird, wie ich mir das ausgedacht habe, weiß man nicht. Ich war vielleicht 20 Mal hier, immer mit einer anderen Sache. Und letzten Samstag war dann der Augenblick, wo wir festgelegt haben, wo was hinkommt.
Herr Heisler, wie haben Sie aus Ihrem reichen Fundus ausgewählt, welche Bilder Sie ausstellen?
Heisler: Das ist eine ganz interessante Frage. Ich habe ein Lager, in dem rund 200 bis 300 Bilder sind. Ich hatte ja hier zehn Kojen (Nischen) und habe versucht, diese Kojen mit einzelnen Arbeitsgebieten zusammenzubringen. Sie sehen geheimnisvolle Bilder, Sachen, die jeder selber betiteln soll und so weiter.
Sie wollten also eine Auswahl treffen, dass von jeder Bildergruppe thematisch eins dabei ist?
Heisler: Ja, wenn Sie so wollen. Es sollte auch zusammengehören und die Entwicklung der Bilder zeigen.
Frau Palz, Herr Heisler: Was schätzen Sie gegenseitig an den Werken des anderen? Was fasziniert Sie daran?
Heisler: Ich finde, es ist eine fantastische Idee, aus der Zweidimensionalität ein bewegtes Objekt zu machen. Das ist die Besonderheit. Und das ist die Einmaligkeit auf der Welt – das sind ihre Skulpturen. Ich habe auch schon eigene Ausstellungen gemacht. Aber im Hintergrund steht immer meine Schwester. Sie hat mein Leben ziemlich gesteuert. Sie hat mich beraten in der Gestaltung. Und sie hat auch die Verbindung geschaffen zwischen unseren Werken. Denn sie ist eine fantastische Organisatorin. Sie hat den Anstoß gegeben zu dieser Ausstellung, und ich vervollständige. Sie kann meine Sachen einsortieren in die Kunstwelt. Das ist der große Vorteil unserer Zusammenarbeit.
Palz: Wenn ich ihn besuche in Saarbrücken, dann will er mir ja immer die neusten Ergebnisse zeigen. Ich bin vielleicht eine der einzigen, die sagt: Das geht weg. Das stimmt nicht. Mein Kriterium ist immer: Gibt mir das Bild etwas? Kann ich eine Assoziation entwickeln? Und dann sage ich: Das ist gut. Nimm das. Er hat ja oft nicht die Leute, die das so schätzen, weil sie es einfach nicht verstehen. Seine Kunst ist nicht restlos gegenständlich. Es ist mal surreal, es ist Kalligrafie.
Ihre Schwester hat in den 1990er Jahren mit Gewändern auf Grundlage Ihrer vergrößerten Fotos angefangen. Haben Sie diese Vergrößerungen schon vorher gemacht?
Warum hat Ihre Schwester die überschüssigen Fotos überhaupt mitgenommen?
Sucht sich Ihre Schwester die überschüssigen Fotos aus, oder schlagen Sie ihr Fotos vor?
Heisler: Sie ist da völlig frei. Sie hat Fotos mitgenommen und hat sie nach Themen sortiert. Je nachdem, was ihr einfiel – und hat daraus Bilder gemacht. Sie sehen ja die Vielfalt der Werke. Meine Schwester wurde durch die Farbgebungen meiner Bilder inspiriert, ganze Gruppen herzustellen. In der Ausstellung ist ein Bild, das nennt sich „Neue Materialien“. Daraus hat sie fünf Skulpturen gemacht, die alle den gleichen Ton haben.
Wie läuft Ihre Zusammenarbeit ab?
Wie haben Sie die Bildmotive ausgesucht für diese Stadtskulpturen?
Heisler: Meine Schwester bestimmte, aus welchen Motiven der Mantel bestehen soll. Am Beispiel des Mantels für Zweibrücken beschreibe ich den Weg zu den Grundlagenbildern, die dann vernäht werden sollten: Sie und ich suchten geeignete Motive aus, dann wurde ermittelt, wo diese waren. Die meisten im Stadtarchiv. Dorthin brachte ich meine Fotogeräte – Großbildkamera, Blitzbeleuchtung, Spezialreproduktionskasten, Computer – und fotografierte Seiten aus Büchern oder Karten. Die Fotos wurden zu Hause optimiert und auf Spezialmaterial vervielfältigt. Diese Herstellungsart ist irre aufwendig.
Wie lange dauert es vom Auftrag bis zum fertigen Kunstwerk?
Heisler: Das beste Beispiel ist der Mantel der Mensa. Sie hat daran etwa sechs Monate gearbeitet. Die digitalen Arbeiten dauerten ähnlich lang. Meine Schwester schneidet meine Fotos in Streifen von zwei bis drei Zentimetern Breite und näht sie auf ein Trägermaterial auf. Sie probiert einen Hut oder einen Ärmel an und näht weiter, bis der komplette Mantel möglichst perfekt aussieht. Sie gestaltet beim Entstehen. Dabei stellt sie fest, welche Beweglichkeit möglich ist. So entsteht eine Tanzskulptur.
Können Sie sich vorstellen, noch mal zusammen auszustellen?
Palz: Das kann ich nicht mit Ja oder Nein beantworten. Was sich ergibt, so wie das – warum nicht.
Ausstellung
Margarete Palz und Norbert Heisler: „2D – Symbiose – 3D“, Neunkirchen, Arthouse (ehem. Herz-Jesu-Kirche), Mozartstraße/Ecke Kleiststraße, bis 11. März, Mittwoch bis Freitag 14 bis 18 Uhr, Samstag 11 bis 14 Uhr. Es gilt die 2G-plus-Regel.