Handball
Jerome Müller: Ein neues Leben in Luzern zwischen See, Bergen und Spitzensport
Fast meint man im Hintergrund das leise Wasserrauschen des Vierwaldstättersees zu hören. Handballer Jerome Müller macht gerade einen kleinen Spaziergang durch Luzern, als er mit der RHEINPFALZ telefoniert. Seit etwas über einem halben Jahr spielt der 29-Jährige beim schweizerischen Erstligisten HC Kriens-Luzern – und fühlt sich sehr wohl bei den Eidgenossen.
„Wir sind gut angekommen, es passt sozial und beruflich gut“, sagt Jerome Müller, der mit Ehefrau Margarita im Sommer 2025 für zwei Jahre den Schritt ins Ausland gewagt hat. Nach vielen Jahren in der Zweiten und Ersten Liga Deutschlands bei den Eulen Ludwigshafen (2018 bis 2020), dem TBV Stuttgart (2020 bis 2023) und dem HBW Balingen-Weilstetten, mit dem er zuletzt sensationell Dritter beim Pokal-Final-Four geworden war.
Die beiden leben in Luzern. „Wir haben nur zwei, drei Minuten bis zum See oder bis in die Stadt, und ich bin mit dem Roller in fünf, sechs Minuten in der Trainingshalle“, berichtet Müller von kurzen Wegen in der 90.000-Einwohner-Stadt; auch zu den vielen Restaurants, Cafés und Bars. „Es ist ein schönes Umfeld mit der Stadt, dem See und den Bergen“, plaudert er. Bei den Schweizern selbst gerät er ins Schwärmen. „Die Menschen sind sehr warmherzig und kontaktfreudig. Das hat uns echt überrascht, das hatten wir so nicht erwartet“, sagt er.
„Im Sommer ist unsere kleine Pension ausgebucht“
Dass es in Luzern schön ist, haben auch Verwandte (Müller stammt aus dem saarländischen Werschweiler) und Freunde schon erkannt. „Im Sommer ist ,unsere kleine Pension’ eigentlich dauernd ausgebucht“, sagt er lachend. Selbst wenn es an manchen Sommertagen („Sonst ist das Klima hier wie zu Hause“) mal 20 Regenschauer hat.
Skifahren wollen die Müllers bald mal ausprobieren, „wir haben zwei Skigebiete nur eine halbe Stunde weg von uns“, sagt Jerome Müller, der seit er klein war, regelmäßig zusammen mit der Familie auf Skiern stand. An Wassersport hat er sich noch nicht rangetraut. „Klar, wir gehen im Sommer im See schwimmen, zur Abkühlung. Sonst haben wir aber bisher nur mal eine Bootstour gemacht.“
Neues Land, neuer Trainer, neue Liga
Was ist anders in der Schweiz? „Der öffentliche Personennahverkehr funktioniert besser. Meine Frau fährt jeden Tag mit dem Zug zu ihrer Arbeit als Social-Media-Managerin nach Zürich. Da hat sie im letzten halben Jahr dreimal eine Verspätung gehabt, zusammengerechnet vielleicht zehn Minuten“, lobt Müller. Und etliches funktioniere hier mit viel Eigenverantwortung. Im ersten halben Jahr sei viel zu regeln gewesen, zudem hätten sie viel Zeit ins soziale Miteinander investiert, sagt Müller.
Sportlich sieht der Online-Student des Finanzmanagements bei sich noch Luft nach oben. „Das war nicht von Anfang an unfassbar gut und wenig Herausragendes dabei“, bilanziert er selbstkritisch. Er habe sich erst an die neue Liga mit viel Kampf und viel Tempo gewöhnen müssen. Und als er kam, war Zeljko Musa schon nicht mehr Trainer beim HC Kriens-Luzern. Thomas Zimmermann, Staff-Mitglied und Assistenz-Trainer in der Schweizer A-Nationalmannschaft unter Andy Schmid, hatte übernommen. Aber immerhin: Torwarttrainer Gorazd Skof, Müllers Ex-Teamkollege bei den Eulen Ludwigshafen, war noch da.
Müller fiebert mit Team den Play-offs entgegen
In der European League hatte Müller ebenso Einsätze wie in der Quickline Handball League, allerdings erst ein Heimspiel in der brandneuen Pilatus-Arena des HC Kriens-Luzern im Jahr des 60-jährigen Vereinsbestehens. „Wir hatten am Anfang der Saison kaum Heimspiele. In der European League sind wir gegen Porto und Elverum rausgeflogen, sind im Pokal raus, und haben auch in der Liga ein, zwei Spiele zu viel verloren“, sagt er mit Blick auf die je drei Spiele der zehn Liga-Teams gegeneinander.
Aber sein Klub ist mit einigen Spielen Rückstand Tabellendritter, „und das System nach der regulären Saison mit den Play-offs mit ,Best of five’ in jeder Serie gibt uns noch genügend Puffer“, weiß er. Die Meisterschaft ist noch ein Ziel. Nach einer komplizierten Verletzung im linken Sprunggelenk am 9. November im Pokalachtelfinale bei Pfadi Winterthur absolvierte Müller am Montag gerade das erste vollständige Training. Gut: Der Fuß hat am Tag darauf nicht reagiert auf die Belastung. Müller ist heiß auf den Re-Start der Liga nach dem EM-Pause. Dann geht’s am 4. Februar zu Hause gegen den TSV St. Otmar St. Gallen.