Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Hallplatz-Brunnen wird umbenannt: Was Sie über den Namensgeber wissen sollten

Ein Familienfoto Anfang der 20er-Jahre (von links): Fritz Gugenheim, Schwiegertochter Ilse und Sohn Alfred, Sohn Hans und Schwie
Ein Familienfoto Anfang der 20er-Jahre (von links): Fritz Gugenheim, Schwiegertochter Ilse und Sohn Alfred, Sohn Hans und Schwiegertochter Claire sowie Ehefrau Melly.

Der König-Ludwig-Brunnen auf dem Zweibrücker Hallplatz wird am Sonntag, 14. Juni, umbenannt. Er trägt künftig den Namen seines jüdischen Stifters Fritz Gugenheim.

Der Zweibrücker Stadtrat hat bereits vor einem Jahr beschlossen, dass der Brunnen auf dem Hallplatz, wie ihn die Zweibrücker nennen, in Gedenken an seinen Stifter Fritz Gugenheim fortan dessen Namen tragen soll. Auch eine Gedenktafel soll an ihn erinnern. Der Brunnen auf dem Hallplatz wurde am 14. Juni 1914 als „König-Ludwig-Brunnen“ eingeweiht.

An der Einweihungsfeier nehmen Nachkommen von Fritz Gugenheim teil, die in Großbritannien leben. Organisiert wird die Feier von der Stadt. Fritz Gugenheim (1859 bis 1939) war ein jüdischer Kaufmann, der in Zweibrücken in einfachen Verhältnissen aufwuchs, in Krefeld und Berlin durch Textilhandel zu Wohlstand kam und später von den Nazis enteignet wurde.

Seide hatte es ihm angetan

Fritz Gugenheim wurde am 2. Mai 1859 in Zweibrücken geboren. Er war das zweite von sechs Kindern, die sein Vater Max mit seiner dritten Ehefrau hatte. In der Hintergasse hatte Max Gugenheim ein Mehlgeschäft; deutlich erfolgreicher aber war das Textilwarenhaus seines Cousins Lucian Gugenheim in der Hauptstraße. Dort sollte Fritz in die Lehre gehen.

Noch trägt der Brunnen auf dem Hallplatz den Namen König-Ludwig-Brunnen.
Noch trägt der Brunnen auf dem Hallplatz den Namen König-Ludwig-Brunnen.

Das Geschäftshaus von Lucian Gugenheim stand auf Höhe der heutigen Früchteecke Wolf in der Fußgängerzone. Dort lernte Fritz zunächst Kleiderstoffe aus Wolle und Leinen kennen, später auch aus Seide. Für diesen Stoff, der es ihm angetan hatte, verließ er im Alter von 26 Jahren seine Heimatstadt und zog nach Krefeld, „der Samt- und Seidenstadt“. Dort errichte er 1885 ein Handelsgeschäft für deutsche Seidenstoffe. Zusammen mit August Michels aus einer eingesessenen Krefelder Seidenweberfamilie gründete Gugenheim 1886 eine offene Handelsgesellschaft „Michels & Co.“. Das Seidengeschäft eröffnete unter anderem Filialen in Berlin, die später zu Hauptgeschäften wurden. Schließlich übernahm Gugenheim das Geschäft als alleiniger Inhaber. In Krefeld heiratete Fritz Gugenheim 1888 Melly Kaiser; 1889 und 1891 wurden die Söhne Hans und Alfred geboren.

Hoflieferant des Kaisers

Als Kaiser Wilhelm II. auf Gugenheims Stoffe aufmerksam wurde, stand seiner weiteren Karriere nichts mehr im Wege: Gugenheim wurde zum Hoflieferanten erkoren, in viele Gremien und Funktionen gewählt und 1910 zum preußischen Kommerzienrat ernannt. Sein Haupttätigkeitsfeld hatte er nach Berlin verlegt. Gugenheim engagierte sich sozial, betätigte sich als großzügiger Spender. So kam auch seine Heimatstadt zu dem Brunnen auf dem Hallplatz, damals nach König Ludwig benannt. Bei der Einweihung des Brunnens 1914 war die halbe Stadt auf den Beinen, pathetische Reden wurden gehalten.

Doch nach Hitlers Machtergreifung 1933 wurden Juden systematisch ausgegrenzt, enteignet, zur Emigration gezwungen. Während seine Frau Melly mit den beiden Söhnen fliehen konnte, blieb Fritz in Berlin. Er verkaufte sein Landhaus in Potsdam; von dem Geld sah er nichts. Fritz Gugenheim starb am 6. Oktober 1939 – die Ursache ist unbekannt – in seinem Haus in der Kaiserstraße in Potsdam.

Info

Der Hallplatz-Brunnen wird am Sonntag, 14. Juni, um 17 Uhr als „Fritz-Gugenheim-Brunnen“ eingeweiht.

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