Zweibrücken / Hornbach
FDP nominiert Zweibrücker Profireiterin für den Bundestag
Die Zweibrücker Profireiterin Anne Oberle kandidiert für den Bundestag. Die FDP nominierte sie am Samstagmorgen einstimmig als Direktkandidatin für die Südwestpfalz. Sie ist 45 Jahre alt und seit 20 Jahren als Springreiterin bekannt. Sie hat an Internationalen und Deutschen Meisterschaften teilgenommen und mehrere Pfalz- und Rheinland-Pfalz-Titel gewonnen. Mitglied der FDP ist Anne Oberle seit 2019. 2023 rückte sie in den Zweibrücker Stadtrat nach, wurde im Sommer wiedergewählt und ist Fraktionssprecherin. Im Zweibrücker Stadtteil Mittelbach, wo sie auch im Ortsbeirat sitzt, betreibt sie eine eigene Reitanlage.
Für eine kinderfreundliche Stadt kämpfen
In ihrer kurzen Vorstellungsrede bezeichnete sie sich als „Mutter von drei sportbegeisterten Kindern“ und nannte als einen Schwerpunkt ihrer politischen Arbeit den Einsatz für Familien, Jugendliche und den Sport: „Ich kämpfe für einen kinderfreundlicheren städtischen Raum, der nicht nur sicher ist, sondern auch den Einzelhandel stärkt. Mein Ziel ist es, Raum für Sport- und Freizeitangebote zu schaffen, die das Miteinander in der Gemeinschaft fördern.“ Oberle nannte zudem den Bürokratieabbau, Steuererleichterungen für Bürger und Unternehmen und die Digitalisierung, und sie sagte: „Nicht vergessen dürfen wir die Investitionen in eine moderne Verkehrsinfrastruktur und die Förderung nachhaltiger Mobilität.“ Dazu zählte sie auch „eine effizientere Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel“.
Anne Oberle kandidiert im Bundestagswahlkreis 209, zu dem die Städte Pirmasens und Zweibrücken, der Landkreis Südwestpfalz und der Süden des Landkreises Kaiserslautern mit den Verbandsgemeinden Bruchmühlbach-Miesau, Landstuhl und Ramstein-Miesenbach gehören. Nach ihrer Nominierung sagte sie im Gespräch mit der RHEINPFALZ, dass sie gefragt worden sei, ob sie antreten würde. Nach einer Woche Bedenkzeit habe sie zugesagt: „Entweder mach’ ich’s richtig oder gar nicht.“
Hohn: Lindner hätte Eier in der Hose haben müssen
Auf das Ampel-Aus und die Kritik an den Plänen der FDP, den Bruch der Koalition generalstabsmäßig herbeizuführen, ging Oberle nicht ein. Das Thema hatte der Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Steven Wink eingangs angesprochen. Er kritisierte, dass der Schwerpunkt der Debatte zu wenig auf den allgemeinen Problemen im Land liege und zu viel darüber diskutiert werde, „ob beschissene Begriffe verwendet wurden“. Die FDP hatte in ihrem Papier militärische Ausdrücke wie „D-Day“ und „offene Feldschlacht“ verwendet – was Wink mit einem Augenzwinkern aufgriff, als er zwei neuen Parteimitgliedern FDP-Tassen überreichte, die ausgerechnet die Aufschrift „Freiheitskämpfer“ trugen: „Passt jetzt auch in die Zeit, ne?“
Ganz anders als Steven Wink sah es Reiner Hohn, der seit über 50 Jahren FDP-Mitglied ist, Landtagsabgeordneter, Kreisvorsitzender und lange Jahre Bürgermeister von Hornbach war. Anfangs seien die Medien sehr kritisch mit FDP-Chef Christian Linder umgegangen, „jetzt machen sie sich lustig über ihn – zurecht!“. Hohn fand: „Der kann doch als Bundesvorsitzender nicht sagen, er hat von dem Papier nichts gewusst.“ Dann wurde er noch deutlicher, sprach von „Kasperletheater“. Sollte die FDP nicht mehr in den Bundestag einziehen, „ist dieser Mann nicht mehr tragbar“. Lindner habe in vielem Recht, „aber dann hätte er die Eier in der Hose haben müssen, um diese Koalition vor einem Jahr aufzulösen!“. Hohn kritisierte auch Verkehrsminister Volker Wissing, der aus der FDP ausgetreten ist und sein Amt behalten hat. Der Austritt habe ihn sehr enttäuscht. Wissing hätte den Mut haben müssen, gegen Lindner zu kandidieren, fand Hohn, der hoffte, dass Anne Oberle bei der Wahl „nicht abgestraft wird für Berlin“.
„Es geht ums Überleben dieser Partei.“
Der Vorsitzende der Südwestpfälzer Jungliberalen, Maximilian Krolo, kritisierte Lindner ebenfalls und fand, dass „das Theaterstück, das er orchestriert hat, der Partei sehr geschadet hat“. Er müsse Lindner in sehr vielen Punkten Recht geben, aber im Februar gehe es um mehr als um den Einzug in den Bundestag: „Es geht ums Überleben dieser Partei.“ Volker Schmitt, Bürgermeister von Großsteinhausen und Fraktionssprecher im Verbandsgemeinderat Zweibrücken-Land, machte sich angesichts aktueller Umfragewerte ebenfalls Sorgen und warnte: „Wenn der Lindner noch lange da oben ist, werden wir aus diesem Loch nicht rauskommen.“