Meine Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Es muss gewährleistet sein, dass Kranke am Wochenende schnell behandelt werden

Wartezimmer
Wartezimmer

Wer am Wochenende krank wird, der ist oft aufgeschmissen. Immer wieder schildern uns Leser, dass sie gar nicht bis zum Ärztlichen Bereitschaftsdienst im Krankenhaus vordringen. Man soll ja nicht einfach hingehen, sondern vorher anrufen unter der Nummer 116117. Da kommt man aber meistens nicht durch. Also fahren die Kranken zur Bereitschaftspraxis im Krankenhaus. Aber auch dort gelingt es ihnen nicht, bis zu einem Arzt vorzudringen oder erst nach Stunden.Einem Menschen, der an Atemnot leidet, kommen diese Stunden vor wie eine Ewigkeit.

Die Ärzte, die den Bereitschaftsdienst leisten, beklagen andererseits, dass viele Patienten mit ganz kleinen Wehwehchen den Betrieb bremsen und lähmen. Und auch Patienten kommen, die unter der Woche keine Lust oder Zeit haben, zum Hausarzt zu gehen.

Beides ist richtig. Aber der Konflikt ist nicht gelöst: Ernsthaft erkrankte Menschen müssen zu lange auf Behandlung warten, weil es der Bereitschaftspraxis nicht gelingt, die Patienten, die akut keine Behandlung benötigen, dazu zu bewegen, an einem der folgenden Tage ihren Hausarzt aufzusuchen.

Wer ernsthaft erkrankt ist, aber einfach nicht drankommt, dem bleibt dann nur, den Rettungswagen zu rufen. Davor scheuen viele Menschen zurück, weil sie sich zwar krank fühlen, aber nicht in Lebensgefahr. Ich habe auch schon mal mit meinem Vater am Sonntagabend in einem Wartezimmer der Uniklinik gesessen – und bin einfach nicht drangekommen, erst nach einer gefühlten Ewigkeit. Mein Vater hatte einen Schlaganfall, wie sich dann herausstellte, eine raschere Behandlung wäre besser gewesen.

Die RHEINPFALZ hat gestern die Probe aufs Exempel gemacht und den Ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Nummer 116117 angerufen und sich dabei gedanklich in einen Menschen mit Atemnot versetzt. Kaum gewählt, geht sofort jemand dran. Doch es ist eine Computerstimme. Wie bei jedem „Dienstleister“ heutzutage läuft ein Band, und ich werde aufgefordert, die Ziffer 1 zu drücken, wenn ich allgemeine Informationen haben will. Wenn ich krank bin, soll ich keine Ziffer drücken, sondern dranbleiben und warten. Ich warte. Eine neue Stimme meldet sich. Es ist wieder eine Computerstimme. Je nach Anliegen soll ich eine Ziffer drücken. Ich drücke. Eine neue Stimme meldet sich. Es ist wieder eine Computerstimme. Je nach Anliegen soll ich eine Ziffer drücken. Ich drücke. Jetzt höre ich mir schon die vierte Ansage vom Band an. Doch nun habe ich das Gefühl, dass ich nicht mehr weit von einem echten Menschen entfernt bin. Falsch gedacht, denn nun heißt es: „Sie befinden sich in einer Warteschleife an Position acht, die voraussichtliche Wartezeit beträgt zwölf Minuten. “

Hätte ich tatsächlich Atemnot, dann hätte ich spätestens jetzt den Hörer aufgelegt, die 112 gewählt und den Notarzt angefordert.

Das Beispiel zeigt: Es scheint angezeigt, dass sich alle Beteiligten noch einmal gründlich Gedanken darüber machen, wie die Probleme im Sinne der Patienten gelöst werden könnten. So wie es ist, kann es nicht bleiben. Politik, Kassenärztliche Vereinigung und Krankenhäuser sind gefordert, gerade in einer Zeit wie dieser.

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