Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel E-Auto in Flammen: In Zweibrücken wird geflutet

Nicht eine Übung der Zweibrücker Feuerwehr, sondern eine Schulung von Einsatzkräften in St. Leon (Rhein-Neckar-Kreis) im August.
Nicht eine Übung der Zweibrücker Feuerwehr, sondern eine Schulung von Einsatzkräften in St. Leon (Rhein-Neckar-Kreis) im August. Trainiert wird an einem Schulungsfahrzeug das Löschen eines in Brand geratenen Elektro-Autos.

Sie machen Schlagzeilen, nicht nur, wenn ein ganzer Frachter in Flammen aufgeht. Brände unter Beteiligung von Elektro-Fahrzeugen. Die Frage schwingt mit: Sind die eigentlich gefährlicher als Verbrenner? Frank Theisinger meint: nein.

Noch liegt ihr Anteil im niedrigen einstelligen Prozentbereich, mit Anfang des Jahres 417 Fahrzeugen in Zweibrücken etwa bei 1,9 Prozent, im Landkreis Südwestpfalz bei 1,7. Aber sie sind nun weit häufiger auf den Straßen und an den Ladestellen zu sehen: vollelektrische Alltagsautos. In Zweibrücken, sagt Frank Theisinger, ist noch kein einziges in Flammen aufgegangen. Für den Fall der Fälle sei seine Feuerwehr gerüstet. Sorgen bereitet dem Leiter des Brand- und Katastrophenschutzes der Stadt anderes.

Frank Theisinger, Leiter des Zweibrücker Brand- und Katastrophenschutzes.
Frank Theisinger, Leiter des Zweibrücker Brand- und Katastrophenschutzes.

Wie löscht man, wenn ein E-Auto brennt? So der Titel eines RHEINPFALZ-Artikels in dieser Woche. Alle großen Sender und Medienhäuser beschäftigten sich in diesem Sommer mit dem Thema. Frank Theisinger, Leiter der Stabsstelle Brand- und Katastrophenschutz der Stadt, legt die Stirn in Falten. „Ich verstehe die Aufregung nicht. In Deutschland haben wir täglich etwa 80 Autobrände. Für die Feuerwehren ist das reine Routine. Wenn ein E-Auto beteiligt ist, auch nur eine Selbstentzündung vermutet wird, sorgt das für Schlagzeilen.“ Die Zweibrücker Feuerwehr habe noch kein Auto oder ein Nutzfahrzeug mit Elektroantrieb aus Akkuspeisung löschen müssen. Irgendwann wird es aber so sein. Und dann sei man gerüstet. „Fachlich haben wir uns schon vor zehn Jahren mit den Themen beschäftigt. Es gibt keinen Spezialzug der Feuerwehr Zweibrücken, der dann ausrücken würde, jeder unserer vier Züge, die sich im Wochenwechsel ablösen, kann ein E-Fahrzeug löschen. Grundsätzlich ist die Herangehensweise genauso wie bei einem Verbrenner“, sagt Theisinger.

Bei der Triwo können Fahrzeuge geflutet werden

Unter Atemschutz würden sich die Brandbekämpfer dem Fahrzeug nähern, mit Wasser das Feuer löschen. Bei der Nachsorge gebe es eine Besonderheit. „Bei E-Fahrzeugen muss eine Kettenreaktion im gängigen Lithium-Ionen-Akku unterbrochen werden. Die Gefahr einer erneuten Entzündung bannt man, indem man die Temperatur unter 90 Grad Celsius hält. 24 Stunden sollte ein gelöschtes E-Auto noch gekühlt und unter Kontrolle gehalten werden.“ Die Zweibrücker Wehr kann dafür auf eine Besonderheit zurückgreifen. Die in die städtische Brandbekämpfung voll eingebundene Flugplatz-Feuerwehr der Triwo verfügt über ein großes, 36.000 Liter Wasser fassendes Reservoir, einen Stahlcontainer, in den Fahrzeuge komplett versenkt werden können. Die Triwo betreibt auf dem Flugplatzgelände ein KFZ-Testzentrum, viel genutzt auch von Herstellern und Zulieferern von E-Autos. Sollte ein E-Auto etwa auf einem Parkplatz im Stadtgebiet ausbrennen, würde der Wasserbehälter der Triwo verladen und vor Ort gebracht. „Was nicht geht, ist, das zwar gelöschte, aber noch heiße Fahrzeug zu verladen und zum Flugplatz zu bringen. Das wäre zu gefährlich“, sagt Theisinger. Viel Aufwand, aber Sicherheit geht vor.

Sorgen macht sich Zweibrückens formal oberster Brandbekämpfer überhaupt nicht. Obschon selbst kein E-Auto-Besitzer, gelten ihm die „Stromer“ nicht als gefährlicher als Fahrzeuge andere Antriebe. „Was die Brandlast angeht, habe ich vor Campern mit vielleicht gleich mehreren Gasflaschen an Bord weit mehr Respekt“, sagt er. Die normalen, vernünftigen Vorsichtsmaßnahmen seien auch bei Vollelektrischen oder Plug-in-Hybriden zu empfehlen. „Wenn ich mit meinem Auto mal heftig aufsetze, lasse ich den Unterboden in der Werkstatt kontrollieren. Das ist sicher auch bei den festverbauten, schweren Akkus sinnvoll. Und selbst irgendwie herumschrauben, sollte man auch nicht. Geht ja aber auch kaum noch.“

Sollte jeder haben: eine Blechbox

Was Theisinger auf keinen Fall machen würde, ist, während eines Ladevorgangs, zumal einer Ultraschnellladung mit einer Leistung von 150 Kilowatt die Stunde, im Wagen sitzenzubleiben. „Habe ich gerade wieder im Urlaub an einem Rasthof gesehen. Also nein, das sollte man lassen.“ Defekte und auftretende Probleme beim Ladevorgang gelten, wenn auch selten, als häufigste Ursache für Brände von E-Autos.

Generell mahnt Frank Theisinger zu Vorsicht beim Umgang mit Batterien und Akkus. Im April war in einem Keller eines Hauses im Zweibrücker Ulmenweg ein Feuer ausgebrochen. Für die Feuerwehr ein größerer Einsatz, auf 30.000 Euro Sachschaden lautete die damalige Schätzung. Die Ursache: offen gelagerte, sich entzündende Knopfzellen, wie sie in Hörgeräten, Taschenrechnern und anderen Elektrokleingeräten zum Einsatz kommen. „So was ist zu vermeiden, wenn Batterien oder Akkus in verschlossenen Blechboxen gelagert werden. Alte Batterien sollte man ohnehin bald zur Sammelstelle bringen.“ Theisinger selbst würde auch nie einen Fahrrad-Akku in der Wohnung aufladen. „Immer draußen. Es lässt sich leicht was installieren.“

Gut für Fragen: Tag der offenen Tür am Sonntag

Für kommenden Sonntag, 3. September, lädt die Zweibrücker Feuerwehr von 10.30 bis 18 Uhr zum Tag der offene Tür an die Hauptwache in der Landauer Straße 76 ein. Es gibt Ausrüstung zu sehen, Vorführungen, Unterhaltung auch bei Essen und Trinken. Zum Spatenstich für den Neubau einer Wagenhalle wird um 15 Uhr der rheinland-pfälzische Innenminister Michael Ebling erwartet. Und wer Fragen zur sicheren Handhabung seines E-Fahrzeugs aus Sicht der Feuerwehr hat, werde auf kompetente Ansprechpartner treffen, verspricht Frank Theisinger.

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