Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Der „Drehorgelbu“ und seine ganz spezielle Therapie

Stammgast bei der Kult(o)urnacht: Peter David unterhielt an der Alten Münze.
Stammgast bei der Kult(o)urnacht: Peter David unterhielt an der Alten Münze.

Gerade war er wieder auf der Kult(o)urnacht zu bewundern: Aus Peter David, dem heute 56-Jährigen Mitarbeiter der Stadt, wird regelmäßig der „Speyerer Drehorgelbu“.

Als auf dem Weihnachtsmarkt in Köln ein Drehorgelspieler „Heinzelmännchens Wachtparade“ spielt, ist es endgültig um Peter David geschehen. Das 1892 von Kurt Noack komponierte Stück gilt als Klassiker im Repertoire von Drehorgelspielern und Jahrmarktsorgeln. Aber das ist es nicht allein, was David daran fasziniert. „Klang, Rhythmus und die Vibrationen, die vom Instrument ausgehen, sind für mich entscheidend“, sagt er. Musizieren sei schon immer sein Hobby. Angefangen habe er im Fanfarenzug Rot-Weiß. Dort habe er auch seine Frau Tania kennengelernt, die seine Liebe zum Drehorgelspiel teilt und seine Aktivitäten von Anfang an unterstützt.

Seine Gattin ist es auch, die ihn auf eine Anzeige in der RHEINPFALZ aufmerksam macht. Dort bietet ein Neuhofener eine gebrauchte Drehorgel zum Verkauf an. Es wird die erste von Peter David. „Drehorgel ist auch meine Therapie“, bekennt er. David leidet an einem Tinnitus. Tag und Nacht rauscht ein Wasserfall in seinem Ohr. Das stört seine Konzentrationsfähigkeit und schränkt ihn zudem beim Arbeiten ein. Der gelernte Industriemechaniker, der heute als städtischer Brunnentechniker sein Geld verdient, ist beim Drehen der Leier beschwerdefrei. Das hat er beim Spielen entdeckt.

Das Ohr muss geschult werden

Die Frequenz der Musik beruhigt ihn. Er spielt und übt oft zu Hause, wo sein „Leierkasten“ im Wohnzimmer steht. Und er spielt gern lange. „Neuneinhalb Stunden am Stück beim Bauernmarkt war bisher der längste Einsatz“, bemerkt er stolz. „Üben, besser gesagt trainieren, muss man schon“, weiß er aus persönlicher Erfahrung. „Vor allen das Ohr muss geschult werden, um zu lernen, wie schnell man drehen muss.“ Das sei schließlich wichtig für das Spielen und erst recht für das perfekte Zusammenspiel mit anderen.

Peter David ist inzwischen häufig mit Victoria aus Ilbesheim in der Südpfalz unterwegs. Beide haben sich bei der Drehorgel-Serenade im Technik-Museum Speyer kennengelernt. Mittlerweile hat sie ihm seine erste Drehorgel abgekauft. Der Leierkastenmann und die Leierkastenfrau stehen vor allem auf moderne, rockige Stücke. Da setzt dann beim passenden Stück schon mal ein E-Gitarrist live bei der Performance etwa mit der Band F.I.N.E. Rip ein. „Ich finde, man muss mit der Zeit gehen“, sagt David im Wissen, dass das nicht alle in der Szene goutieren.

Ein ganz schön teures Hobby

„Ich habe aber alle musikalischen Richtungen im aktuell 640 Titel zahlenden Repertoire“, unterstreicht der Speyerer. Von „Alte Kameraden“ über Weihnachtslieder über „Tage wie diese“ oder „Clocks“ von Coldplay bis hin zu „Forever Young“ von Alphaville und dem Deep-Purple-Klassiker „Smoke on the Water“ steckt alles in seinem „Kinderwagen mit Holzkastenaufbau“, wie David sein Spielgerät manchmal scherzhaft nennt.

Bis er wirklich ein „Drehorgelbu“ ist, wie er einer sein will, beschäftigt er sich seit seinem „Erweckungserlebnis“ seinerzeit im Rheinland intensiv mit der Materie. Er weiß schnell, wie teuer sein Hobby und seine Therapie sein können. Eine Drehorgel 2031 – das bedeutet 20 Töne und 31 Pfeifen – kann etwa 10.000 Euro kosten. Er besucht die drei noch in Deutschland existierenden namhaften Herstellerfirmen und knüpft Netzwerke. Er lernt die Betriebsarten wie Stick, Musikband und elektronisch kennen, weiß inzwischen, dass ein normales Band 40 Meter lang ist, etwa vier Minuten Spielzeit bietet und – je nach Dauer – vier bis fünf oder auch nur ein Stück auf sich vereinen kann.

Drehorgel mit Dubbeglashalter aufgerüstet

David wählt mittlerweile regelmäßig Titel aus und lässt sie für sein Instrument „umschreiben“ – für rund 120 Euro pro Stück. Die Firma seines Vertrauens ist Deleika in Dinkelsbühl. Dort hat sich David zuletzt seine Drehorgel 2644 (26 Töne/44 Pfeifen) gekauft, die seinen Vorstellungen entspricht. Er hat sie unter anderem mit Schlagwerk, Glocke und – ganz wichtig in der Pfalz – einem Dubbgeglashalter aufgerüstet.

Gefragt ist der „Drehorgelbu“ allein oder zusammen mit seiner Kollegin inzwischen oft. Buchen kann ihn jeder. In diesem Jahr gibt er unter anderem beim Mitarbeiterfest der TU Karlsruhe (KIT) vor erwarteten 5000 Besuchern den Ton an oder ist für 13 Auftritte im Haßlocher Freizeitpark „Plopsaland“ gebucht. Nach eigenen Angaben darf er exklusiv zwei Titel der dortigen Unternehmensmusik spielen. Beim US-Car-Treffen in Germersheim und beim Brazzeltag im Speyerer Technik-Museum war er ebenfalls unterwegs. Zum Science-Fiction-Treffen am 26./27. September tritt er mit seiner Partnerin unter einem neuen, auf das Event abgestimmten Namen auf. „Den darf ich aber noch nicht verraten“, sagt er.

Was er dagegen gerne verrät: Peter David spielt die Drehorgel zwar immer für Freunde seiner Musik und für sein eigenes Wohlbefinden. Aber er stiftet alles, was in seinen Hut geworfen wird, komplett für soziale Belange. Er behält sich jedoch immer die Entscheidung über den konkreten Verwendungszweck vor.

Kontakt

E-Mail speyrerdrehorgelbu@gmx.de, Telefon 0176 34145772

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