Blieskastel / Berlin
Drehort Blieskastel: Ein Transvestiten-Drama nah am Trash
Ihr Film „Zeit der Monster“ ist keine Hochglanzproduktion. Erstaunlicherweise hat man Sie trotzdem sehr unterstützt.
Stimmt. Das war mitreißend. Wir haben in Blieskastel gedreht. Vor dem Rathaus, meine ich. Und dann kam da irgendjemand raus, der so, na ja, ein bisschen verrückter angezogen war. Und dann stellte sich heraus, dass das der Bürgermeister war. Ich würde mich jetzt nicht mehr verbürgen dafür. Jedenfalls irgendein hohes Tier im Rathaus. Und der fand das alles ganz interessant und auch lustig. Wir hatten natürlich eine offizielle Drehgenehmigung gehabt. Aber so haben wir noch mal den Segen von dem bekommen. Das war einfach witzig.
Wie kommen Sie auf die Idee, einen Queer-Film über Transvestiten ausgerechnet in einer saarländischen Kleinstadt zu drehen? Ich würde da eher an Berlin, Hamburg oder Köln denken?
Mittlerweile gibt es auch in der deutschen Provinz so Minisubkulturen, die interessant sind. Der Unterschied zu Berlin ist, dass man in Städten wie Saarbrücken noch heterogene Kulturen hat. In Berlin ist alles so vermischt. Jeder geht in den Club, in der die Musik läuft, die er auch hören mag. Wo er die Leute trifft, die dieselbe Musik gut finden. Die dieselben Klamotten gut finden. Die letztlich dasselbe Denken haben, wie man selber. Das ist in Saarbrücken nicht so. Im „Winzer“, der Gaststätte meines Hauptdarstellers Wolfgang Reeb, saß mal links neben mir eine Transgenderfrau und rechts neben mir so ein Ringerweltmeister. So eine Mischung an Leuten würde mir in Berlin nicht mehr passieren. Das trifft man hier in den Clubs nicht mehr an. Der Film ist auch ein Nachruf auf eine Zeit, wo das mal möglich war. Bars waren ja einst soziale Labore, wo sich verschiedene Leute getroffen haben und ausgetauscht haben.
Warum wird aus „Zeit der Monster“ am Ende eine Tragödie?
Ist es das? (lacht)
Es ist eine komische Tragödie, aber der Absturz der Amanda von Hohenstüt ist schon schmerzhaft.
Ja, das freut mich zu hören (lacht lauter). Obwohl der Film eine Komödie ist, erzählt er auch eine ernsthafte Geschichte. Nämlich eine Radikalisierungsgeschichte. Amanda gerät so in die politischen Wirren unserer Zeit. Wird von links nach rechts gestoßen. Und am Ende radikalisiert sie sich halt. Das ist hier halt komödiantisch formuliert.
Es heißt, Sie planen eine Fortsetzung von „Zeit der Monster“?
Ja, wir würden gerne einen zweiten Teil drehen. Es gibt verschiedene Ideen.
Dieser Film würde auch wieder hier gedreht werden?
Ja, auf jeden Fall. Ich fand den Drehort gut, die ganze Gegend. Ich glaube sowieso, dass es immer mehr Filme geben wird, die nicht in Berlin spielen werden, sondern in Kleinstädten. Ich glaube, dass die Kleinstädte gerade entdeckt werden. Als Drehort.
Es ist Ihnen in der Tat gelungen, in Ihrem Film viele schöne Seiten von Blieskastel zu zeigen.
Das ist natürlich der Vorteil, wenn man so als Fremder wohin kommt. Da sieht man die Stadt natürlich mit bloßem Auge und man sieht, wo man hingucken muss, um den Film erzählen zu können.
Wolfgang Reeb hat den Film als Trash bezeichnet. Nehmen wir mal an, Ihr Film schafft es in die Reihe „Die schlechtesten Filme aller Zeiten“ in Tele 5.
Da hätte ich nichts dagegen.
Wirklich?
Ganz im Gegenteil. Das fände ich sogar gut. Der Film flirtet ja mit dem Trash. Da habe ich auch dran gedacht, dass ich mal mit Tele 5 ins Gespräch kommen sollte. Weil er da gut hinpasst. Ein Teil der Ironie des Films ist ja, dass er so tut, als wäre er großes Hollywood. Obwohl er weiß, dass er das eben nicht ist. Das macht einen Teil seines Charmes aus. Die Zuschauer checken ja, dass das augenzwinkernd ist.
Interview: Thomas Füssler
