Blickpunkt: Der SV 64 in Liga Drei
Die Zweibrücker Löwen im Haifischbecken
Nach zwei Spielzeiten, die bedingt durch die Corona-Pandemie anders verliefen als geplant, freut sich Handball-Drittligist SV 64 Zweibrücken auf eine weitere Drittliga-Runde. Dass schon zum Auftaktspiel gegen die TSB Heilbronn-Horkheim Zuschauer zugelassen sind, stärkt die Zuversicht, dass nach zwei verkürzten Spielzeiten wieder bis zum geplanten Saisonende gespielt werden kann. Bereits jetzt steht fest, dass es erneut eine besondere Saison wird: Von 82 Drittligisten müssen 26 wieder absteigen.
„Wir haben für uns klar das Ziel definiert, dass wir nicht absteigen wollen“, sagt SV-Trainer Stefan Bullacher. Mit dieser Zielsetzung waren die Zweibrücker in fast jedes ihrer bisherigen Drittliga-Jahre gestartet. Trotzdem ist diese Aufgabe in dieser Runde eine ungleich schwerere. „Angesichts der erhöhten Zahl der Absteiger werden etliche Mannschaften die Dritte Liga verlassen müssen, die definitiv viel zu stark für eine Oberliga sind“, findet der SV-Trainer.
SV 64-Team will nicht zu den 26 Absteigern gehören
Er macht keinen Hehl daraus, dass er die Regelung für schlecht hält. „Ich habe noch mit niemandem gesprochen, der dieser Lösung etwas Gutes abgewinnen konnte“, sagt Bullacher. In der Saison 2019/20 – die erste, in der Corona zu einem vorzeitigen Saisonende führte – „waren mehr als zwei Drittel der Runde gespielt und es wurde lange überlegt, ob die Oberliga-Tabellenführer, die teils klar auf Meisterkurs lagen, aufsteigen dürfen“, erinnert Bullacher. Die folgende Saison wurde sehr früh abgebrochen. Trotzdem gab es Aufsteiger. „Das hat zur Folge, dass Oberligisten aufstiegen, die ein, zwei oder sogar kein Saisonspiel bestritten haben“, sagt Bullacher. Er hätte sich gewünscht, dass die Landesverbände gemeinsam mit dem Deutschen Handball-Bund hier andere Lösungen gefunden hätten. Zumal früh feststand, dass es keine Absteiger geben wird.
Das hatte nämlich zur Folge, dass in der jetzt startenden Saison 82 statt bisher 64 Drittligisten auf Torejagd gehen. In sieben statt bisher vier Staffeln, in zwei Staffeln à elf Teams, fünf Staffeln mit zwölf Mannschaften.
In der Staffel F, in der der SV 64 spielt, kämpfen zwölf Teams um Punkte. Damit bestreiten die Zweibrücker 22 reguläre Saisonspiele. Wie es danach weitergeht, hängt von der Platzierung nach dieser Runde ab, die am 12. März endet. Die beiden Staffelersten qualifizieren sich für die Aufstiegsrunde. Die Teams, die Platz sieben bis zwölf belegen, gehen in eine Abstiegsrunde, die bis Juni ausgespielt wird. Für die Dritt- bis Sechstplatzierten ist eine Liga-Pokal-Runde vorgesehen.
„Damit haben wir uns noch gar nicht beschäftigt“, sagt Bullacher zu Aufstiegs- und Liga-Pokal-Runde und verweist noch mal auf das ausgegebene Saisonziel. „Das zu erreichen, wird schwer“, weiß er, dass auf sein Team körperlich wie mental eine große Herausforderung zukommt. „Es ist eine Hammergruppe“, sagt er mit Blick auf das, worauf sich die Handball-Fans in den kommenden Monaten freuen dürfen. In der Breite gebe es wohl kaum eine stärkere Drittliga-Staffel. „Das heißt absolute Spitzenmannschaften werden in die Abstiegsrunde gehen“, prognostiziert er.
In Staffel F winken den Zweibrückern etliche Derbys
Den Zweibrückern beschert die Staffeleinteilung etliche Derbys. „Darauf freuen wir uns natürlich riesig“, sagt Bullacher. Er verbindet diese Freude mit der Hoffnung, dass im Saisonverlauf die Zahl der Fans, die live dabei sein können, steigt. Zum Start sind 350 Zuschauer zugelassen.
Wie wichtig die Fans sind, hat sich beim DHB-Pokalspiel gegen den Erstligisten Nettelstedt/Lübbecke gezeigt. Erstmals nach zehn Monaten durften wieder Zuschauer in die Halle. „Das war schon ein tolles Gefühl“, sagt der A-Lizenz-Inhaber. Die Symbiose zwischen dem SV-Team und den Zuschauern ist bekanntermaßen wichtig, um Punkte zu holen. „Wir sind definitiv Außenseiter in dieser Gruppe. Aber es gilt wie immer, dass man jede Mannschaft auch mal schlagen kann“, sagt Bullacher mit Blick auf die Kader der hoch gehandelten Konkurrenz aus Dansenberg, Haßloch, Heilbronn-Horkheim, Saarlouis und Pforzheim, die einem Haifischbecken gleicht. Während die SV-Neuzugänge aus der Oberliga oder der eigenen Jugend kamen, verstärkten sich die Nachbarklubs mit Spielern, die Erfahrung aus der Ersten und Zweiten Bundesliga mitbringen, sogar international am Ball waren. An der SV-Philosophie, dass eine mit Leidenschaft spielende Mannschaft für die Erfolge sorgt, soll sich nichts ändern. Dafür wird bis zu viermal pro Woche trainiert.
Auch Positionsumstellungen geben viel Selbstvertrauen
Das DHB-Pokalspiel hat das Selbstvertrauen der Zweibrücker gestärkt. Für Bullacher bestätigte sich noch mal, dass die Erkenntnisse, die er aus der zweimal drei Wochen umfassenden Vorbereitung gezogen hat, richtig waren: Die Positionsumstellungen haben gegriffen. Der Rückraum mit Spielmacher Tim Götz, daneben Neuzugang Philipp Kockler und Niklas Bayer, harmoniert. Der zweite Neuzugang, Kreisläufer Kevin Knieps, macht deutlich, dass das Spiel über den Kreis beim SV 64 nun eine neue Qualität bekommt.
Kader
Zugänge: Philipp Kockler (HF Illtal), Kevin Knieps (SF Budenheim), Fabian Naumann (bisher SV 64 II), Peter Gohl, Julian Hügel (beide eigene Jugend)
Abgänge: Kian Schwarzer (TBV Lemgo), Marc-Robin Eisel (TV Hochdorf), Tim Schaller (HSG Oftersheim/Schwetzingen), Tobias Alt (TV Homburg)
Tor: Marko Ivankovic, Alexander Dörr
Rückraum: Niklas Bayer, Philipp Kockler, Tim Götz, Tom Grieser, Fabian Naumann
Außen: Philipp Hammann, Tom Ihl, Peter Gohl, Christopher Huber, Benny Zellmer, Julian Hügel
Kreis: Kevin Knieps, Sebastian Meister
Spielplan 2021
Samstag, 4. September: SV 64 Zweibrücken - TSB Heilbronn-Horkheim; Samstag, 11. September: TSG Haßloch - SV 64; Samstag, 18. September: SV 64 - HG Oftersheim/Schwetzingen; Samstag, 25. September: SG Pforzheim/Eutingen - SV 64; Samstag, 9. Oktober: TuS 04 Dansenberg - SV 64; Samstag, 16. Oktober: mHSG Friesenheim/Hochdorf - SV 64; Samstag, 23. Oktober: SV 64 - SG Leutershausen; Samstag, 30. Oktober: TV Germania Großsachsen - SV 64; Samstag, 6. November: SV 64 - TGS Pforzheim; Samstag, 13. November: SV 64 - Rhein-Neckar Löwen; Samstag 20. November: HG Saarlouis - SV 64; Samstag 27. November: TSB Heilbronn-Horkheim - SV 64; Samstag, 4. Dezember: SV 64 - TSG Haßloch; Samstag, 11. Dezember: HG Oftersheim/Schwetzingen - SV 64.

