Meinung Die Politik muss dafür sorgen, dass verschuldeten Menschen schneller geholfen wird
Die Zweibrücker Schuldnerberatung ist am Limit, und das ist alarmierend. Werden Menschen finanziell so aus der Bahn geworfen, dass sie sich ohne professionelle Hilfe nicht mehr freischwimmen können, ist rasche Hilfe angesagt. Denn verschuldet zu sein, ist auch psychisch ein sehr belastender Zustand, der so schnell wie möglich beendet werden sollte. Und in die Schuldenfalle gerät man schnell. Scheidung, Krankheit oder der Eintritt in die Rente etwa können Auslöser sein.
Aus der raschen Hilfe wird aber nichts, wenn die Warteliste der Schuldnerberatung überquillt. Den zwei Zuständigen in Zweibrücken ist das nicht anzulasten, sie tun, was sie können, aber zerreißen können sie sich nicht. Nicht nur die Schuldner, auch diese beiden Angestellten können einem leid tun. Es ist nicht schön, ständig verzweifelte Menschen vertrösten zu müssen. Sie wollen ja helfen, können es aber bei rund 200 Fällen jährlich und einer tendenziell komplizierten Materie nicht in der gebotenen Eile.
Dass die Situation in Zweibrücken kein Einzelfall ist, sondern etliche Kommunen dasselbe Problem haben, macht es nicht besser. Die Existenzsicherung hat bei drohender Stromsperre oder Wohnungskündigung Vorrang, was gut und richtig ist. Es führt aber dazu, dass Beratungen zur Entschuldung und die Vorbereitung von Insolvenzverfahren hinten anstehen. Um alles gleichzeitig zu erledigen, ist zu wenig Personal da. Bei der Zweibrücker Schuldnerberatung könnten noch zwei, drei Leute mehr arbeiten, und auch ihnen wäre mit Sicherheit nicht langweilig. Es gibt Schuldnerberatungen in Deutschland, die die Waffen gestreckt und einen Aufnahmestopp verhängt haben – eine Katastrophe.
Denn häufig ist es so, dass Betroffene gar keine Wahl haben, wohin sie sich wenden, da es vor Ort nur eine einzige öffentliche und damit kostenlose Schuldnerberatung gibt. Das ist auch in Zweibrücken der Fall. Die Politik ist hier dringend gefragt, sie muss gegen den Personalmangel und die Unterfinanzierung der Schuldnerberatungen vorgehen. Vor allem vom Land kommt hier viel zu wenig. Das muss sich ändern, denn letztlich ist es im Interesse aller, dass Schuldnerberatungen schnell und effektiv arbeiten können. Nur so können sie mit den Betroffenen nachhaltige Pläne für ein schuldenfreies Leben erarbeiten. Wie am Fließband Schuldenpläne abzuarbeiten, ohne in die Tiefe zu gehen, kann hingegen zur Folge haben, dass sich bei den Betroffenen bald wieder neue Schulden bilden – der perfekte Teufelskreis.
