Nicht zu viele Fichten
Dem Zweibrücker Wald geht’s ganz gut
Fichten sind die Verlierer des Klimawandels. Ursprünglich aus nördlicheren und östlicheren Gefilden nach Mitteleuropa gekommen, überlebten sie hier jahrhundertelang gut, weil es relativ nass und relativ kühl war. Der Klimawandel allerdings sorgt für wärmere Jahreszeiten und lange Trockenphasen. Das mag die Fichte überhaupt nicht. Zudem macht ihr der Borkenkäfer zu schaffen.
In vielen Wäldern in Deutschland sind die meisten oder mit die meisten Bäume Fichten. Nicht so in Zweibrücken. Denn in Zweibrücken steht ein gut durchmischter Wald: kein Nadelwald, aber auch kein reiner Laubwald, sondern ein klassischer Mischwald. Buche und Eichen dominieren. Unter den Nadelbäumen stellt die Fichte zwar die meisten Bäume, aber Lärche, Douglasie und Kiefer sind zu dritt stärker.
Das Forstamt geht deshalb davon aus, dass der Zweibrücker Forst auch in den nächsten zehn Jahren und darüber hinaus besser mit dem Klimawandel zurechtkommt als benachbarte Wälder.
Im besten Alter: 92 Jahre alt
Ein durchschnittlicher Zweibrücker Waldbaum ist 92 Jahre alt, im besten Baumalter also, nicht zu alt und nicht zu jung. Von hundert Hektar Wald wird im Schnitt ein Hektar genutzt, also gefällt, und ein Hektar mit jungen Bäumen nachbepflanzt. Dadurch sorgt der Forst nach eigenen Angaben für eine maßvolle, gesunde Verjüngung. Beim Nachpflanzen achtet das Forstamt darauf, Baumarten stärker zu fördern, die früher keine oder eine geringere Rolle spielten. Esskastanie, Flaumeiche, Robinie, Roteiche, Steineiche und Wildkirsche sollen Trockenphasen besser überstehen und auch mit den höheren Temperaturen besser klar kommen.
Das Forstamt verweist darauf, dass der Wald sich schon immer habe an die natürlichen Bedingungen anpassen müssen. Vor Tausenden Jahren hätten in Mitteleuropa Hasel- und Eichenwälder dominiert. In den letzten Jahrhunderten gewann die eingewanderte Fichte an Macht. Bei der Douglasie handelt es sich um eine sehr spät eingewanderte Baumart, die von den Sägewerken sehr geschätzt werde.
Borkenkäfer: Die Plage nach dem Krieg
Auch sei der Borkenkäfer kein ganz neuer Plagegeist. In den Jahren direkt nach dem Zweiten Weltkrieg habe es große Schäden durch den Borkenkäfer an Fichten gegeben.
Wegen der Plage seien die Preise für Fichten im Keller. Der Forst erzielt dafür gegenüber 2017 oder 2018 nur noch die Hälfte des Preises. Man lasse die Fichten aber nicht mehr im Wald liegen, wie das in den 1990ern noch üblich war, sondern hole sie aus dem Wald.
Kleinstflächen mit einem Baum oder keinem
Der Zweibrücker Wald sei zwar relativ gesund und durchmischt und damit zukunftsfest und relativ klimaresistent, aber das Forstrevier sei nicht ganz leicht zu leiten. Denn es gibt viel Privatwald, sehr kleinteilig und zerstreut. „Wir haben Kleinstflächen, fünf Meter breit, da wächst manchmal ein Baum drauf oder gar keiner“, gibt der Förster Werner Kremer, der sich in den Ruhestand verabschiedet, zu bedenken. Der städtische Wald ist überwiegend in der Fasanerie. Neue Leiterin des Forstreviers Zweibrücken ist Maria Jäger. Sie hat 2019 Daniel Rolland kommissarisch abgelöst, im vergangenen Jahr auch formal vollständig.
