Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Heiraten im Corona-Jahr: „Glücklich waren am Ende alle“

Die Standesbeamtin der Stadt, Yvonne Langner, im Trauzimmer des Rathauses.
Die Standesbeamtin der Stadt, Yvonne Langner, im Trauzimmer des Rathauses.

Trotz Corona wird 2020 öfter geheiratet als im Jahr zuvor. Die Einschränkungen machen Paare kreativ, und so muss die Standesbeamtin auch mal mit Oma und Opa unterm Arm dem jungen Glück nachrennen.

Bis Ende September sei das Standesamt ausgebucht. Nach Angaben von Leiterin Yvonne Langner bevorzugen die Paare üblicherweise das Trauzimmer im Rathaus. Trotz Corona-Einschränkungen wurde 2020 gerne geheiratet. Sogar etwas mehr als im Vorjahr wie die Zahlen von 2019 zeigen. Damals waren es bis Ende Juli 111 Trauungen, in diesem Jahr liegt die Zahl im gleichen Zeitraum bereits bei 133. „Vielleicht ist dies sogar wegen der ganzen Situation so“, vermutet Yvonne Langner. Einige, die bereits sehr lange zusammen sind, sozusagen in wilder Ehe leben, wollen gerade jetzt den offiziellen Schritt machen.

Die veränderte Gesundheitslage mit dem Coronavirus führt wohl zum erhöhten Verantwortungsbewusstsein dem Partner gegenüber. „Ich denke, viele machen sich nun darüber Gedanken, was ist, wenn der Partner erkrankt oder vielleicht sogar beatmet werden muss“, mutmaßt Langner.

Nur wenige Paare verschoben auf 2021

Die Saarländer, bei denen ein paar Wochen die Standesämter geschlossen blieben, haben die Statistik jedenfalls nicht stark nach oben geschoben. Nur vier Paare aus dem benachbarten Bundesland zog es zum Standesamt der Rosenstadt. Generell seien nur einige Zeremonien um ein paar Wochen nach hinten oder gleich ganz auf 2021 verschoben worden. Den Brautpaaren mit bereits fester Buchung, so heißt es von Stadtseite, wurde freigestellt, wie sie das handhaben möchten. Üblicherweise gilt eine Sechs-Monats-Frist von der Anmeldung bis zur Eheschließung. Wer danach heiratet, muss sich neu anmelden und nochmals die Gebühren zahlen. Allerdings empfiehlt das Land, diese momentan zu erlassen.

Auch sonst hat Corona vieles an der Organisation im Amt durcheinandergewirbelt. Zum Arbeitsgerät der Standesbeamten zählt nun auch ein Meter. Denn stets müssen die Abstände der Stühle genau vermessen werden. „Mittlerweile sind Vorgespräche wieder erlaubt, sodass wir den Paaren eine individuelle Trauung mit persönlichen Traureden anbieten können.“ Musik darf abgespielt werden und das Brautpaar kann sich ein Trauversprechen geben.

Oma und Opa schauen beim Putzen zu

Wie einfallsreich manche Brautpaare mit den Einschränkungen umgehen, davon können sich die Standesbeamten immer wieder neu überzeugen. Einige übertrugen die Zeremonie mit Kameras nach draußen, andere schalteten per Computer Oma und Opa zu. Nach der Eheschließung, erinnert sich Langner, war die Freude beim frisch getrauten Paar so groß, dass sie den Computer im Amtszimmer stehen ließen. Oma und Opa schauten der Standesbeamtin beim desinfizieren des Raumes zu, bis sie sich bemerkbar machten. Die Amtsleiterin musste dem jungen Glück mit Oma und Opa unter dem Arm hinterherlaufen.

Zuschauen im gleichen Raum können aktuell Eltern, Großeltern, Kinder, Enkelkinder und die Geschwister des Brautpaares – jeweils mit Ehegatten oder Lebenspartnern, außerdem Personen eines weiteren Hausstandes. Wie viele Personen dabei sein können, hängt von der Größe des Raumes ab. „Für die Trauzimmer im Rathaus und Rosengarten haben wir die Personenzahl auf zehn plus Brautpaar und Trauzeugen beschränkt.“ Auch im Spiegelsaal der Fasanerie darf wieder geheiratet werden. Der Herzogsaal im Rathaus ist wegen des schmalen Treppenaufganges hingegen gesperrt. Doch „egal, welche Verordnungsstufe galt und wie traurig es für einige Bräute und Bräutigame war, ohne ihre Liebsten zu heiraten, glücklich waren sie am Ende doch alle.“

x