Offen gleichberechtigt für alle Geschlechter? Ja, das ist der Tischtennissport in Zukunft. Denn der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) strebt eine Änderung seines Regelwerks an, um alle Geschlechter einzubinden. Die RHEINPFALZ hat nachgefragt, was die Spielerinnen aus der hiesigen Region davon halten.
Mit mehr als 75 Prozent der Delegiertenstimmen wurde beim Bundestag des DTTB im November eine Regeländerung beschlossen. Die besagt, dass die männliche Spielklasse umgewandelt werden soll zu einem „offenen Spielbetrieb“. Damit geht der DTTB einen viel beachteten Schritt in Richtung Zukunft.
Aktuell unterscheidet der Dachverband des deutschen Tischtennissports Damen und Herren in seiner Wettspielordnung. Diese Unterteilung gilt von der Bundesliga bis zur untersten Spielklasse. In hiesigen Gefilden ist die unterste Liga die Kreisklasse B bei den Herren, bei den Damen die 2. Pfalzliga West. Ausnahmen vom getrennten Spielbetrieb gibt es bis zur 1. Pfalzliga: Bis zu dieser Klasse dürfen unter bestimmten Voraussetzungen Damen bei den Herren mitspielen. Faktisch ist das bereits ein offener Spielbetrieb, der jedoch nicht ganz so klar geregelt ist, wie dies nun die neuen Statuten hergeben sollen.
Vor Saison entscheiden
Künftig wird es einen offenen Spielbetrieb und auch weiter einen eigenen Damenbereich geben. Änderungen gibt es also im bisher vorhandenen Herrenspielbereich. Die Damen müssen sich vor der Saison entscheiden, ob sie bei den Damen oder lieber im sogenannten offenen Spielbetrieb antreten. Die Tischtennis-Spielerinnen müssen sich entscheiden, in welcher Spielklasse sie antreten. Oder vor dem jeweiligen Turnier, an welchem Wettbewerb sie teilnehmen. Notwendig wird dazu einen Anpassung der DTTB-Statuten.
Möglich wäre es dann, dass Frauen von der TTBL, der 1. Herren-Bundesliga, bis zur untersten Spielklasse bei den Herren eingesetzt werden. Die umgekehrte Richtung, dass nämlich Herren bei den Damen mitspielen dürfen, soll auch künftig nicht möglich sein. Der Zeitpunkt, ab wann die neue Wettspielordnung gelten soll, ist noch offen. Der DTTB wird dazu ein Regelwerk erarbeiten.
Nicht mehr nur Ersatz
Noch nicht zum neuen Regelwerk äußern wollte sich die Verbandsschülerwartin des Pfälzischen Tischtennis-Verbandes (PTTV), Luisa Baumann. Die Spielerin des Oberligisten 1. TTC Pirmasens begründet das damit, dass noch nicht genau geregelt sei, wie die Wettspielordnung umgestaltet werden soll.
Victoria Schaaff spielte bis zum Ablauf der vergangenen Saison mit dem TTC Riedelberg in der Damen-Oberliga-Südwest. Sie hatte damit nicht die Möglichkeit, bei den Herren eingesetzt zu werden, weil sie oberhalb der Verbandsligen spielte. Nach dem Rückzug der Riedelbergerinnen aus der Oberliga und dem Start der neu zusammengestellten ersten TTC-Mannschaft in der 1. Pfalzliga, konnte Schaaff auch bei den Herren spielen. „Der größte Nachteil daran ist meiner Meinung nach, dass es in Zukunft vermutlich immer weniger Damenmannschaften geben wird, bis es irgendwann keine mehr gibt“, sieht Schaaff die anvisierte Neu-Regelung kritisch. Es sei schon jetzt sehr schwierig, da die Anzahl der Damenteams enorm rückläufig sei. Etwas Positives kann sie dem neuen Ansatz aber auch abgewinnen. „Ein Vorteil ist, dass die Damen dann in der gemischten Mannschaft als vollwertige Akteure zählen, statt nur als Ergänzungsspieler. Für die Vereine, die bereits regelmäßig Damen in den Herrenmannschaften einsetzen, wäre das eine große Entlastung“, findet Schaaff. Denn bislang müsse, soweit eine Dame in einer Herrenmannschaft aufgestellt ist, ein zusätzlicher Spieler für dieses Team gemeldet werden.
Noch offene Fragen
Celina Siebert von den BTTF Zweibrücken schlug als aktive Spielerin bislang schon ausschließlich bei den Herren in der fünften BTTF-Mannschaft in der Kreisklasse B West auf. „Dass man sich vor der Saison entscheiden muss, finde ich nicht gut. Was ist denn beispielsweise, wenn man in einer Damenmannschaft spielt und die dann abgemeldet werden muss? Darf ich danach noch in einer gemischten Mannschaft spielen?“, fragt Siebert. Auch sie verweist darauf, dass sie Befürchtungen habe, dass der Spielbetrieb bei den Damen weiter rückläufig sei.
Die Zweibrückerin Isabelle Schütt spielt derzeit für den TTC Weinheim in der 3. Bundes- und der Regionalliga. „Ich finde, es ist eine gute Idee. Ob das allerdings so umgesetzt wird? Ich glaube, dass viele nicht zufrieden damit sein werden“, erläutert sie. Sie denke, dass die Regelung eher bei Spaßturnieren ein witziger Ansatz sein könne, wenn dann Damen gegen Herren spielen. „In Ligen sehe ich es eher als schwierig an“, erklärt Schütt.