Zweibrücken
Branche im Wandel: So steht es um Zweibrücker Taxiunternehmen
Wer im Film noch in letzter Minute zum Flughafen muss, stellt sich auf die Straße, ruft „Taxi“, und nur kurze Zeit später kommt ein Auto zum Stehen. In Zweibrücken läuft das mit den Taxis etwas anders – und das nicht nur, weil die Rosenstadt keinen Flughafen mehr hat. Hier ist die Stadt der Regisseur und bestimmt, wie viele Autos für spontane Fahrgäste anhalten dürfen. Insgesamt elf Taxikonzessionen sind aktuell in Zweibrücken im Umlauf. Sechs davon entfallen auf das Taxiunternehmen Witt, vier Lizenzen hat das Unternehmen Gabriel und eine weitere nutzt Friedrich Kronewald als selbstständiger Fahrer.
Alle anderen Fahrzeuge zur Personenbeförderung sind sogenannte Mietwagen, früher Ruftaxi genannt. Auch hier hat die Stadt die Hand drauf, wie viele der Fahrzeuge durch Zweibrücken rollen. Ob es sich um ein Taxi oder einen Mietwagen handelt, macht für die Fahrgäste nur einen optischen Unterschied. Die Fahrzeuge mit Taxikonzession sind am klassischen Farbton Hellelfenbein zu erkennen. So will es das Personenbeförderungsgesetz.
Weniger Steuern für Taxis
Für die Unternehmen hingegen macht sich der Unterschied spätestens bei der Abrechnung bemerkbar: Denn für Taxis gilt im Gegensatz zu Mietwagen eine reduzierte Umsatzsteuer von sieben Prozent. Im Gegenzug unterliegen sie einer 24-stündigen Bereitstellungspflicht. „Mietwagen machen im Grunde nichts anderes als Taxis. Allerdings dürfen sie sich nicht an Taxiständen bereitstellen oder Laufkundschaft befördern“, erklärt Andreas Witt, Geschäftsführer des gleichnamigen Taxiunternehmens.
Mit insgesamt 22 Autos, darunter auch Kurier- und VIP-Fahrzeuge, Shuttlebusse und rollstuhlgerechte Pkws, sind sie das größte Unternehmen für Personenbeförderung in Zweibrücken. Den Grundstein legte sein Vater und Co-Geschäftsführer Sergej Witt. Mit einem Taxi und einem Mietwagen machte er sich 2006 selbstständig.
Neue Taxilizenzen nur durch Übernahme
„Seitdem haben wir viel zusammen bewegt. Wir haben insgesamt drei Firmen gekauft und deren Lizenzen übernommen“, erzählt der Juniorchef. Dass der 30-Jährige einmal in das Familienunternehmen einsteigen würde, habe nie zur Debatte gestanden. „Ich habe schon mit 15 regelmäßig in der Zentrale ausgeholfen“, erinnert er sich. Auch der Rest der Familie hilft fleißig mit, wenn auf dem Betriebshof in Ixheim Personal fehlt.
An guten Tagen befördert das Unternehmen zwischen 300 und 350 Personen. Dafür sind insgesamt 33 Mitarbeiter im Einsatz. Neben Festangestellten seien darunter auch Quereinsteiger, die sich neben der Rente oder dem Studium etwas dazu verdienen. „Bei uns ist wirklich alles dabei“, sagt Witt über sein Team. Voraussetzung für den Beruf ist der Personenbeförderungsschein, der alle fünf Jahre erneuert werden muss. Neben einer medizinisch-psychologischen Untersuchung müssen dafür ein Führungszeugnis und ein Führerschein, der mindestens zwei Jahre alt ist, vorgelegt werden. In größeren Städten wird zusätzlich eine Ortskundeprüfung verlangt.
„Nicht jeder kann diesen Job machen“
Auch in Bezug auf die Persönlichkeit gibt es eine Reihe von Kriterien, auf die Vater und Sohn bei der Auswahl ihrer Fahrer großen Wert legen. „Nicht jeder kann diesen Job machen. Man muss Menschen mögen, kontaktfreudig sein und auch die Fähigkeit haben, eine Beziehung zu den Fahrgästen aufzubauen“, so Witt. Für „Griesgrame“ sei der Beruf nicht geeignet. Denn die Hilfsbereitschaft und das sympathische Auftreten der Fahrer sei das Aushängeschild des Unternehmens. „Wir befördern viele kranke Menschen zur Bestrahlungstherapie, der Dialyse oder der Chemo. Da ist man definitiv auch Seelsorger und muss auch mal tröstende Worte spenden“, erzählt der 30-Jährige.
Dass Fahrgäste mit teils schweren Krankheitsbildern im Auto Platz nehmen, sei mittlerweile eher die Regel als die Ausnahme. „Das klassische Taxigeschäft ist absolut vom Aussterben bedroht. Ohne die Krankenfahrten und Sondertransporte könnten wir nicht überleben.“
Taxipreise werden festgelegt
Knapp 50 Prozent des Gesamtumsatzes entfalle mittlerweile auf die Krankentransporte, die direkt mit der Krankenkasse abgerechnet werden. Hinzu kommen Sonderfahrten, die die Existenz des Familienbetriebs sichern. Um wichtige Ersatzteile oder Schrauben auszuliefern, seien sie auch schon weite Strecken gefahren, etwa nach Litauen oder Schweden. Über eine Million gefahrene Kilometer kommen so pro Jahr zusammen.
Für weite Strecken wie nach Amsterdam oder Paris werden Pauschalpreise ausgehandelt. Für Fahrten im Pflichtfahrgebiet – also Zweibrücken und Umland – gelten festgelegte Preise, die örtlich variieren. „Bis letztes Jahr konnte man nirgends in Deutschland so günstig mit dem Taxi fahren wie in Zweibrücken“, sagt Witt. Schließlich reagierte die Stadt auf die Forderung der Taxifahrer, die Preise angesichts gestiegener Sprit- und Personalkosten zu erhöhen. Die Grundgebühr wurde von 2,80 auf 3,50 Euro und der Preis pro gefahrenen Kilometer von 1,80 auf 2,20 Euro angehoben. Im Saarland gibt es zumindest eine einheitliche Regelung für das ganze Bundesland. Das hat zur Folge, dass die Fahrt von Homburg nach Zweibrücken Kunden bis zu zehn Euro mehr kostet als in die entgegengesetzte Fahrtrichtung.
Geschäftseinbruch nach Abzug der Amerikaner
Dafür, dass sich das Kerngeschäft in den letzten Jahren zunehmend verschoben hat, gibt es laut Witt verschiedene Gründe: Nachdem der Kasernenbetrieb der Amerikaner eingestellt wurde, hätten sich viele Taxiunternehmen aufgelöst, weiß der 30-Jährige aus Erzählungen. „Spätestens seitdem der Flughafen zugemacht hat und die Diskothek in Niederauerbach geschlossen wurde, war der Bedarf weniger.“ Auch dass alkoholisierte Menschen am Wochenende ein Taxi rufen, habe mit der Schließung vieler Bars und Restaurants rapide abgenommen.
Haben die Taxis gerade keinen Auftrag, stellen sie sich an den Taxiständen bereit. Dabei gilt: Der Kunde hat die freie Wahl, unabhängig von der Reihenfolge der wartenden Fahrzeuge. Einer der Stände befindet sich am Hauptbahnhof, wo auch das Taxiunternehmen Gabriel seine Zentrale hat. Zur Fahrzeugflotte des Betriebs gehören vier Taxis, sechs Mietwagen, ein Großraumfahrzeug sowie rollstuhlgerechte Autos. Für das Geschäft sei der geografische Standort gleich in zweierlei Hinsicht von strategischem Vorteil. Neben der Sichtbarkeit für ankommende Zugreisende ermögliche der Standort, das Bereitstellungsverbot für Mietwagen indirekt zu umgehen. „Da unsere Zentrale am Hauptbahnhof ist, dürfen dort auch unsere Mietwagen stehen, weil sie eine Rückkehrpflicht zur Betriebsstätte haben“, erklärt Marcel Weinland.
Taxibetrieb mit Familientradition
Seit knapp 20 Jahren betreibt Gabriel Trofin das Unternehmen, seit fünf Jahren ist auch Weinland dabei. Ursprünglich hat sich der 27-Jährige neben seinem Betriebswirtschaftsstudium am Wochenende in der Zentrale etwas dazuverdient.
Seit diesem Jahr arbeitet er als Stellvertreter des Geschäftsführers und bereitet sich darauf vor, den Betrieb als Trofins Nachfolger zu übernehmen. Gemeinsam mit seiner Freundin, die sich schon jetzt um Abrechnungen und Buchhaltung kümmert, möchte er das Unternehmen in Zukunft führen. „Mir wurde das schon in die Wiege gelegt, weil das mehr oder weniger das Unternehmen meiner Familie ist“, sagt Weinland. Seine Großeltern haben den Taxibetrieb gegründet, kurzzeitig übernahm auch seine Mutter das Ruder, bis er vor 20 Jahren an Trofin weitergegeben wurde.
Einkaufsfahrten für Senioren
Dass sich die Auftragslage zunehmend in Richtung Krankentransporte verschiebt, beobachte man auch bei Taxi Gabriel. Hinzu kämen Aufträge von der Stadt wie der Schultransport von Kindern mit körperlicher und geistiger Behinderung. Auch den Ersatzverkehr für Stadtbusse übernehmen sie bei Bedarf. „Die Leute müssen dann vorher bei der VRN-Zentrale in Auftrag aufgeben, dass sie ein Anruf-Sammeltaxi in Anspruch nehmen wollen. Dann bekommen wir den Auftrag weitervermittelt und können ihn durchführen“, erklärt der Zweibrücker.
Für Senioren oder Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, bietet Taxi Gabriel auch Einkaufsfahrten an. Dabei gehen die Fahrer nicht selbst einkaufen, sondern transportieren vorbestellte Einkäufe vom Markt zu den Kunden nach Hause.
Mit Hybridtaxis in die Zukunft
Denn Hilfsbereitschaft ist auch dem Nachwuchschef besonders wichtig: „Also ich persönlich bin ziemlich hilfsbereit. Mir macht das einfach eine große Freude, wenn ich Gästen einen Gefallen tun kann und die sich darüber freuen. Das sind dann so Dinge wie die Einkäufe bis zur Tür zu tragen oder das Gepäck auszuladen.“
Auch über die Zukunft macht sich Weinland schon Gedanken. An der Stellschraube Konzessionen kann er nicht drehen. Das liegt in den Händen der Stadt. Der Umstieg auf Elektrofahrzeuge sei mangels Infrastruktur aktuell noch nicht möglich. Einen kleinen Schritt in Richtung Mobilitätswende geht Taxi Gabriel jedoch schon mit Hybridautos. Kurzstrecken im Stadtverkehr legten die Fahrzeuge mit Elektroantrieb zurück. Das mache sich auch bei der Spritkostenabrechnung bemerkbar.