Wochenend-Meinung Bei Tadano liegen die Verhandlungspositionen weit auseinander

Tadano-Mitarbeiter vor dem Werksstandort Dinglerstraße.
Tadano-Mitarbeiter vor dem Werksstandort Dinglerstraße.

„Entweder Einigung oder Arbeitskampf“ lautete die Schlagzeile der ZWEIBRÜCKER RUNDSCHAU am 18. Juni. Worum es dabei ging, ist leicht zu erraten: Seit Februar geht bei den Beschäftigten von Tadano-Demag in Zweibrücken die Angst um. Noch immer hält es die Geschäftsführung für unerlässlich, die Fabrik auf dem Wallerscheid zu schließen und 400 Mitarbeiter aus Produktion, Vertrieb und Verwaltung zu entlassen. Zugleich betonten die Tadano-Entscheider erst am Donnerstag wieder ihr „klares Bekenntnis zum Standort Dinglerstraße“ und die Bereitschaft, zumindest dieses eine der beiden Zweibrücker Werke nicht nur zu erhalten, sondern dort auch Investitionen zu tätigen. Und für einen konstruktiven Austausch mit dem Betriebsrat stehe man zur Verfügung.

Wie dieser Austausch sich konkret gestalten wird, ist von Donnerstag nächster Woche an zu besichtigen. Dann wollen sich Arbeitnehmer und -geber erstmals zu direkten Verhandlungen zusammensetzen. Betriebsrat und IG Metall verfolgen das Ziel, dort einen hieb- und stichfesten Tarifvertrag zu erreichen, in dem sowohl betriebsbedingte Kündigungen als auch die Schließung des Werksstandorts Wallerscheid auf Jahre hinaus untersagt werden.

Mit diesen diametral voneinander abweichenden Prämissen gehen die beiden Parteien in die Gespräche. Wo da die goldene Mitte liegen soll, in der man sich am Ende treffen könnte, erscheint schleierhaft. Und den Appell der Geschäftsführung ans Personal, „die Produktivität in Zweibrücken schnellstmöglich und deutlich zu verbessern“, kann als unverhohlene Aufforderung gelesen werden, doch bitteschön rasch an die Werkbank zurückzukehren und Schichten zu kloppen, statt jede Woche wertvolle Arbeitsstunden auf Betriebsversammlungen mit der IG Metall in der Festhalle zuzubringen.

Bald könnten noch mehr Arbeitsstunden wegfallen

Allerdings könnten bald noch deutlich mehr Arbeitsstunden wegfallen: Scheitern die Tarifverhandlungen, bleibt dem Betriebsrat und der Gewerkschaft wohl kein anderes Druckmittel mehr übrig, als die Belegschaft zum Streik aufzurufen. Und dann wäre er endgültig da, der eingangs erwähnte Arbeitskampf.

Die Arbeitnehmerseite ist davon überzeugt zu wissen, wie man beide Zweibrücker Werksstandorte am Leben halten und die Kräne von Tadano Demag gerade dadurch wieder an die Weltmarktspitze bringen kann.

Ob das angekündigte Aus für den Wallerscheid wirklich alternativlos ist, ist umstritten. Zweifellos ohne Alternative bleibt die Verpflichtung beider Gesprächsparteien, einander ernsthaft zuzuhören und die Argumente der Gegenseite wirklich ernsthaft und ergebnisoffen zu prüfen.

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