Zweibrücken
Bei Babys muss der neue Passbildautomat passen
Seit Mitte 2025 dürfen Passfotos für Reisepässe, Personalausweise, Aufenthaltserlaubnisse und ähnliche Dokumente nur noch digital eingereicht werden, nicht mehr als ausgedrucktes Passfoto. Dadurch soll ein möglicher Betrug verhindert werden. Diese digitalen Fotos kann man in zertifizierten Fotostudios anfertigen lassen. Viele Einwohnermeldeämter haben aber mittlerweile eigene Fotoautomaten aufgestellt. Zweibrücken zählt dazu.
60 Prozent nutzen den neuen Automaten
Zusammengefasst lässt sich sagen: Über 400 Anträge, für die digitale Fotos benötigt werden, bearbeiten Bürgerbüro und Ausländerbehörde im Monat. 60 Prozent der Kunden nutzen den neuen Automaten, das sind 250 im Monat. Das ergibt sich aus den Zahlen, die die Stadt auf Nachfrage der RHEINPFALZ Anfang des Jahres mitgeteilt hat. Danach wurde der neue Automat im ersten halben Jahr über 1500 Mal benutzt.
Gut 1400 Fotos wurden gemacht, um einen neuen Reisepass oder Personalausweis zu beantragen. Knapp 150-mal wurden Fotos gemacht, um Dokumente im Bereich Ausländerwesen zu erhalten, etwa Aufenthaltstitel oder Ersatzpapiere. Wer möchte, kann auch vorher ein Passfoto machen lassen und dann einen QR-Code mit aufs Bürgerbüro bringen. Dann wird das Foto direkt aus der Cloud geladen. Laut Stadtverwaltung hatten im ersten halben Jahr etwa 1000 Antragsteller im Bürgerbüro einen QR-Code dabei. „Der überwiegende Teil der Kundschaft der Ausländerbehörde bringt bereits einen QR-Code zu seinem Termin mit“, schreibt die Stadt. Auf die Anzahl der Anträge hat der Automat keine Auswirkungen. Von Juni bis November 2024 verzeichnete das Bürgerbüro 2780 Anträge, im gleichen Zeitraum 2025 waren es 2650. Bei der Ausländerbehörde stieg die Anzahl von gut 600 auf gut 700 Anträge.
Stadt nimmt etwa 1500 Euro im Monat ein
Bis Ende Juli 2025 galt eine Übergangsfrist, in der es noch möglich war, Dokumente mit gedruckten Passfotos zu beantragen – was rund 250 Bürger im Juni und Juli taten. Mittlerweile passiere das nur noch selten, auch weil die Kunden schon bei der Terminvereinbarung informiert würden.
Auf die Frage nach den Betriebskosten schreibt die Stadt: „Für die Schnittstelle zwischen unserer Software und dem Lichtbildaufnahmesystem fallen monatliche Kosten in Höhe von 66 Euro an.“ Dafür darf die Stadt die Gebühren behalten. Bei 6 Euro für jedes Foto sind das umgerechnet auf die oben erwähnten Zahlen fürs erste halbe Jahr etwa 1500 Euro im Monat.
Babys müssen nach wie vor zum Fotografen
Von größeren Problemen berichtet die Stadt nicht. Das System laufe seit der Inbetriebnahme ohne größere technische Herausforderungen. Da es im Wartebereich gut einsehbar sei, könnten die Angestellten „jederzeit bei Bedarf und ohne größeren Aufwand den Bürgerinnen und Bürgern zur Seite stehen und behilflich sein“. Allerdings gebe es eine Schwierigkeit: „Die Aufnahme von Lichtbildern bei Babys und Kleinkindern ist oftmals nicht einfach.“ Das System mache nämlich kein Foto, wenn die aufzunehmende Person nicht eigenständig und ruhig stehen oder sitzen kann. „Hier verweisen wir die Bürgerinnen und Bürger aktiv an lokale Betreiber, da insbesondere ein Fotograf eine ruhigere Atmosphäre bieten kann und die Kinder bei ihm eventuell nicht durch die Umgebung so abgelenkt sind wie bei uns“, versichert die Stadt. Generell weise man alle Bürger auf die verschiedenen Möglichkeiten hin – auch darauf, „dass die Bilder grundsätzlich bei einem Fotografen gemacht werden können“.
Als im Sommer 2024 bekannt wurde, dass die Stadt den Passfotoautomaten einführen möchte, hatte der Zweibrücker Fotograf Mario Facco bereits Auswirkungen auf sein Fotostudio am Busbahnhof befürchtet. Auch wegen der Passfotos sei er 2023 aus der Fußgängerzone schräg gegenüber dem Bürgerzentrum Max1 gezogen, hatte er damals gesagt. „Die Passbilder haben mich über Wasser gehalten“, sagt Facco jetzt auf Anfrage der RHEINPFALZ. Sein Fotostudio wird er dennoch behalten, schließlich laufe der Vertrag noch zwei Jahre. Der Umsatz sei aber nicht mehr wie vorher: „Wenn ich die Verträge nicht hätte, hätte ich schon längst zugemacht.“
Stadt: Kommen auch Bürgerwunsch nach
Die Stadt verweist dagegen auf Erfahrungen des Innenministeriums. In einem Pilotprojekt habe sich gezeigt, „dass sich sehr zügig eine Balance zwischen Behörde und privatem Fotostudio eingestellt hat und befürchtete Entlassungen oder gar Geschäftsschließungen ausgeblieben sind“. Das Innenministerium verweise auch darauf, dass solche Automaten künftig Standard sein würden und kein Privileg größerer Städte mehr. Auch die Nachbarkommunen betrieben diese Aufnahmesysteme. Vor diesem Hintergrund sei davon auszugehen, „dass früher oder später die Bürgerinnen und Bürger oder die örtliche Presse dahingehend Fragen stellen werden, warum alle Kommunen im Umkreis ihren Bürgerinnen und Bürgern eine entsprechende Wahlmöglichkeit lassen, nur eben die eigene nicht“. Schließlich komme man hier auch dem Bürgerwunsch nach, den Antragsprozess zu verschlanken.