Zweibrücken
Bürgermeisterwahl: CDU-Kandidat und Amtsinhaber spricht mit AfD
Die AfD hält acht der 40 Sitze [nicht 20, wie ursprünglich geschrieben] im Zweibrücker Stadtrat. Wenn der am 9. April einen neuen Bürgermeister wählt, spielt sie eine entscheidende Rolle. „Das sind acht Stimmen, die man kriegen kann“, sagt Amtsinhaber Christian Gauf, der glaubt, dass „ohne die AfD künftig niemand mehr ins Amt gewählt wird“. Er steht dazu, dass er sich Mitte März mit Mitgliedern der AfD-Fraktion im Nebenzimmer der Pizzeria Portofino getroffen hat. Das sei kein geheimes Treffen im Hinterzimmer gewesen.
Gauf versichert: Keine Gegenleistung angeboten
Bei der Beerdigung des Anfang Februar verstorbenen AfD-Fraktionsvorsitzenden Harald Benoit sei er mit dessen Stellvertreter Falk Dettweiler ins Gespräch gekommen, und das Treffen im Portofino habe sich ergeben, sagt Gauf. Eine gute Stunde hätten er und einige Fraktionsmitglieder „auch sehr kritisch über bundespolitische Themen“ gesprochen. Die Zweibrücker AfD gilt zwar als gemäßigt – gerade im Vergleich zu ostdeutschen Vertretern –, veröffentlicht auf ihrer Internetseite aber auch heftige Kritik der Bundespartei an der CDU: „Merz lügt und betrügt schon an Tag 1!“, „Friedrich Merz hat Deutschlands Zukunft verraten, um sich die Kanzlerschaft zu erkaufen“, „Friedrich Merz ist ein Mann von gestern“, „Die CDU ist die Mutter der illegalen Massenmigration“, „Auch die Merz-CDU wird Messergewalt importieren!“. Gauf dazu: „Wir waren uns in ganz vielen Punkten nicht einig.“ Er versichert, dass er der AfD keine Gegenleistung für ihre Stimmen angeboten habe: „Nein, natürlich nicht.“
Er wolle ein Bürgermeister für alle Zweibrücker sein, und die AfD habe nun mal 20 Prozent der Sitze im Stadtrat inne, sagt der Bürgermeister. Schon vor früheren Entscheidungen, etwa zum Haushalt, habe er mit der Fraktion gesprochen. Er habe sich mittlerweile auch mit der FWG und der FDP getroffen.
AfD: Keine finstere Hinterzimmerabsprache
Der neue AfD-Fraktionsvorsitzende Jonas Keuchel beschreibt das Treffen ähnlich wie Gauf: „Das Gespräch war neutral gehalten. Herr Gauf stellte sich lediglich als Kandidat vor und erläuterte seine Positionen zu einigen aktuellen Stadtthemen, aus der Fraktion kamen einige Rückfragen hierzu, mehr war es nicht. Absprachen im Stile von ,Wählt mich, und ihr bekommt XY’ gibt es nicht.“ Er bedauere, das manche nun „das Treffen zu einer Art finstrer Hinterzimmerabsprache aufbauschen möchten“. Die AfD sei nach wie vor bereit, mit jedem Bürgermeisterkandidaten mit Erfolgsaussichten zu sprechen. Zu welchem Kandidaten die AfD tendiert, verrät Keuchel nicht.
Für das Amt des Bürgermeisters haben sich zehn Kandidaten beworben. Außer Amtsinhaber Gauf hat nur ein weiterer Kandidat wirklich Chancen, gewählt zu werden: der frühere Kämmerer Julian Dormann, der mit der Unterstützung von SPD und den Grünen rechnen darf. Dormann sagte auf Anfrage der RHEINPFALZ, es habe noch kein Gespräch zwischen ihm und der AfD gegeben, es sei keins geplant, und er sei auch nicht gefragt worden.
