Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Böses Spiel mit den Mitarbeitern bei Schliessmeyer

Der Maschinenpark wird nach Osteuropa abgezogen.
Der Maschinenpark wird nach Osteuropa abgezogen.

Den Beschäftigten bei Schliessmeyer in Zweibrücken wird ganz übel mitgespielt. Die neuen Bosse lassen ihnen keine Chance.

Es ist gerade mal eine Woche her, dass wir an dieser Stelle über die Rolle der Gewerkschaften und Betriebsräte beim Zusammenspiel von Arbeitgebern und Beschäftigten nachgedacht haben. Darüber, wie hart die IG Metall und der Betriebsrat bei Siempelkamp/Pallmann darum kämpfen, angesichts drohenden Arbeitsplatzabbaus für die Mitarbeiter zu retten, was noch zu retten ist.

Jetzt gelangt eine zweite Hiobsbotschaft aus der Zweibrücker Industrie ans Licht der Öffentlichkeit. Heimlich, still und leise wollen die neuen Herren beim Kunststoffverarbeiter Schliessmeyer ihren gerade erst zugekauften südwestpfälzischen Traditionsbetrieb abwickeln. Und das Werk mit 60 Beschäftigten zum Jahresende dichtmachen.

Im Oktober 2025 hatte der schwedische Weltkonzern KB Components Group den erfolgreichen Zweibrücker Autozulieferer gekauft. Dessen Personal dürften die Worte des KB-Bosses noch in den Ohren klingen, der den Erwerb von Schliessmeyer als „wichtigen Schritt zur Stärkung unserer Präsenz in Europa und zur Ausweitung unseres Kundenportfolios“ pries. Ein halbes Jahr später entpuppt sich diese Präsenzstärkung als eiskalter Plan, ein hochqualifiziertes Spezialunternehmen plattzumachen, die mit guten deutschen Löhnen bezahlten Mitarbeiter in die Wüste zu schicken, Fachwissen, Kundenstamm und Auftragsvolumen von Schliessmeyer einzusacken und damit in KB-eigenen Billigschmieden in Litauen und der Slowakei munter weiterzumachen.

Heimlich, still und leise

In Zweibrücken sollte das möglichst keiner mitbekommen. Wer hinter vorgehaltener Hand erste Hinweise erhalten hatte, brauchte Wochen, um an belastbare Aussagen heranzukommen. Aus verständlicher Angst schweigt das Gros der Mitarbeiter, und die schwedischen Chefs haben offenbar gute Gründe, um unbequeme Fragen nach Schliessmeyer unbeantwortet zu lassen.

Der Stadtverwaltung erging es ähnlich. „Die Verwaltung wurde erst über die Unternehmensentscheidung informiert, als die Entscheidungen bereits abschließend getroffen und nach unserer Kenntnis nicht mehr veränderbar waren“, sagt Oberbürgermeister Marold Wosnitza. „Eine Kontaktaufnahme mit den Verantwortlichen des Unternehmens war seitens der Stadtverwaltung zuvor nicht möglich.“ Am Donnerstagabend bei der Zweibrücker SPD berichtete Wosnitza: „Als wir davon erfuhren, war das Unternehmen schon verkauft und die Schließung beschlossen.“ Er bewertete es als „besonders übel, dass es bei Schliessmeyer keinen Betriebsrat und keine Möglichkeit zur gewerkschaftlichen Unterstützung gibt“.

Hinter verschlossenen Türen

Jede Wette: Organisierte Arbeitnehmervertreter hätten das klammheimliche Vorgehen der Bosse frühzeitig aufgedeckt, für Öffentlichkeit gesorgt und nicht kampflos klein beigegeben.

Wieder wird gerade in Zweibrücken deutlich, wie wichtig es für Arbeitnehmer ist, sich gewerkschaftlich zu organisieren und Betriebsräte zu bilden. Denn einsame Chef-Entscheidungen hinter verschlossenen Türen sind das Gegenteil von dem, was in der deutschen Industrie als Tarifpartnerschaft recht und billig ist.

Gerhard Müller
Gerhard Müller
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