Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Alles ist vorbereitet: Kriegsflüchtlinge können kommen

Marius Schmidt, Patrick Wagner und Jan-Hendrik Prager (von links) von der DRK-Katastrophenschutzeinheit schlagen in einem Wohnbl
Marius Schmidt, Patrick Wagner und Jan-Hendrik Prager (von links) von der DRK-Katastrophenschutzeinheit schlagen in einem Wohnblock in der Ontariostraße Feldbetten für ukrainische Ankömmlinge auf.

Das DRK hat 14 leergezogene Wohnungen in den Gewobau-Wohnblocks der Canadasiedlung mit Feldbetten, Matratzen und Bettwäsche ausgestattet. Die Unterkünfte für gut 180 Ukrainer sind bezugsfertig. Noch ist unklar, wann diese kommen.

Am Freitagnachmittag, 18. März, haben 14 Helfer jede Wohnung mit sechs Feldbetten aus DRK-Beständen bestückt. Die Gewobau hat die leeren Wohnblocks, die mittelfristig für den Abriss vorgesehen sind, mit Blick auf die ukrainischen Ankömmlinge noch einmal hergerichtet. Jetzt entstehen dort noch eine eigene Sozialstation und eine Arztpraxis sowie ein Kindergarten im Erdgeschoss eines der Häuser.

Wann in Zweibrücken Flüchtlinge ankommen – und wie viele – ist noch unbekannt. Das DRK hat eine Telefonnummer geschaltet, über die der Vollzugsdienst, die Polizei und das Sozialamt stets einen Ansprechpartner beim Roten Kreuz erreichen können. Die Wohnungen, so sagt Jan-Hendrik Prager vom DRK, seien jetzt so weit eingerichtet, dass Ankömmlinge sofort darin schlafen können. Es gebe Strom, Licht und Wasser sowie funktionierende Duschen. Die Wohnungen seien sicher. Vorgesehen sind die Unterkünfte für Flüchtlinge, die direkt in Zweibrücken stranden.

Anzahl an Schlafplätzen wird verdoppelt

Anfang Mai sollen die Feldbetten durch hölzerne Doppelstockbetten ersetzt werden, erklärt Prager. Dadurch werde sich die Anzahl an Schlafplätzen auf zwölf pro Wohnung verdoppeln.

Im Erdgeschoss des Hauses Ontariostraße 12 hält ein Büro des Roten Kreuzes dauerhaft Einzug, in dem Jan-Hendrik Prager selbst arbeiten wird, zusammen mit einer Kollegin und dem Sozialdienst. Daran angrenzend werden ein Arztzimmer eingerichtet sowie ein kleiner Kindergarten für zunächst etwa 30 Kinder. „Der zieht aber um in ein anderes Gebäude, falls viele Kinder kommen“, blickt Prager voraus. Die Rotkreuzler bereiten auch einen Aufenthaltsraum vor, in dem die Geflüchteten – meist Frauen und Kinder – die Nachrichten aus ihrer Heimat verfolgen können. In diesem Zimmer werde auch eine Jobbörse eingerichtet, weil die ukrainischen Hilfesuchenden hier sofort nach ihrer Ankunft schon arbeiten dürfen.

Gewobau, DRK und Sozialamt arbeiten Hand in Hand

In den Häuserblocks Ontariostraße 12, 14, 27 und 29 haben Mitarbeiter der Gewobau teilweise neue Toiletten eingebaut und überprüft, dass die Heizungen funktionieren. In einer Wohnung wurde sogar ein neuer Fußboden verlegt. „Das ging extrem schnell. Vor einer Woche haben wir zum ersten Mal darüber gesprochen; innerhalb von sieben Tagen waren die fertig“, lobt Prager die Zusammenarbeit mit der städtischen Tochtergesellschaft.

Auch mit dem städtischen Amt für soziale Leistungen arbeiten die Katastrophenschutzhelfer eng zusammen. Unter anderem stellt das Amt die Bettwäsche zur Verfügung, mit der die DRK-Helfer am Freitag die Matratzen, Decken und Kissen bezogen haben. Insgesamt baut das Rote Kreuz also ein richtiges kleines Dorf in vier benachbarten Wohnblocks der Kanadasiedlung auf.

Jetzt werden gute Möbel gesucht

Die Strukturen unterscheiden sich deutlich von denen in der Flüchtlingswelle von 2015. Damals waren vorwiegend junge Männer aus Syrien gekommen, die kaum mehr besaßen als das, was sie am Leib trugen. Jetzt erwartet Prager vor allem Mütter mit Kindern, die zum Teil im eigenen Auto geflüchtet sind und einige Habseligkeiten mitnehmen konnten. „Vermutlich haben die meisten von ihnen Geld und ein Handy und können selbst einkaufen gehen“, schätzt Prager.

Allerdings fehlt es in den Wohnungen derzeit noch an Kücheninventar. Kühlschränke und Herde seien kaum vorhanden. Trotzdem warnt auch Pragers DRK-Kollege Patrick Wagner davor, einfach irgendwelche Spenden vorbeizubringen. „Noch sind ja keine Flüchtlinge da. Wenn es soweit ist, werden wir über die Medien konkret veröffentlichen, was wir genau brauchen“, erklärt Wagner. „Alles andere würde im Chaos enden.“ Voraussichtlich würden vor allem Möbel gebraucht, nicht Kleiderspenden wie zuletzt im Ahrtal. Das Mobiliar werde aber vorher geprüft. „Leider verstehen manche Leute solche Aufrufe als kostenlosen Sperrmüll“, äußert sich Patrick Wagner aus Erfahrung.

Kinder kommen in die städtischen Schulen

„Man geht davon aus, dass die Flüchtlinge aus der Ukraine nach Beendigung des Krieges wieder nach Hause möchten. Bis es so weit ist, können sie hierbleiben“, erläutert Jan-Hendrik Prager. Indem für die Kinder eine Tagesbetreuung eingerichtet werde, könnten deren Mütter arbeiten gehen und Geld verdienen. Mit dem Schulamt seien die Formalitäten für die älteren Kinder geregelt: Diese sollen auf die städtischen Schulen verteilt werden. Betreut werden die Ukrainer von Mitarbeitern des Roten Kreuzes, die Russisch, Ukrainisch beziehungsweise Polnisch sprechen.

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