Zweibrücken
Alle Bewohner raus – wie es jetzt mit Melanchthonheim weitergeht
Das Melanchthonheim in der Herzogstraße hat sozial schwachen Menschen ein Zuhause geboten. Personen am Rande der Gesellschaft, die sonst nirgendwo hinkonnten. Doch seit Montag ist das Heim geschlossen. Der Grund: Ein Gutachter hatte in dem Haus erhebliche Mängel beim Brandschutz entdeckt und es für unbewohnbar erklärt. Daraufhin mussten alle 29 Bewohner binnen elf Tagen ausziehen.
Aktuell ist das Haus menschenleer. Nur die Habseligkeiten der Bewohner sind noch dort. Die können sie bis zum 1. Juli abholen. Um das Haus wieder bewohnbar zu machen, müssten laut Gutachten zahlreiche Maßnahmen umgesetzt und vieles erneuert werden. „Der Sachverständige hat darin alles zusammengestellt, was auch nur irgendwie möglich war. Da kam ein horrender Betrag zusammen. Wir waren schockiert“ sagt Ingeborg Oberkircher, die sich mit ihrem Mann um das Haus und die Belange der Bewohner gekümmert hat.
Mieteinnahmen fallen weg, Kosten laufen weiter
Schließlich sei der Brandschutz im Haus immer in Ordnung gewesen, aber nun seien die Bedingungen verschärft worden. 200.000 Euro wären nötig, alle laut Gutachten notwendigen Maßnahmen umzusetzen. „Allein eine neue Brandmeldeanlage würde 70.000 Euro kosten“, sagt Oberkircher, deren Mann dem Melanchthonverein vorsteht, der das Haus betreibt.
Geld, um die Mängel zu beseitigen, habe der Verein nicht. „Jetzt fallen uns auch noch die Mieteinnahmen weg. Aber Gebühren für Müllabfuhr, Gas, Wasser und Strom sowie die wiederkehrenden Beiträge laufen weiter.“ Endgültig schließen wolle der Verein das Heim nicht. „Wir wollen zusammen mit der Stadt schauen, welche Mängel in dem Gutachten wirklich behoben werden müssen. Wir wollen das Nötigste rausfiltern.“ Dann wolle der Verein sich von einer anderen Firma einen Kostenvoranschlag machen lassen. „Dann suchen wir nach Zuschüssen und Sponsoren.“
Keine Unterstützung durch die Kirche
Das Haus gehöre dem Melanchthonverein. In der Vereinssatzung sei festgelegt, dass das Haus an die evangelische Landeskirche als Eigentümerin zurückfällt, wenn das Heim geschlossen ist, informiert Oberkircher. Vor dort könne man kaum Unterstützung erwarten. Am Freitag habe sie mit Oberkirchenrätin Karin Kessel bezüglich des Heims telefoniert. Kessel ist beim Landeskirchenrat für Finanzen und Bauwesen zuständig. „Sie hat gesagt, da ist nicht viel drin, weil die Landeskirche selbst finanzielle Probleme habe“, sagt Oberkircher.
Dennoch versuche der Verein alles, um das Haus zu erhalten. Wenn die Brandschutzmängel beseitigt werden können, soll das Heim wieder für sozial schwache Menschen geöffnet werden. „Wir waren ja immer für diese Menschen da. Das wollen wir weiterhin, solange es uns möglich ist“, sagt sie. Obwohl sie und ihr Mann Senioren sind und die Vereinsarbeit hin und wieder belastend sein kann, zeigt sie sich optimistisch: „Ein paar Jahre können wir das noch stemmen.“