Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Melanchthonheim: Was Bewohner nach Ende der Umzugsfrist machen

Die meisten der Bewohner haben eine Bleibe gefunden: Larissa bei einer Freundin, Esmael bei seiner Schwester und Hausmeister Chr
Die meisten der Bewohner haben eine Bleibe gefunden: Larissa bei einer Freundin, Esmael bei seiner Schwester und Hausmeister Christian in dem Rohbau eines Kumpels (von links). Daniel (rechts) schläft ab Montag in der Obdachlosenunterkunft im Wolfsloch.

Bis Sonntag sollten die Bewohner des Melanchthonheims ausziehen. Wie es im Heim einen Tag nach Ablauf der Frist aussieht und wie es den Bewohnern geht.

Am Sonntag war ihre Frist abgelaufen. Bis dahin sollten alle 29 Bewohner des Melanchthonheims das Haus verlassen haben. Das stand auf einem Zettel, der ihnen unter ihrer Zimmertür durchgeschoben worden war. Die Verzweiflung war groß.

Der Grund für die fristlose Kündigung des Melanchthonvereins, der das Haus betreibt, war fehlender Brandschutz. Laut einem Gutachten war das Haus mit sofortiger Wirkung unbewohnbar. Damit die Bewohner nicht auf der Stelle ihr Zuhause verlassen müssen, hatte die Stadt eine Brandwache organisiert. Das verschaffte den Mietern elf Tage für ihren Umzug.

Muss ich künftig auf der Straße schlafen? Was passiert, wenn ich am Sonntag noch da bin? Werde ich dann von der Polizei aus meinem Zuhause gezerrt? Solche Fragen trieben die Bewohner um.

Bewohner sind weg – ihr Gepäck nicht

Das Melanchthonheim ist am Montag nahezu menschenleer. Nur das Gepäck vieler Bewohner steht noch in ihren Zimmern. „Wir haben Zeit bis 1. Juli es abzuholen“, erzählt Christian, der in dem Heim wohnt und Hausmeisterarbeiten erledigt. Er schläft ab Montag in einem entkernten Rohbau eines Bekannten. Tagsüber ist er den Rest des Monats noch im Heim, um den Bewohnern, die ihr Gepäck abholen, die Tür aufzuschließen. „Eigentlich könnte ich so lange in einem Zelt im Garten schlafen. Da braucht man keinen Brandschutz“, witzelt er.

Weil die Brandwache bis Montag um 17 Uhr verlängert worden sei, durften sie noch so lange in ihrem alten Zuhause schlafen, berichten die Bewohner erleichtert. „Ich komme bei meiner Schwester in Düsseldorf unter“, sagt der 26-jährige Esmael, als er am Montag vor dem Eingang des Heims in der Herzogstraße Umzugskisten in einen 3er BMW lädt.

Unterkunft im Wolfsloch nur Übergangslösung

„Ich habe vorhin beim Sozialamt den Schlüssel bekommen zum Obdachlosenheim im Wolfsloch“, berichtet Bewohner Daniel im Aufenthaltsraum. Glücklich ist er mit dieser Lösung nicht, hat Angst, in diesem sozialen Brennpunkt zu leben. Glücklicherweise sei das aber nur eine Notlösung für maximal drei Monate. Das habe man ihm beim Sozialamt versichert. „Ich soll am Mittwoch noch mal zum Sozialamt kommen. Dann schaut dort ein Mitarbeiter, ob er was anderes für mich findet“, freut er sich. „Die waren dort sehr nett, bemüht und hilfsbereit“, ist er voll des Lobes für die Stadtverwaltung.

27 der 29 Bewohner hätten eine neue Bleibe gefunden, berichtet Christian. „Die meisten sind bei Freunden untergekommen. Sieben oder acht haben übers Sozialamt etwas Neues gefunden. Zwei Bewohner haben sich nicht darum gekümmert und sich auch nicht von mir helfen lassen. Ob sie beim Sozialamt waren, weiß ich nicht“, erzählt Christian. Er hat einige seiner Mitbewohner an die Hand genommen und ist mit ihnen zum Sozialamt gegangen, um eine Unterkunft zu suchen. „Die Leute dort waren sehr freundlich und zuvorkommend.“

Mietproblem gelöst, Bürokratieprobleme nicht

„Ich komme ab heute in einem Zimmer von einer Freundin unter“, berichtet die 64-jährige Larissa. Doch dort will die Moldawierin nur ein bis zwei Wochen bleiben. Will ihrer Freundin nicht zur Last fallen. Zusammen mit dem Sozialamt will auch sie sich eine andere Unterkunft suchen. Das Amt will sie am Dienstag sowieso aufsuchen, um offene Fragen zu klären. „Ich weiß nicht, welche Meldeadresse ich jetzt bei den Ämtern angeben soll. Gilt noch die vom Melanchthonheim? Oder die von meiner Freundin, obwohl ich da nur zwei Wochen lebe?“

Ein ganz anderes Problem der Bewohner ist laut Christian mittlerweile gelöst: Viele wussten anfangs nicht, wie sie im Juni die Miete und Kaution für eine neue Unterkunft aufbringen sollen. Schließlich hatte der Melanchthonverein für diesen Monat bereits die volle Monatsmiete vom Jobcenter oder den Berufstätigen erhalten. Ingeborg Oberkircher, die sich mit ihrem Mann Dieter Oberkircher um das Haus kümmert, habe ihm mitgeteilt, dass alles mit dem Jobcenter geklärt sei, und die, die selbst Miete zahlen, die Hälfte davon wieder zurückbekämen, erzählt Christian.

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