Meinung
1900 Stimmen Vorsprung – Warum das Zweibrücker OB-Rennen trotzdem völlig offen ist
60 Prozent der Zweibrücker Wahlberechtigten haben vor drei Wochen ihre Stimme bei der OB-Wahl abgegeben. Das ist keine hohe Wahlbeteiligung, aber im Vergleich zu früheren Wahlen ist es sogar ein Spitzenwert: Seit gut 30 Jahren gibt es in Rheinland-Pfalz die Direktwahlen der Bürgermeister, und nur einmal lag die Wahlbeteiligung höher, wenn auch nur minimal. 1999, als sechs Kandidaten antraten, lag sie bei 60,5 Prozent. Damals waren gleichzeitig Kommunalwahlen, vor drei Wochen waren auch Landtagswahlen. Das hebt die Wahlbeteiligung. Die Erfahrung zeigt: Ist alleine OB-Wahl, geht nicht mal die Hälfte wählen. Sie zeigt auch: Bei einer Stichwahl sind es meist weniger als im ersten Wahlgang.
Dabei geht es um viel: Am Sonntag entscheiden die Zweibrücker, wer ihre Stadt ins nächste Jahrzehnt führt. Wer gewählt wird, wird bis Ende 2034 im Amt sein. Und das Rennen ist offen. Amtsinhaber Marold Wosnitza (SPD) lag im ersten Wahlgang mit 42,7 Prozent der Stimmen vorne. Christina Rauch (CDU) bekam 30,5 Prozent. Der Vorsprung von zwölf Prozentpunkten scheint groß, doch das täuscht. Denn er entspricht 1891 Stimmen. Das ist weniger als die Hälfte der 4135 Stimmen, die im ersten Wahlgang an die unterlegenen Kandidaten Christian Hofer (AfD) und Atilla Eren (parteilos) gingen.
Auf diese Faktoren kommt es an
Dass das Rennen offen ist, liegt an den verschiedenen Faktoren, die bei der Stichwahl eine Rolle spielen. Sowohl für Wosnitza als auch für Rauch ist enorm wichtig, dass sie möglichst viele ihrer Wähler aus dem ersten Wahlgang behalten. Dann wird es darauf ankommen, was aus den gut 4000 Hofer- und Eren-Stimmen wird, die nun freigeworden sind. Und schließlich spielt die Wahlbeteiligung eine große Rolle, denn je weniger Menschen ihre Stimme abgeben, desto enger wird der Abstand. Das alles lässt sich unter verschiedenen Annahmen durchrechnen, aber am Ende ist nur eines gewiss: Wie die Wahl am Sonntag ausgeht, lässt sich nicht vorhersagen.
Eine Wahlempfehlung haben wir aber: Gehen Sie wählen!
