Speyer „Wichtig sind eigentlich nur gute Schuhe“

Genusswanderung: Unter anderem geht es durch die Weinberge rund um St. Martin.
Genusswanderung: Unter anderem geht es durch die Weinberge rund um St. Martin.
Herr Andrack, wo kann man besser wandern – in der Pfalz oder im Saarland?

Da will ich mir jetzt nicht den Mund verbrennen. Aber ich muss zu meiner Entlastung sagen: Ich bin Wahlsaarländer. Von daher amüsiert mich das eher. Auch in meiner ersten Heimat Köln ist dieses Konkurrenzgehabe zwischen Düsseldorf und Köln eigentlich albern. Da beide Regionen – die Pfalz und das Saarland – großartig sind, wandere ich in beiden gleich gern. Da bin ich so neutral wie die Schweiz. Die einen gehen gern Fahrradfahren, andere Segeln – was hat Sie ausgerechnet am Wandern gereizt? Dass man bei jeder Wanderung großartige neue Erfahrungen machen kann. Keine Wanderung ist so wie die andere. Bei anderen Freizeitaktivitäten hat man es meistens mit demselben Golfplatz, demselben Tennisplatz, derselben Joggingrunde und so weiter zu tun. Und kein Wanderer würde sagen: Den Weg gehe ich jede Woche. Man sucht sich eben neue Ziele. Ich werde oft nach meinen Traumzielen gefragt. Die sind alle in 80 Kilometer Umkreis. Zum Beispiel die Hexenklamm in der Südwestpfalz, einige Abschnitte des Weinwanderwegs an der Weinstraße, saarländische Wege. Da gibt’s noch so viel zu entdecken. Die Veranstaltung am Samstag in St. Martin läuft unter dem Begriff Genusswanderung. Gibt es einen Unterschied zwischen Wandern und Genusswandern? Es gibt ganz viele Unterformen. Das Wandern als Überbegriff hat eigentlich immer damit zu tun, dass man in der Natur ist und neue Landschaften unter die Füße nimmt. Prinzipiell sollte jede Wanderung eine Genusswanderung sein. Natürlich gibt es auch extrem sportliche Wanderer. Aus der Ecke kam ich auch mal. In meinem ersten Wanderbuch habe ich sinngemäß geschrieben: Alles unter 30 Kilometer ist Kindergeburtstag. Das würde ich heute nicht mehr so schreiben. Ich würde schon von mir behaupten, dass ich generell ein Genusswanderer bin. Und am Samstag in St. Martin kommt auch noch der Wein dazu. Da durchwandert man diese Kulturlandschaft mit Weinbergen und kann dann auch noch das Ergebnis kosten. Das finde ich großartig. Was haben Sie beim Wandern immer dabei? Das ist eine klassische Frage: Was gehört in den Rucksack? So wenig wie möglich. Bei längeren Wanderungen mindestens eine Flasche Wasser. So viel mehr aber auch nicht. Eine Wanderkarte ist heutzutage meistens überflüssig, weil die Wege super markiert sind. Von Essen rate ich ab. Da habe ich mich schon mal mit Hardcore-Wanderern angelegt, die gesagt haben: Ey, du kehrst immer ein – richtige Wanderer haben im Rucksack Verpflegung dabei. Das sehe ich nicht so. Wenn ich eine neue Landschaft entdecke – und die pfälzische Weinstraße ist zum Beispiel anders als die Westpfalz –, dann will ich die Spezialitäten genießen, die dort hergestellt werden. Ich habe gestern eine stramme Wanderung über etwa 20 Kilometer gemacht. Da hatte ich keinen Rucksack dabei. Wichtig sind eigentlich nur gute Schuhe. Haben Sie eine Lieblingsstrecke? Ich habe mal in meinem ersten Wanderbuch geschrieben, der Lieserpfad in der Eifel wäre der schönste Wanderweg der Welt. Das ist schon sehr wilde Natur. Dass das im besiedelten Deutschland noch möglich ist, ist schon erstaunlich. Mittlerweile habe ich aber so viele tolle Wanderungen und Strecken kennen gelernt, dass ich mich da nicht mehr festlege. Sie waren mehrere Jahre lang Redakteur der Harald-Schmidt-Show und auch sein Co-Moderator. Sind Sie denn mal mit ihm gewandert? Nein, nie. Wir haben unseren Freizeitbereich und unseren beruflichen Bereich auseinander gehalten. Und das war auch gut so. Sie gehen auch gerne mit Ihren Kindern wandern. Haben Sie einen Trick, wie man dem Nachwuchs eine Wanderung schmackhaft machen kann? Purer Zwang. Nein. Ich selber war ein verhaltensgestörtes Kind, ich habe das tatsächlich gerne gemacht. Ich versuche das natürlich auch meinen Kindern zu vermitteln, was in der Tat nicht immer gelingt. Das ist aber ein Phänomen, das höre ich auch von vielen anderen Eltern – wenn Wandern angekündigt wird, ist Motzen angesagt: „Das ist doof und langweilig.“ Aber gerade bei mir als Wanderpapa kann man davon ausgehen, dass ich Wege aussuche, die besonders toll sind, wo die Kinder Spaß haben. Dann ist plötzlich alles super. Und beim nächsten Mal heißt es wieder: „Uäh, wandern.“ Aber es gibt Tricks. Zum Beispiel andere Kinder aus der Nachbarschaft mitnehmen. Wenn mehrere Kinder auf einmal gehen, entfällt schon mal der Meckerfaktor. Die sind dann so beschäftigt, die merken gar nicht, dass sie wandern. Natürlich gilt bei Kindern noch mehr als bei Erwachsenen: Der Weg ist das Ziel. Das heißt, man sollte möglichst einen interessanten Weg auswählen. Vielleicht mit Wasser dabei, einem Bach, Teich oder Wasserfall. Und eine Attraktion wie eine Burg oder ein Spielplatz.

x