Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Was Stadt, Krankenhaus und Tierheim von einem Böller-Verbot halten

Silvesterfeuerwerk: Schöne Bilder, aber noch zeitgemäß?
Silvesterfeuerwerk: Schöne Bilder, aber noch zeitgemäß?

Immer wieder wird über ein Böller-Verbot diskutiert. Wie steht die Stadt Speyer dazu? Und wie bereiten sich Krankenhäuser, Feuerwehr und Co auf die Folgen der Nacht vor?

Wer fordert ein Böller-Verbot und warum?
2,26 Millionen Menschen haben eine Petition der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Berlin unterschrieben, die ein landesweites Böllerverbot für Privatpersonen fordert. Besonders in Berlin hatte es in der vergangenen Silvesternacht zahlreiche Angriffe auf Einsatzkräfte gegeben – auch mit Böllern. Zu den Befürwortern eines Feuerwerk-Verbots zählt auch die Deutsche Umwelthilfe. Sie verweist neben Krawallen in Städten auf enorme Schäden für die Umwelt durch Feinstaub und eine „Nacht des Schreckens für Millionen von Tiere“. Ihre Petition – gerichtet an Bundesinnenminister Alexander Dobrint (CSU) – haben bisher rund 850.000 Menschen unterzeichnet.

Wie steht die Stadt Speyer zu diesem Thema?
Ein solches Verbot sei aus Sicht der Stadt „nicht praktikabel“, teilt eine Sprecherin auf Anfrage mit. „Der entscheidende Grund liegt in der fehlenden Durchsetzbarkeit“, erläutert sie. Um ein Verbot zu kontrollieren, müsste das gesamte Stadtgebiet in der Silvesternacht personell abgedeckt werden. „Dies ist mit den vorhandenen Personalressourcen weder realistisch noch umsetzbar.“ Außerdem sei es nicht zielführend, wenn einzelne Kommunen über ein generelles Ende des Privatfeuerwerks entscheiden würden. „Ein solches Verbot könnte nur dann wirksam umgesetzt werden, wenn es bundesweit einheitlich geregelt wäre“, betont die Sprecherin. Dies würde konsequenterweise schon beim Verkauf der Pyrotechnik ansetzen.

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Speyer

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Zwischen der Gutenbergstraße und dem Altpörtel im Westen, der Korngasse im Norden und auf der Maximilianstraße bis zur Alten Münze erlässt die Stadt wie jedes Jahr eine Allgemeinverfügung zur Gefahrenabwehr, die das Abbrennen von Pyrotechnik auch am 31. Dezember und 1. Januar – an allen anderen Tagen ist es ohnehin verboten – untersagt. Im beschriebenen Bereich sei das Zünden von Feuerwerkskörpern unter anderem wegen der aufgebauten Holzbuden und der Schlittschuhbahn besonders gefährlich. Der Kommunale Vollzugsdienst und eine Sicherheitsfirma überwachen das Verbot. In den vergangenen Jahren sind laut Stadt auch deshalb keine Verstöße gegen das Abbrennverbot aktenkundig geworden.

Umweltdezernentin Irmgard Münch-Weinmann (Grüne) bittet um Rücksicht auf Natur, Tiere und Mitmenschen im privaten Bereich: „Für viele Menschen gehört Feuerwerk in der Silvesternacht dazu, doch wir dürfen nicht aus den Augen verlieren, welche Auswirkungen Knall und Licht auf unsere Umwelt haben. Die Natur, Wildtiere und auch Haustiere leiden unter der erhöhten Feinstaubbelastung, dem Lärm und den grellen Lichtern. Auch Menschen, die traumatische Erfahrungen gemacht haben, können durch die Explosionen stark belastet werden“, betont die Dezernentin.

„Der Jahreswechsel ist ein besonderer Moment, den wir alle gebührend feiern möchten“, sagt Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD). Das 3D-Videomapping am Altpörtel zeige, dass es auch ohne Pyrotechnik „festliche und beeindruckende Erlebnisse“ gebe. Zum Jahreswechsel seien Rettungskräfte und Notaufnahmen stark gefordert.

Was erwarten die Krankenhäuser für die Silvesternacht?
„An Silvester verzeichnet unsere Zentrale Notaufnahme traditionell ein erhöhtes Aufkommen an chirurgischen Notfällen“, sagt Thomas Goldmann, Leiter der Zentralen Notaufnahme am Sankt-Vincentius-Krankenhaus. Häufig handle es sich um akute Verletzungen durch Feuerwerkskörper insbesondere an den Händen, da die Klinik über eine spezialisierte Handchirurgie verfüge. „Daneben behandeln wir Schnittverletzungen, Verletzungen nach körperlichen Auseinandersetzungen sowie je nach Wetterlage auch Sturzverletzungen, beispielsweise durch Glätte oder schlecht sichtbare Hindernisse.“ Auch Alkoholvergiftungen gehörten zum Einsatzspektrum. Im Schnitt würden an Silvester und Neujahr rund 140 Patienten vorstellig. Das seien allerdings weniger als in den Tagen davor.

Die Diskussionen zu einem Böllerverbot könne man am „Vincenz“ gut nachvollziehen – gerade vor dem Hintergrund der teils schweren Verletzungen. Viele davon entstünden durch unsachgemäße oder fahrlässige Handhabung, bei der häufig übermäßiger Alkoholkonsum eine Rolle spiele. „Aus medizinischer Sicht wäre jede Maßnahme, die solche vermeidbaren Verletzungen reduziert, ein Gewinn – sowohl für die Betroffenen als auch für die ohnehin stark ausgelasteten Notaufnahmen.“

Wie bereiten sich Feuerwehr und Polizei vor?
Einsatzleitung und diensthabende Wachabteilung der Feuerwehr sind rund um die Uhr in Bereitschaft. Auch ehrenamtliche Feuerwehrleute unterstützen und verbringen ihren Silvesterabend auf der Wache. Viele weitere Ehrenamtler seien ebenfalls einsatzbereit, sollte es zu einem Groß- oder Mehrfacheinsatz kommen. Die Anzahl der Brandeinsätze steige rund um Silvester regelmäßig an. Im Vordergrund stünden dabei Müll- und Balkonbrände sowie Feuer auf (Dach-)Terrassen. „Viele dieser Einsätze ließen sich durch sachgerechten Umgang und Vorsichtsmaßnahmen vermeiden“, heißt es von der Feuerwehr.

Auch die Polizei wird in der Nacht zum neuen Jahr verstärkt im Einsatz sein – „insbesondere dort, wo traditionell viele Menschen zusammenkommen, um gemeinsam zu feiern“, sagt eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Rheinpfalz auf Anfrage. Die Silvesternächte der vergangenen Jahre seien im Einsatzbereich des Präsidiums ohne besondere Vorkommnisse verlaufen. Im Netz hat das Landeskriminalamt Tipps zum sicheren Umgang mit Feuerwerk veröffentlicht.

Und das Speyerer Tierheim?
„Tatsächlich machen wir gar nichts besonders anders“, erzählt Leiterin Jennifer Handmann. „Wir finden es wichtig, dass der Tag für die Tiere abläuft wie jeder andere, um gar nicht erst für Aufregung zu sorgen.“ Das vermittle Stabilität und Routine. Und weil die Einrichtung im Mäuseweg etwas außerhalb liege, sei es auch ein wenig leiser als in der Stadtmitte. Zudem fingen einige Menschen schon Tage vor dem Jahreswechsel an zu böllern, sodass sich die Tiere etwas daran gewöhnen könnten. „Uns ist auch wichtig, dass wir die Tiere nicht einsperren, damit sie sich frei bewegen können in ihren Innen- und Außenbereichen, um so den Stress ein Stück weit ablaufen zu können“, sagt die Leiterin. Dann könne jedes Tier selbst entscheiden, wie es mit der Situation umgehe. Ein generelles Böllerverbot fände man im Tierheim „absolut wünschenswert“.

Was folgt am 1. Januar?
Aufräumarbeiten. Straßen werden gereinigt und Müll am Neujahrsmorgen entsorgt. Die Stadtreinigung ist unterwegs. Kostenpunkt laut Verwaltung: rund 2500 Euro.

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