Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Warum der Bevölkerungsschutztag wichtig ist und auch gut angenommen wurde

Es sollte an vieles gedacht werden: Das Seniorenbüro zeigt einen Einkaufswagen mit Lebensmitteln, die für eine Person zehn Tage
Es sollte an vieles gedacht werden: Das Seniorenbüro zeigt einen Einkaufswagen mit Lebensmitteln, die für eine Person zehn Tage lang reichen sollen.

Hilfe zur Selbsthilfe – so ließen sich die Angebote beim ersten Bevölkerungsschutztag der Stadt betiteln. Eine Erkenntnis: Auch Pflasterkleben will gelernt sein.

„Die Oma fehlt“, sagt Cornelia Leszinski. Sie ist Chefärztin im Speyerer St.-Vincentius-Krankenhaus und weiß, was viele Jüngere heute nicht mehr wissen. Für den Bevölkerungsschutztag in der Stadthalle hat sie mit ihrem Team daher die häufigsten Gründe zusammengetragen, weswegen Menschen in die Notaufnahme kommen, obgleich sie sich selbst helfen könnten. Ziel der städtischen Veranstaltung mit vielen Beteiligten ist es, die Bevölkerung aktiv auf Krisensituationen wie längerfristige Stromausfälle vorzubereiten.

„Das bindet unsere Kapazitäten, die die Schwerkranken brauchen“, sagt Leszinski über unnötige Besuche in der Notaufnahme. Das prägnanteste Beispiel: „Viele wissen nicht, wie ein Pflaster aufgeklebt wird.“ Das wird an diesem Tag am Stand geübt. Wenige Meter nebenan versucht sich ein Mann an einem Dummy mit einer Herzdruckmassage. Informationen über den Schutz alter Dokumente, über Nachbarschaftshilfe und Anlaufstellen für Senioren sind im Stadthallen-Foyer verteilt. Überall stehen aufgeschlossene Ansprechpartner bereit.

Auf der Plauderbank der Gemeindeschwester plus kommen Menschen ins Gespräch. Das freut den Organisator, Brand- und Katastrophenschutzinspekteur Peter Eymann. Auf diese Weise würden Netzwerke innerhalb der Gesellschaft geschaffen, die im Ernstfall wichtig sind. „Als Erste waren die Senioren da“, berichtet der Feuerwehrchef über den Auftakt morgens um 8 Uhr. Alle Hilfsorganisationen halten Tipps und Ratschläge bereit. Immer wieder dreht es sich um die Bevorratung von Lebensmitteln. Abgesehen von einem gepackten Einkaufswagen, der von Mitgliedern des Seniorenbeirats näher erläutert wird, hat Eymann eine handlichere Variante für den Notfall mitgebracht: eine Vorratsbox mit Nahrung in Dosen, die über zehn Jahre haltbar ist. „Das ist wie ein kleiner Aktenkoffer, der unters Bett passt“, unterstreicht er.

An den Ständen kommen nicht nur die Besucher mit den Fachkräften, sondern auch die Interessierten untereinander ins Gespräch. Die Reaktionen sind positiv. Für David Vowinkel von der Landesgeschäftsstelle der Malteser ist das ein gutes Signal: „Wir sind nur so schlagkräftig, wie wir als Gemeinschaft stark sind“, erklärt er. Die instabile Weltlage in den vergangenen Jahren habe viele wachgerüttelt. Fragen nach der klassischen Hilfe im Schadensfall bis zum Notfallkoffer würden häufig gestellt.

Dass die Stadt die Initiative zu einem Bevölkerungsschutztag ergriffen hat, finden in der Halle alle angemessen. „Die Veranstaltung ist gut, weil das Thema in der Bevölkerung präsent ist“, stellt Ansgar Parzich vom Technischen Hilfswerk heraus. Die Einsatzkräfte würden auch häufiger als früher von Passanten angesprochen, wenn sie draußen in Uniform unterwegs sind, ergänzt Michael Droese.

Die Vorbereitung des Tages hat ziemlich Energie gekostet, gibt Eymann zu. Hilfreich sei der runde Tisch „ZAP“ (Zivile Alarmplanung) für den kompletten Katastrophenschutz in Speyer gewesen. Trotz des Arbeitsaufwands soll der Tag wiederholt werden. In welchem Turnus, werde sich noch zeigen. Chefärztin Leszinski hebt hervor: „Wir wollen den Leuten keine Angst machen, sondern sie darin stärken zu wissen, was sie im Ernstfall tun können.“

Einsatz am Boden: Unter Anleitung von Andy Grünberg von den Diakonissen wird die Wiederbelebung geübt.
Einsatz am Boden: Unter Anleitung von Andy Grünberg von den Diakonissen wird die Wiederbelebung geübt.
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