Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Vorschläge für Linienbus-System kommen gut an

Stadtbusse in der Gilgenstraße: abends oft nicht gut besetzt.
Stadtbusse in der Gilgenstraße: abends oft nicht gut besetzt.

175.000 Fahrtkilometer pro Jahr weniger, jeder zehnte Stadtbus könnte wegfallen – fast alle Ratsfraktionen stimmen diesem Vorschlag aus dem Rathaus zu. Laut Stadtverwaltung bewegt sich das noch im zulässigen Rahmen, der vom beauftragten Busunternehmen hingenommen werden müsse. Es werden mehr positive als negative Effekte erwartet.

Der Auftrag für eine verdoppelte Anzahl an Busfahrten in Speyer läuft von Dezember 2023 bis 2033. Nach einem Jahr sieht die Stadt aber „dringenden Handlungsbedarf“ auf zumindest vier von neun Linien. Sie plant Änderungen an insgesamt acht davon, die voraussichtlich ab Dezember 2025 greifen würden. Nur die Linie 568 nach Römerberg soll unverändert bleiben. Die Fahrgastanzahl habe sich im Vergleich zum früheren System nicht wesentlich erhöht, berichtete Matthias Schwarz, zuständiger Mitarbeiter der Verkehrsplanung im Rathaus. Die sogenannten Ergänzungslinien 565, 566, 567 und 569 seien nicht ausreichend ausgelastet.

Für die Firma DB Regio Bus Mitte, die den Auftrag für zehn Jahre erhalten hat, wäre mit den städtischen Plänen eine deutliche Reduzierung verbunden. Diese muss nun auch in Abstimmung mit dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) besprochen werden. Der Bau- und Verkehrsausschuss stimmte den städtischen Plänen inhaltlich zu und war mit einem Verhandlungsmandat für die Stadtverwaltung einverstanden. Alle Fraktionen außer den Freien Wählern sagten ja. Am Donnerstag, 12. Dezember, wird der Stadtrat dazu noch befragt.

Innerhalb der „Flexibilitätsgrenzen“

Die Verwaltung geht davon aus, dass die Reduzierungswünsche akzeptiert werden: Die 175.000 Kilometer pro Jahr, die wegfielen, lägen noch innerhalb der festgelegten „Flexibilitätsgrenzen“. Pressesprecherin Janine Friedmann: „Die vertraglichen Regelungen lassen Veränderungsmöglichkeiten im Liniennetz von zehn Prozent bezogen auf die Fahrkilometer zu.“ Das Gesamtvolumen konnte die Stadt am Donnerstag nicht beziffern. Der Busbetrieb hatte in der Vergangenheit schon von 1,8 Millionen und von 900.000 Jahreskilometern gesprochen; die richtige Zahl sind jedoch offenbar die 1,8 Millionen.

„Mit den vorgesehenen Anpassungen kann das Grundkonzept beibehalten werden. Die Taktzeiten werden der aktuellen Inanspruchnahme angeglichen, woraus sich Optimierungen in den einzelnen Stadtteilen ergeben“, wird Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) in einer städtischen Mitteilung zitiert. Zu einzelnen Neuerungen in den Routenverläufen kommen teilweise generell verlängerte Taktzeiten, in manchen Fällen auch nur eine Ausdünnung in Randzeiten. Insgesamt hält sich die Stadt eine Angebotsverbesserung zugute, weil unter anderem die Doppelbedienung von Haltestellen beseitigt, Strecken optimiert und Konflikte mit Anwohnern sowie anderen Verkehrsformen reduziert würden: „Negative Effekte sind aus Fahrgastsicht kaum spürbar.“

Verbesserungen für Speyer-West

Im Gegenteil gebe es Vorteile, etwa mit Verbesserungen für Speyer-West, so Matthias Schwarz: Die Linie 566 werde mit neuen Bushaltestellen am Berliner Platz ausgestattet, im Verlauf verändert, mit der Linie 565 abgestimmt und auch sonntags bedient. Von den Fraktionen gab es vor allem Lob für die Reform in der Weststadt, für den Anschluss des Haupteingangs der Kaserne in Nord und die geplante Ringlinie, die im Industriegebiet die Heinkelstraße „mitnimmt“, statt wie bisher von Süden kommend beim Lidl-Logistikzentrum umzukehren.

Ralf Schulz (CDU) kritisierte den geplanten Ein-Richtung-Verkehr auf einem neuen Zweig der Linie 567 in Speyer-Ost: Der Bahnhof müsse auch in umgekehrter Richtung erreichbar sein. Claus Ableiter (FWS) enthielt sich bei dem Votum: Auch er fand bestimmte Aspekte gut, hätte sich aber ein neues Grundkonzept gewünscht, weil das bisherige „gescheitert“ sei.

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