Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Fragen und Antworten: Warum die Stadt viele Busfahrten streichen will

Bus kommt (hier in der Stockholmer Straße): oft wenig los.
Bus kommt (hier in der Stockholmer Straße): oft wenig los.

Künftig soll es seltener leere oder fast leere Busse im Stadtgebiet geben. Die Stadt plant „Fahrplanoptimierungen“ im vor einem Jahr gestarteten Linienbündel Speyer. Teilweise soll das Angebot ausgedünnt, sonntags in Speyer-West verbessert werden. Ob die Vorschläge zum Tragen kommen, ist noch offen.

Warum besteht Änderungsbedarf?
Ein Busliniensystem zu gestalten, ist keine einfache Aufgabe. Man kann es nie jedem Recht machen. Die Politik in Speyer hatte sich 2023 für eine deutliche Ausweitung des Angebots im städtischen Linienbündel entschieden, zu dem auch die Busse nach Römerberg gehören. Am 10. Dezember vorigen Jahres war Betriebsstart für das auf zehn Jahre angelegte System mit den Linien 561 bis 569. Die Anzahl an Fahrten wurde verdoppelt. Der Zuschuss stieg von einer auf fünf Millionen Euro im Jahr und könnte beim geplanten Einsatz von E-Bussen ab 2025 weiter klettern. Einige Änderungen wurden danach öffentlich gelobt, andere kritisiert – und immer wieder beklagt, dass viele Busse leer oder fast leer führen. Der zuständige Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) informierte im Oktober über eine „seit Betriebsbeginn konstante Nachfrage“. Bis alle Vorteile angenommen würden, könne es drei Jahre dauern. So lange will die Stadt nicht warten.

Welche weitere Vorgehensweise ist nun geplant?
Die Verwaltung geht mit einem Vorschlag für Anpassungen in die Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr am Dienstag, 3. Dezember (17 Uhr, Stadtratssitzungssaal). Am 12. Dezember würde der Stadtrat befragt. Wenn die Politik die Ideen mitträgt, sollen sie zur Basis von Verhandlungen mit dem VRN und dem beauftragten Unternehmen DB Regio Bus Mitte werden, ob noch Änderungen im Zehn-Jahres-Vertrag möglich sind. Diese könnten frühestens 2025 kommen. Im Rathaus seien Hinweise zu 74 Aspekten des Liniensystems eingegangen, teilt die Stadt mit. Die grundsätzliche Richtung solle indes bestehen bleiben: „Die Erhöhung der Fahrgastzahlen um etwa 50 Prozent, wie vom Stadtrat beschlossen, ist als langfristige Zielsetzung zu verstehen“, heißt es in ihrer Vorlage.

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Ist die Umsetzung realistisch?
Das ist offen. Wenn die Vorschläge umgesetzt würden, könnten bis zu 175.000 der heute rund 900.000 Fahrplankilometer pro Jahr wegfallen, so die Stadtverwaltung „Die jährliche Kostenersparnis liegt im mittleren sechsstelligen Bereich.“ Ob dies vom Vertragspartner, dem ja andere Zusagen gemacht wurden, akzeptiert würde, bleibt abzuwarten. „Wir wissen, dass es Änderungen geben soll, aber nicht welche“, sagt auf Anfrage Nicole Blume, Standortleiterin von DB Regio Bus in Speyer. Für das Unternehmen sind 91 Busfahrer in Speyer unterwegs. Laut Vertrag seien ihres Wissens nur minimale Anpassungen der Kilometeranzahl nach unten zulässig. Wenn anderes gewünscht sei, „muss man reden“, sagt sie. Blume hatte mehrfach betont, dass die organisatorischen Abläufe im Stadtbusverkehr funktionierten und sie auf steigende Nachfrage hoffe, wenn das Angebot bekannter sei.

Würde das Grundkonzept anders?
„Bei den Hauptlinien wird durch die Anpassung einzelner Taktzeiten, die Verringerung von Fahrwegen und Fahrzeiten eine hohe Ersparnis gesehen. Bei den Ergänzungslinien werden dadurch Angebotsverbesserungen ermöglicht“, fasst die Stadt zusammen. Umsteigebeziehungen, insbesondere am Hauptbahnhof und am Postgraben, könnten optimiert werden. Weitere Haltestellen wie am Berliner Platz, an der Baumwollspinnerei, in der Dudenhofer Straße und in der Hafenstraße sollen zu Knoten für jeweiligen Stadtgebiete werden.

Was bedeutet das im Detail für Haltestellen und Linienführungen?
14 Haltestellen sollen neu eingerichtet, sieben nicht mehr bedient werden. Das hat mit veränderten Linienführungen zu tun. Ein Beispiel: Die zwischen Speyer-Nord und -Süd verkehrenden Linien 562 und 563 sollen eine größere Runde fahren, um den Haupteingang der Kurpfalzkaserne anzuschließen. Bei der 562 werden auch Änderungen im Süden vorgeschlagen mit einer Ringlinie über die Heinkelstraße. Die Linie 566, die vom Bahnhof aus eine Speyer-West-Runde dreht, soll durch die Straße Im Erlich statt die Friedrich-Ebert-Straße fahren und besser mit der Linie 565 nach Ost verknüpft werden. Die Linie 567 zwischen der Auestraße und Speyer-Süd soll mit einer Schleife in Speyer-Ost den Eselsdamm und „perspektivisch“ den Industriehof erschließen.

Was soll sich am Takt ändern?
Der Zehn-Minuten-Takt der Shuttlelinie 561 soll „in Randzeiten ausgedünnt“ werden. Bei den Linien 562 und 563 soll es von einem 15- auf einen 20-Minuten-Takt gehen, bei der 564 von 15 auf 30 Minuten, bei der 567 und 569 von 30 auf 60 Minuten. Bei der 569 werde dies aber in Hauptzeiten wieder ausgeglichen. Bei der 565 und 566 werden Ausdünnungen in Randzeiten angeregt. Neue Angebote sind Sonntagsbusse auf den Linien 567 (bis 17 Uhr) und 566 – zumindest im Zweistundentakt. Dass es auf der 566 sonntags keine Anbindung von Speyer-West an die Innenstadt gegeben hatte, ist bisher ein zentraler Kritikpunkt am System von 2023.

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