Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Vielfahrer übt Kritik an Stadtbusverkehr: „Verhöhnung der Nutzer“

Kommt er oder kommt er nicht: Klaus Moser ist eigentlich ein Fan des ÖPNV und somit auch der Stadtbusse. Doch mittlerweile ist d
Kommt er oder kommt er nicht: Klaus Moser ist eigentlich ein Fan des ÖPNV und somit auch der Stadtbusse. Doch mittlerweile ist der Frust des 63-Jährigen über die seiner Meinung nach andauernde Unzuverlässigkeit des Nahverkehrs groß.

Klaus Moser nutzt den Busverkehr intensiv. Umso mehr erbost ihn in die Unzuverlässigkeit des Angebots. Aber fast noch mehr ärgert ihn, wie mit Beschwerden umgegangen wird.

Anfang Juli platzt Klaus Moser der Kragen. Der 63-Jährige, der auf dem Gelände der Alten Ziegelei im Quartier „Am Fluss“ wohnt, setzt sich hin und tippt eine E-Mail. Adressatin: Speyers Stadtoberhaupt Stefanie Seiler (SPD). „Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin“, ist da zu lesen, „seit rund einem Jahr wohnen meine Frau und ich nun in Speyer. Wir haben keinen Privat-Pkw. Meine Frau ist zudem sehbeeinträchtigt.“ Nach dieser Vorrede kommt Moser auf sein Anliegen zu sprechen: den Zustand des Stadtbusverkehrs in Speyer. Und was der Professor für Wirtschaftspsychologie da zu berichten hat, kann wohl jeder nachvollziehen, der Erfahrung mit dem Öffentlichen Personennahverkehr besitzt.

„Von Anfang an haben wir den ÖPNV als unzuverlässig erlebt“, schreibt Moser, bevor er die Aufzählung startet: falsch bezeichnete Haltestellen. Haltestellen, die vom einen auf den anderen Tag ohne Vorabinformation verlegt werden. Haltestellen mit fehlerhaften Aushängen. Haltestellen ohne Aushänge. Busse, die zu früh abfahren und nicht auf die Fahrgäste warten. Busse, die zu spät abfahren. Busse, die gar nicht erst kommen, ohne dass dies angekündigt wurde, auch nicht digital in der App des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar (VRN). Falsche Digitalanzeigen und irreführende Ansagen in den Bussen. Ohne Vorwarnung kurzfristig veränderte Streckenführungen. Fahrpersonal, das aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse keine Auskunft geben kann. „Das sind alles keine Einzelfälle, das passiert täglich“, tippt Moser.

Auch zwei Wochen später ist Mosers Ärger nicht verraucht, im Gegenteil. „Ich bin überzeugter Nicht-Autofahrer“, betont der 63-Jährige. Naturgemäß sehe er daher den ÖPNV positiv. Doch was er in einem Jahr in Speyer erlebt habe, komme einer „Verhöhnung der Nutzer“ gleich. So empfindet es der Wahl-Domstädter, der sich im Vorgriff auf den Ruhestand im Neubauprojekt am Rhein niedergelassen hat. Dass in Speyer viele Busse nur spärlich besetzt seien, liegt in seinen Augen auch daran, dass man als Fahrgast „viel Zeit“ mitbringen müsse: „So kann man niemanden vom ÖPNV überzeugen.“

Gleichgültigkeit gegenüber Beschwerden

Was den Professor für Wirtschafts- und Sozialpsychologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg besonders fuchst, ist die scheinbare „Gleichgültigkeit, mit der mit der Situation umgegangen wird“. Er habe mehrfach gegenüber der Stadt sowie dem Busnetz-Betreiber DB Regio Mitte die Missstände angeführt, berichtet Moser. Gerade für seine körperlich beeinträchtigte Frau sei der Busverkehr wichtig, um von A nach B zu gelangen, jedoch nur schwer nutzbar. Die einzige Resonanz, die er auf seine Beschwerden hin erhalten habe, waren demnach belanglose „Dankesschreiben“. Darüber hinaus: „Null. Keine Veränderung. Ich habe das Gefühl, es passiert überhaupt nichts.“ Diese empfundene Egal-Haltung, sie treibt den Hochschullehrer auf die Palme. Sein Fazit: In der Domstadt werde zwar viel Geld in den Nahverkehr gesteckt, dessen Verwendung jedoch nicht ausreichend kontrolliert.

Die Stadt indes beurteilt auf Anfrage den Stadtbusverkehr „grundsätzlich als zuverlässig“. Gleichwohl seien der Verwaltung „vereinzelt Fälle bekannt geworden, in denen Fahrgäste Unregelmäßigkeiten festgestellt haben“. Tendenziell gebe es „eine Zunahme der Beschwerden“ hinsichtlich von „Umleitungen infolge von Baumaßnahmen, Personalfragen, Fahrgastinformationen, Fahrplanaushängen, Barrierefreiheit, Abfahrtszeiten, Schülerbeförderung sowie Lärmbelästigungen durch Motorengeräusche“, teilt die Stadt mit. Seit Jahresbeginn wurden 50 solcher „Kundenanliegen“ registriert.

Bei Qualitätsmängeln drohen Strafen

Das bestehende Linienkonzept werde fortlaufend überprüft und bewertet, betont die Stadt. Für das Qualitätsmanagement sei der VRN zuständig, Rechte und Pflichten im Zusammenhang mit dem Stadtbusverkehr seien vertraglich geregelt. Würden „Unregelmäßigkeiten“ festgestellt, „wird in einem kooperativen Verfahren zwischen dem betroffenen Verkehrsunternehmen, dem Aufgabenträger und dem VRN der Sachverhalt geprüft und Maßnahmen zur Sicherstellung der zuverlässigen Linienbedienung abgestimmt“, schildert die Stadt das Prozedere. Im Bedarfsfall könne der VRN Vertragsstrafen verhängen. Sollte die Qualität „dauerhaft unter den vertraglich vereinbarten Standards liegen“, könnten auch „weitere wirtschaftliche Sanktionen zur Wiederherstellung der geforderten Betriebsqualität eingeleitet werden“. Ob damit gemeint ist, dass ein Betreiber seinen Auftrag verlieren kann, lässt die Stadt offen.

Die Deutsche Bahn als Mutter von DB Regio Mitte gibt sich aufgeschlossen: Zwar erreichten monatlich „weniger als zehn Beschwerden“ den Buslinienbetreiber, und das bei mehr als „1800 Fahrten im Linienbündel Speyer pro Werktag“. Doch würden alle Beschwerden „sehr ernst genommen“, versichert eine Sprecherin der Bahntochter: „Wir prüfen jede einzelne Meldung und setzen Verbesserungen um, wo möglich.“

Auch ein Busbetreiber hat’s nicht leicht

Sie bittet um Verständnis für die alltäglichen Hemmnisse, mit denen ein ÖPNV-Anbieter zu kämpfen habe. So seien in Speyer in den zurückliegenden Wochen vereinzelt Straßen „kurzfristig“ gesperrt worden. Zudem komme immer wieder zu Störungen des Straßenverkehrs wie beispielsweise Unfälle. Man versuche, die Fahrgäste „schnellstmöglich zu informieren“, auch über die digitalen Angebote.

Werde eine Strecke gesperrt oder geändert wie zuletzt durch die Baustelle in der Franz-Kirrmeier-Straße, die an Mosers Wahlheimat vorbeiführt, würden an den Haltestellen Hinweise angebracht. „Diese werden allerdings vermehrt abgerissen, beschmiert oder angebrannt“, so die Bahnsprecherin. Und was die Sprachkenntnisse des Fahrpersonals angehe: „Wie in vielen Branchen herrscht auch bei unseren Busfahrern ein Fachkräftemangel.“ Womöglich ist DB Regio damit bei Moser genau an der richtigen Adresse. Ein Forschungsschwerpunkt des Wirtschaftspsychologen ist nämlich die Auswahl und die Beurteilung von Personal.

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