Speyer
Viadukt: So laufen die Arbeiten nach dem Rechtsstreit
Seit 2021 ist die 140 Jahre alte Brücke abgebaut. Die Sanierung der Stahlteile ist bei einem badischen Unternehmen in der letzten Phase. In Speyer sollen auf beiden Seiten der Bahnlinie die Widerlager der Brücke fertiggestellt sein, bevor der Steg an Ort und Stelle zurückkehrt. Mitarbeiter der Firma BWS (Heidelberg) sind in der zweiten Woche am Werk. Die alte Konstruktion an der Bahnhofstraße – nach Schätzung des städtischen Tiefbauchefs Florian Benner von Ende des 19. Jahrhunderts – ist seither teilweise abgebaut worden. Sowohl begrenzende Sandsteine als auch Füllmaterial dazwischen sind weg.
„Ein Teil der Steine muss ausgemustert werden“, berichtet Benner. Sie seien nicht mehr stabil genug, um in Zukunft ihre statischen Aufgaben zu erfüllen. Nun werden neue Stützmauern betoniert und im Anschluss außen mit Sandsteinen verkleidet. Die ergänzenden Blöcke bereite ein Steinmetz vor. Am Ende der rund 20 Meter langen Rampe zur Bahnlinie hin wurde am Dienstag eine Verschalung errichtet. Dort werde ein „massiver Betonklotz“ hineingegossen, der in Zukunft die Lasten aufnehmen solle, erklärt Benner. Das alles sei mit der Denkmalpflege abgestimmt, die das auch als „Schipka-Pass“ bezeichnete Viadukt vor einigen Jahren als schutzwürdig eingestuft hat.
Statische Anforderungen gestiegen
Die alte Konstruktion hätte nicht mehr ausgereicht: „Die Normen und Sicherheitsnachweise haben sich deutlich verändert in all den Jahrzehnten“, so der Abteilungsleiter. Das neue Geländer, das die Rampe hinauf zur eigentlichen Brücke säumen werde, hätte im Bestand nicht mehr sicher verankert werden können. Bis in die Sommerferien hinein werde nun auf beiden Seiten der Bahnlinie gearbeitet. Dann seien die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die Brücke Ende Oktober angeliefert und eingebaut werden kann. Sie werde aber wohl voraussichtlich erst im Verlauf des Novembers oder Anfang Dezember freigegeben, weil die letzten Einbauten vor Ort erfolgen müssten – nicht nur das Geländer, sondern auch der Berührungsschutz und Belagsbleche. Am Ende des 6,4-Millionen-Euro-Projekts sollten auch die ausgegrabenen Bäume des Guesthouse-Parkplatzes zurückkehren, die solange in der Stadtgärtnerei gepflegt würden.
Die städtischen Verantwortlichen hoffen, dass die Arbeiten jetzt ohne Unterbrechungen möglich sind, nachdem es in den Vorwochen eine juristische Auseinandersetzung gegeben hatte. Der Sockel der Brücke steht auf Privatgelände, das der Betreiber des angrenzenden Guesthouses nutzt. Dieser wendet sich ebenso wie seine Vermieterin gegen das Bauprojekt: Die Eigentümerseite hatte ein Betretungsverbot für die Stadt und deren Auftragnehmer ausgesprochen, aber eine städtische Duldungsverfügung erhalten, die in einem Eilverfahren vom Verwaltungsgericht bestätigt wurde.
Weiterer Widerspruch
Nach der Alter Güterbahnhof GbR habe inzwischen auch deren Mieterin Guesthouse GmbH Widerspruch gegen die Verfügung eingelegt, berichtet Stadtjuristin Hanna Bohlender. Sie ist aber überzeugt, auch im Fall weiterer Gerichtsverfahren gute Karten zu haben. Der Stadt müsse es erlaubt sein, das „unbewegliche Kulturdenkmal“ zu erhalten, so ein Argument der Richter. Bohlender geht davon aus, dass dies nicht nur für die Arbeiten am Widerlager, sondern an der ganzen Brücke gilt.