Speyer
Technik-Museum: Hoffnung auf neuen Publikumsmagneten
Vor 45 Jahren hat das Technik-Museum Sinsheim, damals noch Auto- und Technik-Museum genannt, seine Türen geöffnet. Zehn Jahre später, im Frühjahr 1991, hat das Technik-Museum in Speyer zwischen Festplatz und Verkehrslandeplatz sozusagen das Licht der Welt erblickt. Träger beider Einrichtungen ist der 1980 gegründete Verein Auto und Technik Museum Sinsheim, dem Hermann Layher seit 2013 als Präsident vorsteht. Ungefähr 1,2 Millionen Besucher zählen die beiden Museen inzwischen jährlich, wobei sich die Gäste ungefähr hälftig auf diese verteilen.
Künftig soll die Zusammengehörigkeit der beiden Häuser nach außen hin deutlicher kommuniziert werden. „Wir sind ein Verein mit zwei Museen an verschiedenen Standorten. Viele Leute verstehen nicht, dass der Verein beide Museen umfasst und dass wir zusammengehören. Das wollen wir in Zukunft besser herausstellen“, sagt Hermann Layher im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Das einheitliche Auftreten der beiden Häuser solle insbesondere bei Aktionen im Zusammenhang mit den Jubiläen – 45 Jahre Sinsheim und 35 Jahre Speyer – sichtbar werden. Offen ließ der Museumspräsident, um welche Aktionen es sich handeln wird.
„Wir sind kein Freizeitpark, sondern ein eingetragener Verein“, betont Layher. „Wir sind ein Verein, wie der Dombauverein Speyer auch. Das Geld bleibt im Verein, wir können es dann für künftige Aufgaben einsetzen. Das ist Freude pur.“ Die Trägerschaft der beiden Einrichtungen mit insgesamt rund 600 Mitarbeitern durch einen Verein sei seine „zweitgrößte Freude“. Der 70-Jährige gesteht: „Die größte Freude für mich als Präsident ist, dass sich das Museum ohne Zuschüsse selbst tragen kann.“
Förderverein wächst
Zum Erfolg der Museen trägt nicht zuletzt auch ein Förderverein bei, der in den vergangenen zehn Jahren von rund 3500 auf ungefähr 8000 Mitglieder angewachsen ist. „Wir wachsen weltweit. Bei uns kann man Dauermitglied werden. Das heißt, man zahlt einmal und ist dann Mitglied, so lange man lebt. Das nehmen gerade unsere ausländischen Mitglieder sehr gerne an“, sagt Layher.
Das Prinzip Dauermitgliedschaft habe er vor einigen Jahren dem Dombauverein empfohlen. „Ich habe gesagt: Wenn ihr die Dauermitgliedschaft einführt, dann werde ich erstes Dauermitglied“, blickt er zurück – und dazu kam es dann anno 2019. Der 70-Jährige fügt hinzu, dass er in beiden Dom-Organisationen engagiert sei: neben dem Dombauverein ist das die Stiftung zur Erhaltung des Kaiserdoms. „Das macht mir großen Spaß“, stellt er dazu fest.
„Ich habe in Speyer seit vielen Jahren meinen Zweitwohnsitz auf dem Museumsgelände. Ich werde also bald Steuern dafür zahlen“, sagt er und verweist auf die neue Zweitwohnungssteuer. „Ich bin oft vor Ort. Das ist wichtig, ansonsten bekommt man kein Gefühl. Wir werden in Speyer in nächster Zeit etliches investieren. Speziell die ,Liller Halle’ werden wir aufmöbeln. Der U-Boot-Transport war erfolgreich, deshalb haben wir da ein bisschen Luft. Wir freuen uns riesig darüber, dass wir investieren können.“ Das Ziel sei es dabei, „die Aufenthaltsdauer und das Besuchererlebnis zu steigern“.
Termin bei Airbus
Und gibt es Pläne für neue Großexponate? „Ja“, sagt der Museumspräsident. „Es werden gerade die ersten Airbus Beluga ausgemustert. Wir wissen das natürlich schon länger durch unsere Mitglieder. Der nächste Schritt ist, dass wir Anfang Mai zu Airbus nach Toulouse fliegen. Dann entscheiden wir, ob wir uns trauen, einen Beluga haben zu wollen. Dafür werden wir einen Termin mit den ganzen Experten haben“, sagt Layher.
Hintergrund: Der Flugzeugbauer Airbus hat ab 1992 fünf Frachtflugzeuge auf Basis des Airbus A300 gebaut, die mit ihrer Form an einen Belugawal erinnern und deshalb auch Beluga genannt werden. Inzwischen ist deren Nachfolger Beluga XL im Einsatz – und die ersten Beluga-Flugzeuge werden ausgemustert. Ein Airbus A300-600ST Beluga ist etwa 56 Meter lang, hat eine Flügelspannweite von knapp 45 Metern und ist gut 17 Meter hoch. Damit ist die Maschine nicht so viel kleiner als der Jumbo-Jet (Boeing 747-230) im Technik-Museum Speyer, der 70 Meter lang ist, eine Flügelspannweite von fast 60 Metern hat und gut 19 Meter hoch ist. Die auffälligen Flugzeuge sind an zivilen Flughäfen nicht häufig anzutreffen.
„Wir haben schon mehrere Mitglieder in dem Projekt involviert und sind auch mit Airbus in Kontakt, entschieden ist aber noch nichts“, sagt Layher zu einem möglichen Beluga-Zugang. „Es entscheidet sich erst in nächster Zeit, ob wir das überhaupt schaffen können in Speyer. Denn dort haben wir auf dem Gelände imaginäre No-go-Zonen, wegen der Einflugschneise für den Flugplatz, die relativ groß ist. Das müssen wir erst mal alles sichten und sacken lassen“, teilt er mit. So ist auch noch offen, ob ein Beluga dann auf dem Flugplatz in Speyer landen könnte – oder ob er auf dem Rhein hierher transportiert werden müsste – wie im Jahr 2002 der Jumbo-Jet.