Speyer
Taxifahrer in Speyer attackiert: „Er hatte Angst um sein Leben“
Shafqat Ali fährt seit mehr als fünf Jahren Taxi. Dabei ist noch nie etwas passiert. Deshalb fuhr er in der Nacht auf Samstag gegen 1 Uhr ins Speyerer Industriegebiet, als ein Kollege ihm eine Fahrt übertrug – und dachte sich nichts dabei. Dort wollten zwei Männer abgeholt werden. Aus einem alltäglichen Nachtdienst wurde für den Familienvater eine schockierende Erfahrung.
Zurück am Ort des Geschehens. Ali und Taxi-Unternehmer Saif Ullah („Taxi-4-You“) stehen an einem grauen Morgen an der Ecke von Lönneberga-Straße und Stockholmer Straße. Hier sollen am Wochenende die beiden Männer auf das Taxi gewartet haben. Einer habe auf dem Boden gesessen, erzählt Ali und deutet auf ein kleines Fleckchen Gras und Erde am Rand des Bürgersteigs. Dahinter ein Zaun. Der andere Mann sei auf das Taxi zugekommen: „Er wollte Hilfe.“ Sein Freund sei sehr betrunken, sie müssten ihm ins Auto helfen. Beide Männer trugen laut Ali Kapuzen, die sie ins Gesicht gezogen hatten. Trotzdem kamen sie ihm nicht verdächtig vor: Er hielt sie für harmlose Kunden eines nahen Bordells.
Familie nach Attacke auf Taxifahrer unter Schock
Als Ali dem vermeintlich hilfebedürftigen Mann aufhelfen wollte, sei der plötzlich aufgestanden. „Er war gar nicht betrunken“, erzählt der 55-Jährige. Der Mann – jung und groß – habe nach seinem Kopf geschlagen. Ali hebt die Arme vor den Kopf: „So habe ich mich geschützt.“ Er sei zu Boden gestürzt und beide Männer hätten ihn getreten und mit den Fäusten geschlagen. Wieder und wieder. „Er hatte Angst um sein Leben“, sagt Ullah, der immer wieder auf Arabisch nachhakt. Schließlich seien die Täter entlang der Stockholmer Straße weggerannt.
Meine Frau weiß nicht, ob ich gesund zurückkomme.
„Er war kurz bewusstlos“, erzählt Ullah, während Ali sich unbehaglich umsieht. Danach habe er die Polizei gerufen. Nach fünf Stunden im Krankenhaus konnte der 55-Jährige nach Hause. Er hat nach eigenen Angaben eine Verletzung an der Schulter und ist krankgeschrieben. Seine Familie sei seitdem sehr unruhig. „Die haben Angst“, erzählt Ullah. Alis Frau ist krank, die drei Kinder gehen noch zur Schule und werden abends vom Vater bekocht. Jetzt möchten sie, dass er keine Nachtdienste mehr fährt. Am besten gar kein Taxi mehr. „Meine Frau weiß nicht, ob ich gesund zurückkomme“, sagt Ali.
Fahrten in der Pfalz meist „ohne Stress“
Auch Ullah und die anderen Kollegen fühlen sich seit dem Vorfall unsicher. Sie erinnern sich, so der Taxi-Unternehmer, an den Tod eines Zugbegleiters aus Ludwigshafen. Vor rund zwei Wochen fuhr Serkan C. als Zugbegleiter in einer Regionalbahn und wurde von einem Schwarzfahrer durch Schläge so stark verletzt, dass er in einer Klinik in Homburg starb. Die Taxifahrer denken mit Angst an diese Tat. „Er ist durch einen Faustschlag gestorben“, sagt Ullah. Ali sei es nur durch Glück nicht ähnlich ergangen.
Dabei sind die Taxifahrer einiges gewöhnt. „Es gibt in der Pfalz viele Weinfeste, da fahren die Fahrer ohne Stress hin“, erzählt Ullah. Der Umgang mit betrunkenen Fahrgästen sei für sie normal – auch wenn sich diese manchmal gegen die Bezahlung wehrten. Aber so etwas wie Ali sei noch keinem aus dem Team passiert. „Ich passe eigentlich immer auf“, sagt Ali kopfschüttelnd.
Verdächtiger Anruf
Im Nachhinein hätte ihnen eines verdächtig vorkommen müssen, so Ullah: Die Fahrt wurde bei einem anderen Kollegen über sein privates Telefon bestellt. Da er keinen Dienst hatte, habe er Shafqat Ali gebeten, die Fahrt zu übernehmen. Ali und Ullah verstehen nicht, was die Täter motiviert hat. „Sie haben nichts geklaut“, erzählt Ali. „Wir haben mit niemandem Krach“, ergänzt Ullah. Gekannt habe Ali die beiden Angreifer nicht. Nach der Bitte um Hilfe hätten sie nichts mehr gesagt.
Die Polizei ermittelt aktuell gegen unbekannt, teilt ein Sprecher auf Anfrage mit. Um die Ermittlungen nicht zu gefährden, möchte er nicht mehr dazu sagen. Die beiden Taxifahrer versuchen derweil, an Überwachungsvideos aus der Umgebung zu kommen. Sie sind überzeugt: „Das war geplant.“