Römerberg
Sunseebar: Entscheidung über Freisitz und Kritik an Internet-Kommentaren
Vor einigen Wochen war noch unklar, ob die Sunseebar am Mechtersheimer Badesee dieses Jahr überhaupt öffnen darf, weil ihr wegen Umbauten, die in den vergangenen Jahren vorgenommen worden waren, die Genehmigung für den Betrieb versagt wurde. Doch nach Verhandlungen zwischen den aktuellen Pächtern und der Verwaltung standen die Zeichen auf Entspannung, und das Kiosk konnte Mitte Mai öffnen. Ein großer Wermutstropfen blieb: Der Freisitz musste geschlossen bleiben, weil es für diesen einen Bebauungsplan braucht. Die Pächter hatten sich bislang geweigert, den dafür nötigen fünfstelligen Betrag zu zahlen. Vor wenigen Tagen verkündete die Verwaltung einen Kompromiss: Die Verbandsgemeinde als Verpächter geht in Vorleistung und will die Kosten in den kommenden Jahren über die Pacht wieder einnehmen. Nun dauert es erfahrungsgemäß viele Monate, bis ein Bebauungsplan steht. Doch die Kreisverwaltung hatte zugestimmt, einen verkleinerten Außenbereich zu erlauben, sobald die Aufstellung eines Bebauungsplans beschlossen ist.
Um genau das zu tun, hat sich der Römerberger Ortsgemeinderat am Dienstagabend eigens zu einer Sondersitzung getroffen. Wie Bauamtsleiter Andreas Lochbaum erklärte, könne bei Zustimmung des Rats die Gaststättenkonzession idealerweise bereits am Folgetag erweitert werden, sodass der Freisitz bei gutem Wetter über das Fronleichnamswochenende geöffnet werden könnte.
Lob für die Verwaltung
Vor der Abstimmung zeichnete Ortsbürgermeister Matthias Hoffmann (Grüne) noch einmal nach, wie es zu dem aktuellen Problem kommen konnte. Nach dem Ende des Kiesabbaus sei der Wunsch nach einem Schwimmbereich mit einem Kiosk entstanden. Damals sei festgelegt worden, dass auf einer Fläche von 20 mal 20 Metern um das Kiosk Bewirtschaftung stattfinden kann. Im Laufe der Jahre sei das Kiosk aber baulich gewachsen und habe die ursprünglich vorgesehene Fläche vereinnahmt. Das Gelände, das zuletzt für den Freisitz genutzt wurde, gilt als Außenbereich, in dem ein solcher nicht erlaubt ist. Die Erweiterungen liegen zwar schon länger zurück, die Verwaltung hat das Problem aber erst im vergangenen Jahr festgestellt. Für 2025 bekamen die aktuellen Pächter noch eine Ausnahmegenehmigung, allerdings mit der Auflage, bis zur neuen Saison alles Notwendige in die Wege zu leiten.
„Ein Bebauungsplan ist das Mittel, um Rechtskraft für die erweiterte Fläche herzustellen“, sagte Hoffmann. Alle Seiten hätten sich sehr bemüht, dass die Sunseebar in dieser Saison geöffnet werden kann. Auch die Fraktionen sparten nicht mit warmen Worten: „Ein ganz großes Lob an die Verwaltung für die Ausarbeitung der Lösung, die auf dem Tisch liegt“, sagte Andreas Ruhnke (CDU). Herbert Martin Kälberer (SPD) schloss sich dem ebenso wie Jürgen Schall (Grüne) an, nutzte die Gelegenheit aber auch für Kritik an dem, was in sozialen Netzwerken zum Teil in Richtung Verwaltung geäußert wurde: „Befremdlich“ und teilweise „unterirdisch“ seien die Einlassungen dort gewesen. „Die Verwaltung hat überall Brücken gebaut. Sie kann nicht in einer Woche korrigieren, was der Pächter in einem Jahr versäumt hat“, sagte Kälberer. Mit der Kritik am Pächter war er damit noch nicht am Ende: Dass ein Familienmitglied des Betreibers als stellvertretender Versammlungsleiter bei der Demo an der Sunseebar mitwirkte, die der Mechtersheimer Erich Miller am Vatertag organisiert hatte, ist für das SPD-Ratsmitglied kein guter Stil. Auf die Demonstration, bei der Miller auch eine „Bürgerinitiative gegen Behördenwillkür gegenüber Gastronomen und Vereinen“ gründen wollte, ging auch der Bürgermeister ein: Für solche Kritik sah er angesichts der gefundenen Lösung keine Grundlage. „Hier ist keine Willkür im Spiel“, sagte Hoffmann.
Wer zahlt die Zeche?
Eine andere Sorge beschäftigte Jochen Becker (FDP): „Was gibt uns die Sicherheit, dass das Geld zurückkommt?“, wollte er mit Blick auf die Kosten für den Bebauungsplan wissen. Diese belaufen sich laut Bürgermeister voraussichtlich auf einen fünfstelligen Betrag, zumal auch ein Gutachten nach Natura-2000-Richtlinien benötigt wird. Die Pacht werde dafür erhöht, so dass die Verbandsgemeinde die Ausgaben für den Bebauungsplan in rund zehn Jahren wieder eingenommen haben werde. Das funktioniert allerdings nur, wenn es auch über den kompletten Zeitraum einen Pächter gibt. „Bisher war die Nachfrage nach dem Gebäude relativ hoch“, sagte Hoffmann. Er ist zuversichtlich, dass die Zusammenarbeit mit dem jetzigen Pächter funktioniert. Dieser habe wie gefordert die Bühne abgebaut, es habe keine abendlichen Feuerwerke mehr gegeben, und er lasse alle Strandbesucher die Sanitäranlagen benutzen.
Der Gemeinderat stimmte der Aufstellung des Bebauungsplans einstimmig zu. Das Ludwigshafener Planungsbüro Piske wird damit beauftragt. „Das Signal des Gemeinderats ist: Wir sind froh, dass wir die Sunseebar haben“, sagte Hoffmann.