Speyer
Speyerer Traditionsgeschäft: Blumenhaus Burkard überlebt dank neuem Konzept
Im Blumenhaus von Guido und Anja Burkard in der Landwehrstraße laufen Umbauarbeiten. Aus dem bisherigen Laden wird eine Wohnung. Die Inhaber haben Luftballons und neue Banner aufgehängt, um zu signalisieren: Der Verkauf geht seit Mitte Januar auf dem Hof hinter dem Gebäude weiter, wenn auch für Schnittblumen in reduziertem Umfang und am liebsten auf Bestellung. „Es läuft besser als erwartet“, sagen die Burkards. Dennoch sei die Laufkundschaft trotz der Lage am Friedhofszugang begrenzt. Sie werde sich aber im Frühjahr wieder steigern, sind sie überzeugt. Zudem wollen sie falsche Gerüchte zerstreuen, sie hätten ganz geschlossen.
Nach 46 Jahren das Ladengeschäft aufzugeben, sei eine schwere Entscheidung, aber wegen der Veränderungen in der Branche unumgänglich gewesen. „Viele Blumengeschäfte haben das schon so gemacht“, betont Anja Burkard. „Ich mache mir Sorgen, dass es irgendwann gar keine Blumenläden mehr gibt.“ Geschäftsinhaber müssten sich oft neu positionieren, um zu überleben. Es kämen mehrere Herausforderungen zusammen: Schnittblumen würden – wenn überhaupt – oft in Supermärkten gekauft, beim Thema Bodendecker gebe es „Beratungsklau“ und Abwanderung zum Gartenmarkt, Aufträge für Grabgebinde gingen wegen Änderungen in der Friedhofskultur zurück und Brautsträuße würden als „Do-it-yourself“-Set im Internet bestellt, obwohl es sie bei den Burkards günstiger und frischer gebe.
Lange Tradition
Das 1980 von Guido Burkards Vater gegründete Geschäft hat sich breiter aufgestellt und beim Personal verschlankt. Mit nun fünf statt zuvor zehn Mitarbeitern seien die Zukunftsaussichten gut, glauben die Inhaber. Sehr gut entwickele sich zum Beispiel der 2017 dazugenommene Bereich Gartenpflege. „Vor allem seit der Pandemie ist das viel geworden“, sagt Anja Burkard. „Ältere Kunden fahren nicht mehr so oft in Urlaub und machen es sich zu Hause schön.“ Hier gebe es mit Landschaftsgärtnern und Hausmeisterdiensten Konkurrenz, die aber fachlich oft nicht mit dem 60-jährigen Gärtnermeister und seinem Team mithalten könne: „Die beschneiden alles und jederzeit, auch Forsythien und Winterjasmin“, sagt Guido Burkard und schüttelt den Kopf.
Das Blumenhaus ist deshalb froh, auf viele treue Geschäftskunden zählen zu können. Auch wenn die Inhaber nach der Schließung des Ladengeschäfts häufig erst aufklären mussten, dass ihre Angebote erhalten bleiben, betreuten sie im Gartenbereich viele Hausverwaltungen und mit Blumen und Gestecken etwa Kranken- und Autohäuser. Für den Altarbereich im Dom hat Guido Burkard kürzlich imposante Kreationen ausgeliefert und am selben Tag die Weihnachtsbäume abgebaut, die aus seiner eigenen Baumschule kamen. „Der Weihnachtsbaumverkauf hat uns über den Dezember gerettet“, sagt seine Gattin und erwähnt, dass im Gegenzug handwerkliche Adventskränze kaum noch nachgefragt seien.
Friedhofskultur wandelt sich
Bliebe noch die Friedhofsgärtnerei. Die sei über die Jahre immer größer geworden neben dem anfangs klar dominierenden Ladengeschäft und sei mal zweites, mal drittes Standbein gewesen. Mit 650 Pflegegräbern sind die Burkards stark im Geschäft, spüren inzwischen aber Rückgänge wegen des Wandels in der Friedhofskultur. Für viele neue Bestattungsformen sei kaum noch frisches Grün erwünscht. Das Budget vieler Familien dafür sei geschrumpft. Dennoch bleibe hier ein Schwerpunkt des Unternehmens. Die Burkards sind auch weiterhin am umgestalteten Grab von Bundeskanzler Helmut Kohl tätig. Dass die Stadt kürzlich auf dem Friedhof neue „Ehrengräber“ ausgewiesen hat, die sie selbst pflegt, habe das Unternehmen hingegen einen langjährigen Auftrag gekostet.
Sie seien optimistisch, das Geschäft zu stabilisieren, sagen die Burkards. Ihr flexibler Bestellungsservice, ihre Lage am Friedhofszugang oder auch ihre Vernetzung in vielen Speyerer Vereinen seien tragfähig. Gleichwohl müsse man mit den Veränderungen zurechtkommen – und das sei durchaus mit Wehmut verbunden. „Ich habe mit 15 im Laden angefangen“, sagt die heute 51-jährige Anja Burkard. „Und mein Mann hat das alles schon als Teenager von Tag eins mit aufgebaut.“