Speyer
Friedhof: Neue Ehrengräber geplant
Ehrengräber können „aus besonderem Anlass von der Stadt Speyer auf Zeit und Dauer angelegt und gepflegt werden“. So steht es in der städtischen Friedhofssatzung. Von dieser Möglichkeit wurde in der fast 150-jährigen Geschichte des Friedhofs schon vielfach Gebrauch gemacht: Zu den aktuell 221 Ehrengräbern sollen auf Vorschlag der Friedhofsverwaltung drei weitere hinzukommen. Dafür müssen der Friedhofsausschuss in seiner Sitzung am Dienstag, 30. September (17 Uhr, Stadtratssitzungssaal), und der Stadtrat am 9. Oktober zustimmen.
Zum einen geht es um das Grab von Feldhüter Philipp Becker. „Er war keine historisch bedeutende Persönlichkeit, jedoch wurde er in Ausübung seiner Pflicht für die Stadt Speyer 1912 ermordet“, lautet die Begründung. Becker habe zwei Männer aus Berghausen beim Diebstahl von Rüben auf der Speyerer Gemarkung Vogelsang ertappt. „Die bereits Vorbestraften erschossen den 38-jährigen Vater dreier Kinder daraufhin kaltblütig.“ Sein Grabstein soll nun in städtische Verantwortung übergehen. Er bliebe laut Vorschlag an Ort und Stelle, solange seine Standsicherheit gewährleistet ist. Danach würde er an einen Platz für historische Grabmäler auf dem Friedhof umgesetzt.
Ehre für Schmetterlingsforscher?
Anders gelagert ist der Fall von Heinrich Disqué. Der Speyerer lebte von 1843 bis 1919 und ging laut Stadt als berühmter Schmetterlingsforscher und Fachbuchautor in die Geschichte ein. Seine Schmetterlingssammlungen, die sich größtenteils in der Zoologischen Bayerischen Staatssammlung in München befinden, seien 1929 in zwei Fachgutachten als „einzig in der Welt“ beurteilt worden. Bedeutend für die Stadtgeschichte sei Disqué auch durch familiäre Bezüge. Sein Grabstein sei zwar nichts Besonderes, solle aber wegen der „Person und deren Errungenschaften“ erhalten werden. Davor würde Schmetterlingsflor ausgesät – „eine Lösung, die dem Forscher sicherlich zugesagt hätte“, wie die Stadt meint.
Bei der Grabstätte des Ehepaars Fritz und Ilse Barbig kämen regionale Bedeutung der Verstorbenen und künstlerischer Wert der Grabplatte zusammen. Fritz Barbig war Lehrer am Gymnasium am Kaiserdom, Dichter und Heimatforscher, Ilse Barbig eine angesehene Malerin. Ihre Ruhestätte wurde vom bekannten Speyerer Bildhauer Franz Müller-Steinfurth gestaltet. Sie bildet das Wirken des Ehepaares mit einer Eule und einem Buch sowie einer Malpalette mit Pinseln symbolisch ab. Die Barbigs haben testamentarisch verfügt, dass die Grabplatte in den Besitz der Stadt übergehen soll.
Rechte und Pflichten für Stadt
Vor einer Beschlussfassung über Ehrengräber werden laut Stadt die Friedhofsverwaltung und das Stadtarchiv einbezogen. Wird wegen der Qualität der Grabstätte oder der Verdienste der Verstorbenen für ein Ehrengrab votiert, geht dieses nach Ablauf der Ruhezeiten an die Stadt über, die sich fortan um Pflege und Instandhaltung kümmert. Sie übernehme auch die Sicherungspflichten von den Angehörigen, die im Gegenzug sämtliche Rechte abtreten. Im Grab dürfen dann auch keine weiteren Bestattungen mehr vorgenommen werden.