Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Speyerer CDU feiert sich für acht Jahrzehnte mit Höhen und Tiefen

Anstoßen auf das Jubiläum: Speyers CDU feiert bei Black-Stork.
Anstoßen auf das Jubiläum: Speyers CDU feiert bei Black-Stork.

Der Sonntag brachte für die CDU ein starkes Ergebnis bei der Landtagswahl, aber gefeiert haben die Speyerer Christdemokraten schon am Abend zuvor – ihren 80. Geburtstag.

Nein, eigentlich habe der Termin der Feier bei „Black Stork“ im Industriehof nichts mit dem der Landtagswahl zu tun, sagte Sylvia Holzhäuser, die seit 2022 den Kreisverband der CDU führt: „Die Gründung war tatsächlich am 21. März 1946.“ Rund ein Dreivierteljahr nach Etablierung der Partei im vom Krieg zerstörten Deutschland schlossen sich die ersten Speyerer Christdemokraten im „Bräustübl“ in der Oberen Langgasse zusammen.

„Ich stelle mir das gerne vor: keine Mikrofone. Keine Powerpoint. Kein Instagram- oder Facebook-Account. Aber dafür: Haltung, Überzeugung und der Wille, Demokratie aufzubauen“, so Holzhäuser in ihrer Ansprache zum Jubiläum. Zum ersten Vorsitzenden wurde Bertram Hartard gewählt – später Bürgermeister und Landtagsabgeordneter. Der gelernte Schneider hatte früher der Bayerischen Volkspartei angehört und war als Domschweizer tätig.

Große Namen

Holzhäuser erinnerte auch an viele weitere Namen, die die Speyerer CDU groß gemacht hätten: Stefan Scherpf, Hans Bügler, Otto Roller, Hans-Henning Grünwald, Bernhard Wimmer, Hanspeter Brohm, Werner Schineller, Hansjörg Eger – und dann die erste Frau, Monika Kabs, von 2010 bis 2026 hauptamtliche Bürgermeisterin, „eine echte Wegbereiterin“. Als Fraktionsvorsitzender habe Gottfried Jung große Fußstapfen hinterlassen, auf Landesebene prägten Eduard Orth, Georg Gölter, Axel Wilke, Bernhard Vogel und Michael Wagner.

Die CDU habe es in den acht Jahrzehnten stets geschafft, „eine starke Stimme in dieser Stadt“ zu bleiben, so die Vorsitzende. Sie lebe von Menschen, die anpacken. „Und von denen, die nachts oder an Wochenenden noch losziehen, um Plakate zu retten, weil der Wind stärker war als die Kabelbinder.“ Das habe auch der aktuelle Landtagswahlkampf wieder bewiesen. Rund 225 Mitglieder zähle heute der Kreisverband, zu dem auch eine Junge Union, eine Senioren-Union, eine Frauen-Union, eine Wirtschaftsvereinigung eine Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft gehören. Der Mitgliederstand ist dabei nach dem Aufwärtstrend der Gründungsjahre um einiges von den Rekordwerten entfernt – ein Schicksal, das die CDU mit weiteren Parteien teilt.

Jubel über 49 Prozent

Auch die Wahlergebnisse reichen nicht mehr an frühe Rekorde heran. Noch 1946 fand die erste Kommunalwahl statt, bei der die CDU 49 Prozent der Stimmen holte. Mit Paul Schäfer stellte sie den Oberbürgermeister. Schon bei der Kommunalwahl 1948 verlor sie jedoch ihre Position als stärkste Fraktion. 1949 gelangte der Sozialdemokrat Paulus Skopp in das Amt des Oberbürgermeisters, dem von 1969 bis 1995 mit Christian Roßkopf erneut ein Genosse folgte, bevor mit Schineller und Eger die CDU wieder für 24 Jahre ans Ruder im Rathaus kam.

„49 Prozent! Das war kein Achtungserfolg. Das war ein politischer Paukenschlag und ein Ergebnis, das man sich heute wünschen würde“, kommentierte Holzhäuser, bevor sich die Gäste wieder den deutlich geringprozentigeren Gerstensäften aus dem Hause Black-Stork zuwandten.

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