Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Sparkassen-Quartier: „Baggerbiss“ im Juni geplant

Der Bauherr: Sparkassen-Chef Thomas Traue vor dem Gebäude, das in den kommenden Monaten teilweise abgerissen wird.
Der Bauherr: Sparkassen-Chef Thomas Traue vor dem Gebäude, das in den kommenden Monaten teilweise abgerissen wird.

Die Absperrung steht, erste Arbeiten laufen. Am Willy-Brandt-Platz entsteht bis zur zweiten Jahreshälfte 2027 das Sparkassen-Quartier. Wie ist der aktuelle Stand?

Die ersten Schritte

Vorvergangene Woche wurde der Bereich um die bisherige Hauptstelle der Sparkasse Vorderpfalz inklusive Parkhaus und Augustinergasse abgesperrt. Es folgten die Fällung von drei Bäumen sowie weitere Rückschnitte. Vorige Woche verließen die letzten Mitarbeiter das 1980er-Jahre-Gebäude, das in der Vergangenheit mehrere 100 Sparkassen-Mitarbeiter beheimatet hatte: Sie zogen in die Ausweichfiliale in der Postgalerie um. Es folgte eine Kampfmittel-Sondierung, deren Ergebnisse noch nicht vorliegen. Zuletzt wurden die Absperrungen zu den umgebenden Straßen Hagedornsgasse, Wormser und Armbruststraße hin erweitert. Ausnahme: Auf der Freifläche vor dem Sparkassen-Gebäude und dem Amtsgericht kann noch geparkt und eine Öffnung im Zaun durchquert werden, um zum Ticketautomaten zu gelangen. „Die Parkplätze bleiben noch einige Wochen erhalten, solange es die Abläufe auf der Baustelle zulassen“, erklärt Thomas Traue, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse.

Architektenzeichnung: So soll das Sparkassen-Quartier nach der Fertigstellung im Jahr 2027 aussehen.
Architektenzeichnung: So soll das Sparkassen-Quartier nach der Fertigstellung im Jahr 2027 aussehen.

Die archäologischen Arbeiten

Seit Montag laufen archäologische Untersuchungen auf dem Baugelände. Zwei Mitarbeiter der Speyerer Landesarchäologie sind dafür bis zu zwei Wochen vor Ort. Hintergrund: Die Innenstadt ist ein Grabungsschutzgebiet, in dem bei Eingriffen in den Boden historische Befunde zu erwarten sind. Für eine erste Analyse wurden sieben sogenannte Sondierungsschnitte gemacht: Auf diesen Teilen des bisherigen Parkplatzes ging es meist 60, 70 Zentimeter in die Tiefe, an künftigen Baum-Standorten auch noch weiter. „Über diese Voruntersuchung erhalten wir ein besseres Bild“, erläutert Matthias Hahn, Gebietsreferent bei der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE). Weil es sich um eine Freifläche handelt, auf der keine größeren Änderungen im Untergrund geplant sind, muss zunächst nicht tiefer gegraben werden. So sind laut Hahn allenfalls Funde aus der früheren Neuzeit zu erwarten, während tiefere Schichten aus dem Mittelalter und aus der römischen Zeit unberührt blieben. Je nach Ergebnis werde über die richtige Form des Bewahrens und bei Bedarf weitergehende Untersuchungen entschieden, sagt Hahn.

Archäologen am Werk: Sondierung zur Armbruststraße hin.
Archäologen am Werk: Sondierung zur Armbruststraße hin.

Die weitere Planung

Die bisherige Hauptstelle wird in Teilen abgerissen und weitgehend innerhalb des heutigen Grundrisses zu einem modernen Gebäudekomplex umgebaut, der neben der neuen Filiale der Sparkasse mehrere Gewerbeeinheiten und 24 Mietwohnungen enthält. Die Planung ist in einem Wettbewerbsverfahren entstanden. Geschätzte Kosten: 40 Millionen Euro. Vorstandschef Traue hofft auf eine Baugenehmigung in den kommenden Wochen, sodass im Mai die Baustelle komplett eingerichtet und im Juni mit einem symbolischen „Baggerbiss“ der Rückbau beginnen kann. Dieser wird sich über Monate hinziehen, da mit Bedacht vorgegangen werden muss: „Es wird versucht, so viel wie möglich stehen zu lassen“, erklärt Traue. Der Rohbau, der Innenausbau und in der letzten Phase auch die Neugestaltung des Außengeländes auf 8700 Quadratmetern – unter anderem mit 33 neuen Bäumen – schließen sich bis 2027 an. Der genaue Bauzeitenplan wird laut Sparkasse festgelegt, wenn der Generalunternehmer feststeht. Die Vermarktung der künftigen Mieteinheiten werde mit Fertigstellung des Rohbaus, wohl Mitte 2026 beginnen, für Gewerbe etwas früher als für Wohnen, um gegebenenfalls noch Wünsche berücksichtigen zu können.

Der Ablauf vor Ort

Noch im Februar will die Sparkasse die Anwohner darüber informieren, was in der Bauphase auf das Quartier zukommt. Direkte Nachbarn würden wegen des vorgesehenen Beweissicherungsverfahren angeschrieben. Bei diesem werden vorhandene Schäden an den Grundstücken dokumentiert. Es könne natürlich auch mal laut werden in den kommenden Monaten, so Traue, aber die Lärm- solle wie die Staubentwicklung bestmöglich begrenzt werden. Er rechnet mit einigem Baustellenverkehr vor allem zur Armbruststraße hin. Baucontainer würden am Rand des Areals aufgestellt. Die Sparkasse wolle ein gut ansprechbarer Bauherr sein und hoffe auf Verständnis der Nachbarn. Ihr wichtigstes Argument sei dabei die geplante Aufwertung. Traue: „Hinterher wird es hier viel schöner sein. Wir haben uns auch Stadtreparatur auf die Fahnen geschrieben.“ Der 1980er-Jahre-Bau passe kaum in den historischen Bestand.

Die ersten Auffälligkeiten

Die für die komplette Bauzeit geplanten Absperrungen werden noch nicht in Gänze akzeptiert. Immer wieder werden Zäune zur Seite geschoben, damit Passanten zu Fuß und auch mit Fahrrädern ihre gewohnten Wege über das Sparkassen-Gelände beibehalten können. Auch beim Ortstermin am Dienstag herrscht ständiges Kommen und Gehen. Das sei aber nicht erlaubt, so Traue. „Wir mussten sicherheitsbedingt schon jetzt absperren“, verweist er auf etliche Löcher im Boden. Es würden zusätzliche Sperren ergänzt. Kein Verständnis dafür haben Nachbarn wie Margarita Zellmann: „Das betrifft die ganze Altstadt“, teilt sie der Redaktion mit. Sie sei für Termine und Erledigungen auf den Weg über das Gelände angewiesen, große Umwege seien für sie problematisch. „Da fahren doch nicht den ganzen Tag Baumaschinen. Ein kleiner Fußgängerweg zur Wormser Straße müsste offen gelassen werden“, so die Forderung der Anwohnerin, auf die die Sparkassen-Zuständigen nach eigener Aussage nicht eingehen können.

Abgesperrtes Gelände: Passanten schieben teils Zäune weg.
Abgesperrtes Gelände: Passanten schieben teils Zäune weg.

Das Ausweichquartier

Mitarbeiter aus zentralen Bereichen der Sparkasse sind schon vor zwei Jahren aus Speyer nach Ludwigshafen umgezogen. Die 27 Mitarbeiter der Geschäftsstelle samt Gewerbekunden-Berater sind seit dieser Woche in der Postgalerie tätig. Dort hat sich die Sparkasse für eine sechsstellige Summe in einer früheren Einzelhandelseinheit eingerichtet – mit Schalterraum, Sozialbereichen und fünf abgetrennten Beratungszimmern. Vorstandschef Traue erkennt darin eine moderne Anlaufstelle für die mehr als 10.000 Kunden in Speyer. „Auch die Mitarbeiter freuen sich.“ Die ersten Erfahrungen seien positiv. Die Frequenz in der Postgalerie ist sichtbar erhöht. Nicht umgezogen sind die große Schließfach- und die Tresoranlage vom Willy-Brandt-Platz. Diese würden im Zug des Bauprojekts modernisiert und später wieder genutzt, erklärt der Sparkassen-Chef. Schließfach-Kunden würden bisweilen Ausweichquartiere angeboten. Einrichtungs- und Kunstgegenstände aus der Hauptstelle seien andernorts eingelagert worden.

Löchrig: früheres Parkplatz-Gelände zur Hagedornsgasse hin.
Löchrig: früheres Parkplatz-Gelände zur Hagedornsgasse hin.
Postgalerie: Volker Mindl leitet die neue Filiale.
Postgalerie: Volker Mindl leitet die neue Filiale.
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