Fragen und Antworten RHEINPFALZ Plus Artikel So soll die neue Energiegenossenschaft funktionieren

Photovoltaik: Freiflächenanlage – hier im Hunsrück.
Photovoltaik: Freiflächenanlage – hier im Hunsrück.

Was ist geplant?

Eine Initiativgruppe will noch im März in Speyer die „Bürgerenergiegenossenschaft (BEG) Vorderpfalz“ gründen. Sie will in Speyer und Umland erneuerbare Energieprojekte stemmen und Bürger „an der Energiewende teilhaben lassen“, wie der Verein Inspeyered erklärt, der Anschubhilfe leistet. Gemeinsam sollen Photovoltaik-, Wind- und Wasserstoffanlagen, Ladeinfrastrukturen und Wärmeversorgungsprojekte geplant und umgesetzt werden. Dazu sollen Informationsangebote kommen. Bürger sollten „auf dem Weg der Energiewende und des Klimaschutzes mitgenommen werden“, so eines der Ziele von Initiator Nicolas Schweigert. Der 34-jährige Römerberger hat schon das Stadtwerke-Speyer-Projekt für Windräder in seiner Heimatgemeinde angestoßen. Für die BEG engagiere er sich ehrenamtlich, erklärt der im Hauptberuf als Klimaschutzmanager für die Bayer AG tätige Aktive.

Gibt es schon konkrete Projekte?

Bisher sind es nur Ideen, denn erst muss laut Schweigert die BEG gegründet werden und Geld der Genossen einsammeln. Investiert werde dieses, sobald es für ein Vorhaben ausreicht. Schweigert berichtet von mehreren Projektinteressenten. Photovoltaik könnte zum Auftakt auf einer Freifläche zwischen Speyer und Römerberg entstehen. Auch die Dächer einer Schule, einer Kita und eines Museums stünden schon auf der Ideenliste. Ein Landwirt liebäugele mit vertikalen Solarmodulen der BEG auf einer seiner Ackerflächen. Denkbar seien auch Mini-Kraftwerke zum Beispiel auf Balkonen. Dem Genossenschaftsgedanke entspreche die Offenheit für weitere Vorschläge. Die Initiativgruppe: „Wenn du eine Idee hast, kontaktiere uns. Wir evaluieren gemeinsam, wie wir was umsetzen können.“

Wie wird das organisiert?

Schweigert hat ein Kernteam von acht Personen und insgesamt rund 35 Aktive um sich geschart, die bereits einen Satzungsentwurf für die Speyerer BEG erarbeitet haben. Bis zur Gründungsversammlung, die noch nicht genau terminiert ist, soll diese vom Genossenschaftsverband geprüft werden. Initiator Nicolas Schweigert sagt, ihm schwebe ein zweiköpfiger Vorstand vor, für den er selbst zur Verfügung stehe, außerdem ein Aufsichtsrat mit vier oder fünf „lokalen Persönlichkeiten“, für die es ebenfalls schon Vorschläge gebe. Von Speyer aus seien zudem Kontakte in die Umlandgemeinden geknüpft worden, wo es ebenfalls Initiativgruppen gebe. Abzusehen sei somit, dass es Ortsgruppen zumindest in Römerberg, Otterstadt und Böhl-Iggelheim unter dem BEG-Dach geben werde.

Wer ist bisher dabei?

Das Team, das die Gründung vorbereitet, hat laut Schweigert ungefähr 80 Namen auf einer Interessentenliste. „Das basiert überwiegend auf Mundpropaganda, wir haben noch nicht viel Werbung gemacht.“ Er hoffe, dass sich dieser Kreis noch erweitert. Neben dem Verein Inspeyered seien die Stadtwerke Speyer (SWS) ein Kooperationspartner. Den BEG-Initiatoren sei es wichtig, nicht in Konkurrenz zu den SWS zu treten, sondern entweder Projekte umzusetzen, die diesen zu klein sind, oder gemeinsam tätig zu werden. Denkbar seien Freiflächenanlagen mit SWS- und BEG-Anteilen. „Das erhöht die Akzeptanz und die Möglichkeiten“, betont Schweigert. Mit den SWS werde außerdem über einen speziellen Stromtarif gesprochen, der auf der Versorgung über ganz konkrete Anlagen basiere.

Wie kann man mitmachen?

Es wird auf möglichst viele interessierte Bürger gehofft, damit die BEG auf breiter Basis steht. Voraussetzungen gibt es keine, außer einer Einlage von mindestens 100 Euro. In dieser Stückelung könne „jeder so viele Anteile kaufen, wie er will“, erklärt Schweigert. BEG-Erfahrungen aus anderen Städten – gut 800 BEG gibt es in Deutschland schon – zeigten, dass im Durchschnitt 2000 Euro gegeben würden. „Wir wollen das auch als Geschenkidee ermöglichen, zum Beispiel von einer Oma für jedes ihrer Enkel.“ Die örtlichen Initiatoren informieren bislang unter www.inspeyered.de unter der Rubrik „Energiewende“, beantworten Fragen unter E-Mail energiewende@inspeyered.de und laden monatlich zu einem öffentlichen Plenum ein. Nächster Termin ist Montag, 6. März, 19 Uhr, im Media-Tor Speyer, Maximilianstraße 8.

Zur Sache

Am Freitag, 3. März, ruft „Fridays for Future“ (FFF) zu einem globalen Klimastreik auf. Anders als an früheren Aktionstagen gibt es diesmal kein eigenes Angebot in Speyer. Mehrere frühere FFF-Aktive haben die Stadt inzwischen für Studienzwecke verlassen. Bürgerenergiegenossenschaft-Initiator Nicolas Schweigert sieht den 3. März als guten Tag, um auf die Initiative hinzuweisen, die in diesem Monat eine Genossenschaft hervorbringen soll: „Wir wollen als Bürger die Energiewende aktiv vorantreiben. Wir machen was fürs Klima. Wir wollen gestalten, nicht nur streiken.“

Initiator: Nicolas Schweigert.
Initiator: Nicolas Schweigert.
Ladeinfrastruktur: mögliches Thema der Genossenschaft.
Ladeinfrastruktur: mögliches Thema der Genossenschaft.
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