Speyer
So feierte Helmut Kohl seinen Zapfenstreich auf dem Festplatz
Die Kulisse war unvergesslich. Mehr als 15.000 Menschen sollen es auf den riesigen Tribünen auf dem Festplatz gewesen sein. Sie blickten auf die Einheiten der Bundeswehr, die paradierten, und sie ließen den Blick zum beleuchteten Dom schweifen, der über allem thronte. Kohl hatte Speyer nicht zufällig für den Großen Zapfenstreich ausgewählt: Der 1930 in Ludwigshafen geborene CDU-Politiker hatte seit seiner Kindheit eine enge Beziehung zur Domstadt und insbesondere zu ihrem Dom. Als zu der Veranstaltung am 18. Oktober 1998 die Weltpolitik nach Speyer kam, war das nichts Neues: Über eineinhalb Jahrzehnte lang hatte Kohl Staatsoberhäupter sowie andere hochkarätige Gäste in den Dom geführt. Protokollarische und Sicherheitsfragen stellten daher keine unüberwindbaren Hürden dar, ebenso wenig wie bei der Trauerfeier im Dom im Juli 2017 mit folgender Beisetzung an der Bernhardskirche für den kurz zuvor verstorbenen Kohl.
Drei Lieder gewünscht
In Speyer liefen die organisatorischen Fäden in der Stadtverwaltung zusammen. Werner Schineller (CDU), damals Oberbürgermeister, war seinerzeit im Repräsentieren auch auf der Weltbühne längst erfahren. Er begrüßte vor dem Historischen Rathaus die Gäste, Mitarbeiter geleiteten sie in die Räume, in denen ein Empfang alles eröffnete. „Die Mitarbeiter hatten eine große Freude daran, das war keine Selbstverständlichkeit“, erinnert sich der heute 73-Jährige. Im Historischen Ratssaal wurde das Goldene Buch der Stadt gefüllt – Bundespräsident Roman Herzog (CDU) war der protokollarisch hochrangigste Gast –, dann wurden Reden gehalten. Schineller begrüßte, der bei der Wahl Wochen zuvor abgewählte Kohl schlug einen weiten Bogen und wurde viel Dank los – unter anderem an seine „Landsleute in der Pfalz“, die ihm geholfen hätten, seine Ziele zu erreichen. Im Fackelschein auf dem Festplatz erklangen auf seinen Wunsch Beethovens Ode an die Freunde, der Choral „Nun danket alle Gott“ sowie der „Reitermarsch“. Ganz langsam wurde Kohl am Ende ausgefahren.
Ausklang im „Domhof“
„Es war nicht nur für mich ein einmaliges Ergebnis“, erinnert sich der frühere OB Schineller. Helmut Kohls Ehefrau Hannelore fehlte in Speyer krankheitsbedingt, Schinellers Gattin Roswitha weilte in Israel bei der Partnerschaftsreise nach Yavne, die der OB wegen des Zapfenstreichs verlassen hatte. Seine Tochter war an seiner Seite in der ersten Reihe der Tribüne; auch Kohls Söhne Walter und Peter, mit denen er sich später zerstritten hatte, waren in Speyer dabei. „Es war ein sehr passendes Wetter für diesen Anlass mit dem leichten Nieselregen damals“, ordnet Schineller ein. Er bewahrt viele auch fotografische Erinnerungen an diesen Tag, der mit dem engsten Kreis um Kohl im „Domhof“ seinen kulinarischen Ausklang fand.