Speyer
Serie Feierabendbier: Ein Abend in der Sux Restobar
Die neue Woche in der Sux Restobar in der Korngasse beginnt dienstags um 17 Uhr. Um 17.30 Uhr sind die Plätze im nicht zu reservierenden Bereich vor dem Tresen schon nahezu komplett besetzt. Rumpf nimmt Wünsche der Gäste auf.
„Ich bin gleich da“, sagt er im Vorbeigehen. „Meine Bedienung kommt ausgerechnet heute etwas später. Es ist halt immer was anderes“, erklärt er. Rumpf gibt die Getränkebestellung an Levin Biery weiter, der hinter dem Tresen auf dem Barkeeper-Posten ist. Er checkt auf seinem Tablet die Belegung am Abend, weil wieder ein Gast auf einen Platz wartet. Dabei behält er permanent die Eingangstür im Auge. Dann gießt er seinem Gesprächspartner an der Bar ein Glas Wein ein. Für den Moment sind alle versorgt.
„Klar gibt es bei uns Gäste auf ein Feierabendbier“, sagt der Gastgeber und bezieht sich damit auf den Titel dieser Serie. Es sei auch oft ein Glas Wein oder ein Aperitif. „Die sind derzeit sehr in Mode. Aperol Spritz, Blaubeer-Hugo und sowas“, sagt er, doch: „Nach wie vor sind wir in erster Linie ein Weinlokal. Wir haben alles da. Aber im Ausschank sind fast nur Pfälzer.“ Ein kleines Fachgespräch über seine Gastronomie, seinen Beruf und seine Leidenschaft kann Fahrt aufnehmen – bis erneut die Tür aufgeht. Jetzt nimmt er im Augenwinkel eine kleine Gruppe wahr und richtet seinen Fokus darauf: „Hallo, ich grüße euch.“ Wieder Bekannte, viele sind Stammgäste, aber Rumpf ist nicht nur diesen komplett zugewandt.
„Gastronomie ist für mich der schönste Beruf“, sagt er. „Die Leute, die hereinkommen, wollen doch alle dasselbe: eine gute Zeit haben, entspannen, etwas Leckeres essen und trinken.“ Wer mit Menschen in dieser Stimmung umgehen dürfe, sei durchaus in gewissem Sinne privilegiert. „Ich genieße das. Ich bin gerne Gastgeber“, sagt der 54-Jährige. Er sei in der Gastronomie groß geworden, liebe den Umgang mit Menschen.
In den Fußstapfen des Vaters
Mit 27 Jahren ist Philipp Rumpf in den Beruf eingestiegen. Damals war sein Vater – ebenfalls ein Gastronom in der Stadt – plötzlich gestorben. Sein Sohn ist in seine Fußstapfen getreten. Er hat die Weinstube Zum alten Engel zum angesagten Restaurant weiterentwickelt. Im Oktober 2020 ist er in die frühere Weinstube Klosterstübchen umgezogen. Diese hat er zusammen mit der Besitzerfamilie Denzinger nach seinen Vorstellungen komplett umgebaut. Dem neuen Standort verlieh er aufgrund des angedachten Konzepts den Namenszusatz Restobar. Mit dem Namen Sux – der Spitzname seines Vaters – hat er diesem ein Denkmal gesetzt.
Dank zweier Ruhetage, die sein Personal und er bräuchten, hätten das Team und er keine Probleme mit dem Ausgleich von Arbeits- und Freizeit. Ein acht Personen starkes Team bewältige in der Regel jeden Abend.
Liebe für Gastronomie
Geregelte Arbeitszeitmodelle mit freien Tagen und festen Schichten sei inzwischen in der Gastrobranche weitgehend üblich. „Es gibt Lokale, die sogar samstags und sonntags zuhaben.“ Deshalb könne er die Nachwuchsprobleme in der Branche nicht ganz verstehen. Gastro sei und bleibe ein toller Beruf. Das einzig Problematische sei für ihn, dass er als Patron immer die Anspannung haben müsse, dass der Abend gelingt und wirklich alles klappt. „Manchmal würde ich gerne einfach mitfeiern.“
Der aktuelle Hype um Aperitifs und Cocktails „macht mehr Arbeit hinter dem Tresen als nur Wein, Bier und Wasser“, berichtet der Wirt. Außerdem ist da der Trend zu alkoholfreien oder alkoholreduzierten Getränke. „Die Winzer haben in der Tat starke Absatzprobleme. Sie müssen reagieren. Alkoholfrei ist bei Wein im Lokal aber noch in der Entwicklung. Fest steht für ihn: Es wird in Zukunft sicher weniger Alkohol getrunken.“
Weniger Absatz
„Früher wurde generell mehr getrunken“, stellt er fest. „War der Abend zu Ende, war der Weinkühlschrank unter dem Tresen leer.“ Generell würden Essen und Trinken jedoch weiter nachgefragt. Beides sei auch immer ein Thema in den Gesprächen am Tisch. Jedoch: „Früher sind die Menschen zweimal in der Woche Essen gegangen, das ist heute nicht mehr der Fall.“
Eine weitere gravierende Änderung erkennt er: „Am Tisch wird nicht mehr politisiert.“ Das letzte große politische Thema sei Corona gewesen. „Heute suchen die Menschen die Flucht aus dem Alltag“, berichtet Rumpf. „Natürlich würde ich dazu auch am liebsten ins Sux gehen“, sagt er, grinst und springt schon wieder auf zur Tür. „Sorry, da kommen Kollegen. Hallo, schön, dass ihr da seid. Kommt rein.“
Die Serie
In der Serie „Feierabendbier“ werfen wir einen Blick von der Theke aus in Speyerer Gaststätten. Im Vordergrund: Die Menschen, die dafür sorgen, dass keine Kehle durstig bleibt.
In der Serie ist bereits erschienen: