Vorderpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Schrottfahrräder in Speyer und Ludwigshafen: Wie groß ist das Problem?

Nicht mehr fahrbereit: Schrottfahrräder.
Nicht mehr fahrbereit: Schrottfahrräder.

Wer durch die Straßen einer Stadt läuft, hat sie bestimmt schon einmal gesehen: Fahrräder, die niemandem zu gehören scheinen und schrottreif aussehen. Sie werden einfach im Stadtgebiet entsorgt und blockieren Stellplätze. Das Problem betrifft besonders Großstädte. Wie groß ist es in Speyer und seinen Nachbarstädten?

Wer in Speyer nach schrottreifen Fahrrädern sucht, hat am Bahnhof die besten Chancen. Dort sind zumindest laut Stadtverwaltung im vergangenen Jahr die meisten der herrenlosen Drahtesel aufgesammelt worden. Insgesamt waren es etwa zehn – und damit weit weniger als etwa in Frankfurt. Mehr als 1000 Schrottfahrräder hat die Metropole am Main nach Medienberichten voriges Jahr bis Oktober entsorgt. Das Problem nimmt auch in anderen Großstädten zu, wie eine Umfrage der Deutschen Presse Agentur ergab.

In Speyer sind 2024 bei der Unteren Abfallbehörde – auf deutlich geringerem Niveau – ebenfalls mehr Meldungen eingegangen als noch im Jahr davor. Allerdings: „Diese Differenz könnte jedoch im Zusammenhang mit der seit etwa September 2024 vorgenommenen zentralen Erfassung sämtlicher Fahrräder stehen“, ordnet eine Sprecherin der Stadt ein. Davor seien Meldungen über entdeckte Schrottfahrräder nicht nur bei der Unteren Abfallbehörde, sondern auch bei Fundbüro und Mängelmelder der Stadt eingegangen. Viele Fälle seien bereits erfasst und schon erledigt worden. „Es lässt sich jedoch festhalten, dass die Zahl der Schrotträder insgesamt weitgehend konstant bleibt.“

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Jeder Einzelfall wird geprüft

Ob ein im öffentlichen Raum abgestellter Drahtesel überhaupt ein Schrottrad und damit Abfall ist, muss in jedem Einzelfall geprüft werden, wie ein Sprecher der Stadt Ludwigshafen erklärt. Nicht auf jedes Rad, das als störend empfunden werden, treffe das zu. Grundlage zur Beurteilung sei das Kreislaufwirtschaftsgesetz. „Es geht um den Allgemeinzustand des Fahrrades und die Frage, inwieweit das Fahrrad noch für seine ursprüngliche Zweckbestimmung genutzt werden kann“, erklärt er. Sprich: Es wird geprüft, ob das Fahrrad funktionsfähig ist. Auch die Frage, wie lange ein Rad schon abgestellt ist, spielt eine Rolle. Damit könne der „Entledigungswille“ des Halters abgewogen werden.

„Hat die Prüfung zum Ergebnis, dass es sich um ein Schrottfahrrad und damit um Abfall handelt, wird das Schrottfahrrad mit einem Aufkleber versehen“, erläutert der Verwaltungssprecher. Damit werde der letzte Halter aufgefordert, sein Eigentum innerhalb von vier Wochen „aus dem öffentlichen Straßenraum zu entfernen“. Danach werde das Fahrrad „behördlich entfernt oder ordnungsgemäß entsorgt“, heißt es auf dem Aufkleber. „So wird sichergestellt, dass noch die Möglichkeit der Entfernung durch den Besitzer/Halter eingeräumt wird“, erklärt der Sprecher. Nach Ablauf der Frist erhält der Wirtschaftsbetrieb Ludwigshafen einen Entsorgungsauftrag. Wie oft das vorkommt, werde nicht statistisch erfasst.

Gelbe Bändchen

In Frankenthal markieren die Behörden identifizierte Schrottfahrräder mit gelben Bändchen, wie eine Stadt-Sprecherin mitteilt. Das Prinzip ist dasselbe wie in Ludwigshafen: Mit einem entsprechenden Text auf den Bändchen soll der letzte Halter aufgefordert werden, sein Rad innerhalb von vier Wochen zu entfernen. Wenn innerhalb der Frist nichts passiert, wird die Stadt tätig. Rund 30 Fundfahrräder habe sie 2024 aus dem öffentlichen Raum entfernen müssen. Zahlen zu den Vorjahren lägen keine vor.

Die Entsorgungskosten seien niedrig, „da in der Regel keine aufwendigen Abschleppmaßnahmen erforderlich sind“, teilt eine Stadt-Sprecherin mit. In Ludwigshafen ließen sich die Kosten „nicht quantifizieren“, und in Speyer werden sie nicht separat aufgeschlüsselt. Sie fallen in die Kategorie des „wilden Mülls“, so die Speyerer Verwaltungssprecherin.

Manche Fundräder werden versteigert

Die Speyerer Verwaltung markiert gefundene Schrottfahrräder bisher nicht mit Hinweiszetteln. „Jedoch ist geplant, dies künftig einzuführen“, heißt es. Nicht alle im Stadtgebiet gefundenen Fahrräder werden indes entsorgt: „Im Regelfall sind jährlich zwei Fundfahrradversteigerungen geplant, einmal jeweils im Frühjahr und Herbst.“ Mindestens 25 Räder müssten und maximal 35 dürften dafür in der Regel zur Verfügung stehen. Versteigert werden dürften nur die Drahtesel, für die sich auch nach sechs Monaten noch kein Eigentümer gemeldet hat und auf die auch der Finder keinen Rückgabeanspruch erhebe. „Anschließend entscheidet das Fundbüro über die Verwertung und teilt Fahrräder, welche gute Versteigerungschancen haben, zur nächsten Versteigerung ein.“ Auch in Frankenthal gelten Fundfahrräder nach sechs Monaten als „aufgegeben“ und werden über das Portal des Zolls (www. zoll-auktion.de) versteigert. In Ludwigshafen gehen einzelne gefundene Fahrräder an karitative Einrichtungen.

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