Speyer
Schreck in der Silvesternacht: Nach Dachbrand sitzt Schock bei Hausbewohnern tief
„So ein Glück, dass wir den Rauchmelder hatten. Und dass er funktioniert hat.“ Der 54-jährige Familienvater kann es noch gar nicht ganz begreifen, was am frühen Neujahrsmorgen im Baugebiet Neuland im Süden der Domstadt passiert ist. Genauer gesagt: in der Doppelhaushälfte in der Heimstättenstraße, die der Speyerer mit seiner Frau und den beiden Kindern bewohnt.
Es war gegen 5 Uhr, als ihn der wild piepsende Rauchmelder im Dachgeschoss aus dem Schlaf riss. Die Dachterrasse auf dem rückwärtigen Anbau war in Brand geraten. Die Hitze des Feuers hatte das Glas der Terrassentür sowie eines Fensters bersten lassen, woraufhin der Rauch ins Vorderhaus eindrang und den Rauchmelder aktivierte, „zum Glück“, wiederholt der 54-Jährige.
Seinen Namen möchte der Hauseigentümer nicht in der Zeitung lesen. Seine Familie und er hätten einen „ganz großen Schreck erlitten“. Das Geschehen müssten sie erst einmal verarbeiten. „Wir erleben große Unterstützung durch Freunde, Familie und Nachbarn. Dafür sind wir sehr dankbar“, berichtet der Mann. Während er selbst bei einem ersten Löschversuch Rauchgas eingeatmet hatte und daher vorsorglich für einige Stunden ins Krankenhaus kam, konnten Frau und Kinder sowie die Bewohnerin der anderen Doppelhaushälfte bei Nachbarn unterschlüpfen.
Großeinsatz der Helfer
Derweil bekämpften 43 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Katastrophenschutz mehrere Stunden lang mit Hilfe zweier Drehleitern und Atemschutzgeräten die Flammen und den Rauch. Sie konnten verhindern, dass das Feuer von der Terrasse auf den Dachstuhl des Hauses übergriff. „Insbesondere in der vom Brand hauptsächlich betroffen Gebäudehälfte haben wir alles daran gesetzt, den Wohnbereich zu schützen – auch vor eindringendem Löschwasser“, sagt Peter Eymann, Brand- und Katastrophenschutzinspekteur der Stadt und Chef der Feuerwehr.
„Die haben alles getan. Ein großes Kompliment an die Einsatzkräfte“, sagt der Familienvater. Doch trotz aller Vorsicht seien Wohnräume in Mitleidenschaft gezogen worden, sowohl durch den Rauch als auch durch eindringendes Löschwasser. Am Mittag des Neujahrstages habe die Feuerwehr das Gebäude wieder freigegeben, versiegelt worden sei jedoch der Zugang zum Brandort. Die Familie lebe aktuell in zwei oder drei Zimmern, die restlichen seien nicht nutzbar, weil verraucht oder feucht. „Derzeit können wir in unserem Haus wohnen. Die Frage ist nur: Wie lange noch?“ Ein Gutachter der Gebäudeversicherung solle den Schaden möglichst bald in Augenschein nehmen.
Dachterrasse geht in Flammen auf
Erworben habe die Speyerer Familie das Doppelhaus vor fünf Jahren und danach „von Grund auf saniert“, erzählt der 54-Jährige. Ausgebrochen sei das Feuer auf dem modernen Kunststoff-Flachdach des rückwärtigen Anbaus. Auf dieses war als Dachterrasse eine Konstruktion aus Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoffen aufgesetzt worden. Wie diese in Brand geraten sei, darüber will der Eigentümer nicht spekulieren: „Wir sind völlig im Unklaren darüber, was passiert ist.“
Ein Zusammenhang mit Silvester liege aber nahe, meint er. Möglicherweise sei Feuerwerk oder eine Leuchtkugel auf dem Flachdach gelandet, sei aufgrund der geringen Neigung liegengeblieben und habe dort über längere Zeit geschwelt. Womöglich habe auch der in der Nacht aufkommende Wind dazu beigetragen, die Flammen anzufachen.
Feuerwerk der Auslöser?
Mittlerweile hat die Kripo in Ludwigshafen die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen. Mit einer Begutachtung des Brandortes rechnet das Polizeipräsidium Rheinpfalz nach eigenen Worten nicht vor Montag. Bis dahin könnten zur Brandursache keine näheren Angaben gemacht werden. Auch Feuerwehr-Chef Eymann hält sich bei der möglichen Brandursache zurück. Dies sei Sache der Polizei. Seiner ersten Schätzung zufolge dürfte der Schaden „im mittleren fünfstelligen Bereich“ liegen.
Im Einsatz war neben der Feuerwehr und den Schnelleinsatzgruppen des Katastrophenschutzes auch das Technische Hilfswerk (THW) mit rund 20 Leuten und fünf Fahrzeugen, wie Christopher Sohn, Sprecher des THW-Ortsverbands, berichtet. Das THW dichtete das Dach des Hauses provisorisch mit Planen ab, nachdem es die Feuerwehr zuvor hatte teilweise öffnen müssen, um Glutnester zu bekämpfen. Am Donnerstag rückte das THW dann erneut an, um eine Schadstelle auszubessern, durch die Regenwasser ins Gebäude gelangt war.
Dessen Bewohner wissen derweil nicht, wie es konkret weitergeht. Das sei belastend, sagt der Familienvater. Erleichternd sei, dass sie viele Hilfsangebote erreichen würden. Und dass sie wüssten: „Falls wir aus unserem Haus raus müssen, sind wir gut untergebracht.“
