Schwegenheim
Schluss nach 20 Jahren: Pächter des „Vogelhaisls“ haben mit Gästen Zeitgeschichte erlebt
„In der Küche war ich glücklich“, sagt Rosalia Kolschek. Die heute 70-Jährige übernahm am 3. Oktober 2000 als Pächterin das „Vogelhaisl“ im Wald zwischen Schwegenheim und Gommersheim nahe der Landesstraße 538. Kolschek ist gelernte Bankkauffrau und arbeitete bei der Bausparkasse. Vor ihrem Einstieg im Vogelhaus – der Gaststätte des Schwegenheimer Vogelschutz- und Zuchtvereins – hatte sie ihren Beruf allerdings schon aufgegeben und eine Angehörige gepflegt. Mit damals 50 Jahren wagte sie dann die neue Herausforderung: „Ich habe sieben Geschwister und schon immer kochen müssen“, sagt Kolschek. Ihr Mann, als gelernter Werkzeugmacher ebenfalls ein Quereinsteiger, kümmerte sich vor allem um die Gäste.
Freundschaftlich verbunden
„Wir hatten viele Stammgäste und wussten schon, was wir ihnen einschenken müssen“, sagt Viktor Kolschek und lacht. Das Ehepaar musste besonders oft Schorle sowie Pfälzer Essensspezialitäten und Rumpsteak servieren, für das es „weit und breit bekannt“ war. Um die Mittagszeit sei das „Vogelhaisl“, das dienstags bis samstags geöffnet hatte, immer gut besucht gewesen. Die Gäste kamen nicht nur aus Schwegenheim, sondern „mehr aus dem Badischen“ und vor allem aus Speyer, Dudenhofen und Harthausen, sagt der 63-Jährige.
Zwischen dem Ehepaar und den Besuchern seien über die Jahre Freundschaften entstanden, erzählen Rosalia und Viktor Kolschek. Sie tauschten sich mit ihnen über Familiengeschichten aus und erlebten auch besondere Momente zusammen. Viktor Kolschek kann sich noch genau erinnern, als am 11. September 2001 im Radio über die Anschläge auf das World Trade Center in New York berichtet wurde. „Damals war es komplett still im Gastraum“, sagt Kolschek, dem dieser Moment immer in Erinnerung bleiben wird.
Lockdown befürwortet
Neben solchen zeitgeschichtlichen Ereignissen waren auch politische Themen Inhalt der Gespräche – zuletzt natürlich die Corona-Pandemie. „Jeder hat andere Ansichten und vertritt sie und dann diskutiert man und kommt auf einen Nenner“, sagt der 63-Jährige. Ihn und seine Frau habe der erste Lockdown im Frühjahr „ein bisschen heftig“ getroffen. Sie mussten Umsatzeinbußen verkraften. Im Sommer seien aber alle Gäste wieder gekommen, freut sich das Ehepaar.
Als im November die Gastronomie zum zweiten Mal schließen musste, hätten sie sich schon auf ihr Rentnerleben eingestellt, weil sie geahnt hätten, dass sie die Gaststätte im Dezember nicht noch einmal werden öffnen dürfen. Eine Abschiedsfeier soll nächstes Jahr nachgeholt werden. Kolschek und seine Frau befürworten den harten Lockdown. „Die Zahlen sind so hoch, dadurch werden Menschenleben geschützt. Das Virus kennt keine Feiertage“, sagt Viktor Kolschek, der aber auch darauf hinweist, dass es eine schwierige Situation für seine noch aktiven Gastwirte-Kollegen sei.
Das Ehepaar, das aus Altersgründen aufhört, genießt nun seine Freizeit, die es mit Spaziergängen und sobald wie möglich wieder mit Freunden – darunter auch Stammgäste und Gastwirte aus der Südpfalz – verbringen will. Sie freue sich darauf, nur noch für einen kleinen Kreis zu kochen, sagt Rosalia Kolschek. Ihren Nachfolgern Bernhard Dittrich und Maria Scholl will das Ehepaar mit Rat und Tat zur Seite stehen. Der 55-jährige Dittrich ist Vorsitzender des Vogelschutzvereins und übergibt nach 30 Jahren seinen Metallbaubetrieb in Philippsburg einem Nachfolger, um mit seiner Lebensgefährtin die Gaststätte zu führen. Im Januar wird renoviert, im Februar soll sie wieder eröffnet werden, wenn es die Corona-Situation zulässt. Dittrich und Scholl wollen die Tradition des „Vogelhaisls“ mit dem Speiseangebot weiterführen und auch das eingespielte Team übernehmen.