Speyer
Rabensteinerweg: Interessent für 50 Wohnungen
GeRo sei auf die Gemeinnützige Baugenossenschaft Speyer (GBS) zugekommen, und die sei interessiert, sagen die GBS-Vorstände Oliver Pastor und Bernd Reif. „Noch ein, zwei Gespräche, dann ist die Sache entscheidungsreif“, erwartet Pastor. Es geht darum, dass die GBS rund die Hälfte der neuen Wohnungen auf dem ein Hektar großen Areal kauft und vermietet. „GeRo ist anders als wir kein Bestandshalter“, sagt Pastor. Im wohnungswirtschaftlichen Jargon heißt das: GeRo verkauft als Projektentwickler an Investoren, die GBS vermietet ihre Wohnungen.
Dass ein Teil der Wohnungen vermietet werden muss, hat mit der Sozialquote von 25 Prozent zu tun, die nach einer Vereinbarung der Stadt mit den Investoren am Rabensteinerweg eingehalten werden muss. Früheren Angaben zufolge ist es das erste Großprojekt in der Stadt mit dieser politisch beschlossenen Auflage. Die Mieten in den Einheiten sind „gedeckelt“. „Das kann trotzdem lukrativ sein, und das kann im Interesse unserer Mitglieder sein“, gibt Pastor einen Einblick in die Kalkulation. Davor seien aber noch viele Detailfragen unter anderem zu den Wohnungsgrößen und natürlich den Konditionen zu klären.
„Etwas Langfristiges“
So plant der Interessent45 bis 50 Wohnungen könnten am Ende in den GBS-Besitz übergehen, prognostiziert Reif. 1600 Einheiten unterhält die 102 Jahre alte Genossenschaft schon in Speyer, weiterer Bedarf ist dennoch da. Reif wertet die Rabensteinerweg-Pläne als „etwas Langfristiges für uns“. Ab Mitte 2024 könne dort ein Einzug möglich sein. Pastor sieht zeitliche Zusammenhänge mit den GBS-Neubauplänen im Bereich Germansberg/Russenweiher: Alles auf einmal sei nicht zu stemmen. Am Russenweiher, wo derzeit die Erschließung des Baugebiets anläuft, sei die GBS flexibler, weil ihr die Fläche schon gehört.
108 Wohnungen stehen derzeit in den Planungen von Investor GeRo für den Rabensteinerweg. Bebaut werden soll der Bereich rund um den Restpostenmarkt Philipps und die frühere Fensterfabrik Häußler bis zur Wormser Landstraße und bis zum Industriegleis hin. Geplant sind Reihen- sowie Mehrfamilienhäuser, wobei alle GBS-Einheiten in den Mehrfamilienhäusern wären. Der Bebauungsplanentwurf wurde zuletzt leicht angepasst und geht vom 26. April bis 28. Mai zum zweiten Mal in die öffentliche Auslage. „Wir erwarten im dritten Quartal den Satzungsbeschluss, wollen im Sommer den Bauantrag einreichen und hoffen dann auf die Baugenehmigung bis Ende des Jahres“, so GeRo-Architekt Roger Schwartz. Im zweiten Quartal 2022 könnte die zweijährige Bauphase starten. Investitionsvolumen nach früheren GeRo-Angaben: rund 30 Millionen Euro.
RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler
Investitionen bleiben attraktiv
Die Sozialquote wirkt, aber sie darf für die Speyerer Politik nicht die alleinige Richtschnur sein.
An frei vermarktbaren Wohnungen verdient ein Investor mehr als an solchen, für die er ein Mietpreis-Limit einzuhalten hat. Dass sich in Speyer Investitionen trotz dieser Vorgabe lohnen, beweist: Die Sozialquote, die der Stadtrat beschlossen hat, ist berechtigt.
Es wird viele weitere Fälle geben, in denen sie greift: Ein Projekt in der Waldstraße ist ebenfalls in Vorbereitung, in Speyer-Nord samt möglichem Pionier-Quartier wird sich einiges tun, und auch anderswo gilt: Speyer bleibt attraktiv. Trotz Sozialquote sollte allerdings nicht über jedes Stöckchen gesprungen werden. Dem Klima zuliebe gilt es, die Versiegelung zu begrenzen.
