Speyer
Rückblick 2019: Was das Speyerer Umland bewegte
Bauprojekte des Jahres
Mehr als zweieinhalb Jahre mussten Schwimmer auf das Kreisbad in Heiligenstein verzichten. Nach einigen Verzögerungen bei der Sanierung, technischen und Personalproblemen war es am 7. Oktober soweit: Das Bad wurde wieder eröffnet. Seitdem haben laut der Kreisverwaltung rund 3100 Personen das Bad und etwa 1000 Menschen die Sauna besucht. Das sind fast genauso viele wie im gleichen Zeitraum vor der Schließung. Die Kreisverwaltung freue besonders, dass die sanierte Sauna so gut angenommen wird, sagt Sprecherin Kornelia Barnewald.
Bis in der Lingenfelder Goldberghalle wieder Sport gemacht werden kann und im Foyer Veranstaltungen stattfinden können, dauert es dagegen noch. Der sanierungsbedürftige Gebäudekomplex musste 2016 aus Brandschutzgründen geschlossen werden. Seitdem geht es um die Fragen, wie die Halle saniert werden soll und welcher Anteil der Millionenkosten durch Fördermittel beglichen werden kann. Kurz vor Weihnachten bekam die Ortsgemeinde die Zusage für finanzielle Zuschüsse, der Förderbescheid wird im Januar übergeben. Die Sanierung soll 2020 starten.
Sehr zum Unmut einiger Ratsmitglieder lässt auch die Sanierung der Grundschule in Hanhofen auf sich warten. Das Mammutprojekt sollte eigentlich im Herbst beginnen. Weil unter anderem die Genehmigung des Haushaltsplans durch die Kommunalaufsicht Monate dauerte, konnten die Aufträge für die Handwerker erst Anfang Dezember vergeben werden. Laut Ortsbürgermeisterin Silke Schmitt-Makdice (SPD) wird die Sanierung voraussichtlich Anfang März beginnen, ausschlaggebend ist das Wetter. Die Elektroarbeiten sollen nach ihren Angaben bereits in den Winterferien Mitte Februar starten.
Gegensätze des Jahres
In Schwegenheim geht’s hoch hinaus und tief hinunter. Ende Mai wurden nahe der Ortsgemeinde in Richtung Mechtersheim vier Windräder der Firma Juwi montiert. Sie versorgen 7000 Haushalte mit Strom und sind am höchsten Punkt fast 220 Meter hoch. Auf der anderen Seite des Ortes Richtung Harthausen geht es dagegen tief hinunter. Ein Konsortium begann dort im September mit der Bohrung nach Erdöl in rund 2600 Metern Tiefe. Diese wurde erfolgreich abgeschlossen, seit Mitte Dezember läuft die Test-Förderung des Rohstoffes. In Schwegenheim ist also nicht nur der Gegensatz von Höhe und Tiefe vorhanden, sondern auch der von alternativen Energien und fossilen Brennstoffen.
Streitigkeiten des Jahres
In diesem Jahr wurde im Speyerer Umland natürlich auch gestritten. Zum Beispiel in Dudenhofen, wo sich die CDU für eine Geldstrafe für FDP-Ratsmitglied Jürgen Creutzmann aussprach, weil dieser bei der hitzigen Diskussion um die Zukunft des Pfarrheim-Geländes den Kaufpreis verraten haben soll. Allerdings kam das FDP-Urgestein aufgrund seines „großen langjährigen ehrenamtlichen kommunalpolitischen und sozialen Engagements“ mit einer Rüge davon.
Ganz besonders heiß her ging es in Otterstadt, wo Ende September ein Teil des Organisationsteams für das kommende Jubiläumsjahr hinwarf, weil die Mitglieder nicht mit Ortsbürgermeister Bernd Zimmermann (CDU) zusammenarbeiten wollten. Zimmermann hatte die Organisation des Dorfjubiläums übernehmen müssen, als der frischgewählte Erste Beigeordnete Theo Böhm (CDU) nach wenigen Wochen im Amt aus persönlichen Gründen zurückgetreten war.
Das Jubiläumsjahr der Altrheingemeinde beginnt in vier Tagen. Otterstadt wurde vor 1000 Jahren erstmals erwähnt. Auf nur einen kleinen Bruchteil dieser langen Geschichte kommt dagegen die Ortsgemeinde Römerberg, die vor 50 Jahren durch den Zusammenschluss der jahrhundertealten Orte Berghausen, Heiligenstein und Mechtersheim entstand. Das Jubiläum wurde in diesem Jahr ganz friedlich gefeiert. Dafür ist in Otterstadt nun das ganze Jahr Zeit.
Thema des Jahres
Das Thema Verkehr spielt in den Gemeinden rund um Speyer bereits seit Jahren eine große Rolle. Die Rufe nach mehr Geschwindigkeitsbegrenzungen werden immer lauter. In Dudenhofen waren im Juli die Mitglieder des Ortsvereins besonders kreativ: Sie bauten ein Vogelhaus, das wie eine Blitzersäule aussah. Es stand auf einem Privatgrundstück in der Berghauser Straße am Ortseingang des Spargeldorfs.
Zur allgemein herrschenden Verkehrsproblematik in Römerberg kam Ende November in Berghausen noch ein Wasserrohrbruch in der stark befahrenen Germersheimer Straße hinzu. Die fast einwöchige Sperrung sorgte vor allem im Berufsverkehr für Staus rund um die Ortsgemeinde.
Von Staus vor der Fußgänger- und Radfahrerbrücke zwischen der Berliner Straße und der Kolpingsstraße im August in Lingenfeld ist nichts bekannt. Die Sperrung ist jedoch ebenfalls ein Ärgernis für die Ortsgemeinde. Die Brücke wurde nach Angaben der Gemeinde Ende Mai bei einer Verfolgungsfahrt beschädigt. Sie muss saniert werden, und die Gemeinde will vor Gericht erstreiten, dass die Versicherung den Schaden bezahlt.
Plagen des Jahres
Im Mai trat er ein, der Super-GAU aus Sicht der Schnakenjäger der Kabs: Beide Hubschrauber fielen aus, und die Stechmücken konnten sich ungestört vermehren. Nicht überall waren die Folgen gleich schlimm, aber besonders aus dem Gebiet Lingenfeld und Mechtersheim gab es Klagen zu hören über verstochene Körperteile. Gute Nachrichten gab es dieses Jahr aber auch an der Schnaken-Front: Die Ortsgemeinde Gommersheim hat sich entschieden, doch Kabs-Mitglied zu werden. Die Gommersheimer hatten im Jahr zuvor den Zorn aus Harthausen und Hanhofen auf sich gezogen, weil von ihrer Gemarkung eine Stechmückenplage ausgegangen war. Künftig geht’s also auch den Gommersheimer Schnaken an den Kragen.
Einsatz des Jahres
Es war in der Nacht vom 20. auf den 21. Juli, als ein kurzes, aber heftiges Unwetter in Iggelheim, Schifferstadt und Waldsee wütete. Zerstörte Dächer – unter anderem das des Schifferstadter Gymnasiums – zahlreiche entwurzelte Bäume, durch Ziegeln ramponierte Autos, umgewehte Verkehrsschilder und eine in Mitleidenschaft gezogene Giebelwand waren das Ergebnis. Der Kreisfeuerwehrinspekteur sprach von einem Schadensbild, das dem des Tornados ähnele, der eine Woche zuvor in Bobenheim am Berg im Landkreis Bad Dürkheim eine Schneise der Verwüstung hinterlassen hatte. Die Einsatzkräfte waren viele Stunden mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. Die Bewohner des besonders betroffenen Waldseer Neubaugebiets dankten der Feuerwehr später mit einer selbst gebastelten Karte.
Hängepartie des Jahres
Totgesagte leben länger, heißt es. Vielleicht gilt das ja auch für das Campinggebiet „Auf der Au“ bei Waldsee. Das ist bekanntlich von der Schließung bedroht, weil sich die Besitzer der Grundstücke und die Betreiber-GmbH „Naherholung in den Rheinauen“ nicht auf neue Pachtkonditionen einigen konnten. Leidtragende wären die Camper, die an ihren Plätzen, auf denen sie teils schon seit vielen Jahrzehnten ihre Freizeit verbringen, hängen. In diesem Jahr hat es zumindest einen kleinen Lichtblick gegeben: Die Galgenfrist für den Campingplatz ist zumindest um ein Jahr, auf Ende 2021 verlängert worden. Der Hintergrund war allerdings nicht etwa ein grundsätzlicher Sinneswandel der beteiligten Parteien, sondern rechtliche Unsicherheiten bei den Pachtverträgen. Parallel dazu haben sich Studenten der Uni Kaiserslautern Gedanken gemacht, wie das Campinggebiet künftig wirtschaftlich betrieben werden könnte. Unter anderem könnten die Stadtwerke Speyer auf einem Teil des Geländes einen Solarpark betreiben. Konkret ist allerdings noch nichts. Und so heißt es für die Camper weiter: hoffen und bangen.
Wechsel des Jahres
Ganz schön gerumpelt im Karton hat es bei den Kommunalwahlen im Mai und den darauffolgenden Stichwahlen. Dass es etliche neue Bürgermeister gibt, war absehbar, nachdem etliche altgediente Ortschefs nicht mehr angetreten waren. Aber nicht überall machten die Favoriten das Rennen: In Römerberg schlug der Grüne Matthias Hoffmann überraschend CDU-Kandidat Mathias Müller, in der CDU-Hochburg Dudenhofen unterlag Laura Fauß Jürgen Hook von der SPD, und in Lingenfeld setzte sich SPD-Kandidat Markus Kropfreiter gegen Amtsinhaber Erwin Leuthner von der CDU durch. Auch in den Ortsgemeinderäten hat sich einiges geändert. So hat die CDU in den Ortsgemeinderäten Waldsee, Dudenhofen und Römerberg sowie im Verbandsgemeinderat Römerberg-Dudenhofen ihre absolute Mehrheit eingebüßt. Gewinner der Wahl waren vielerorts die Grünen, die ihre Mandatszahl deutlich erhöhten. In Lingenfeld sind sie sogar neu in den Ortsgemeinderat eingezogen.
Abschiede des Jahres
Für eine ganze Reihe von Bürgermeistern hieß es in diesem Jahr Abschied nehmen. In Waldsee trat Otto Reiland (CDU) nach 20 Jahren als Ortsbürgermeister nicht mehr an und nahm auch als Bürgermeister der Verbandsgemeinde nach 36 Jahren den Hut. 20 Jahre waren Manfred Scharfenberger (CDU) in Römerberg und Peter Goldschmidt (SPD) in Schwegenheim am Ruder. Friederike Ebli (SPD) bringt es in Hanhofen sogar auf 25 Jahre. Peter Eberhard (CDU) hat in Dudenhofen zehn Jahre die Geschicke des Dorfs gelenkt, ebenso wie Erwin Leuthner (CDU) in Lingenfeld.
Gehaltsverhandlung des Jahres
Der Kümmerer für 10.000 Menschen zu sein – das macht man nicht mal ebenso nebenher. Das musste auch Matthias Hoffmann (Grüne) feststellen, nachdem er sein Amt als neuer Römerberger Ortsbürgermeister angetreten hatte. Sein Vollzeitjob bei der BASF ließ ihm zu wenig Zeit fürs Ehrenamt, so sein Eindruck. Anstelle sich kompliziert für jeden Bürgermeister-Termin freistellen und die Ortsgemeinde Entschädigung an den Arbeitgeber zahlen zu lassen, schlug Hoffmann daher ein anderes Modell vor: Er lässt sich für die Hälfte seiner Arbeitszeit freistellen, wofür die Ortsgemeinde pauschal das Gehalt übernimmt. Das gab allerdings Gegenwind – von der Kommunalaufsicht und auch vom Ortsgemeinderat. Zunächst solle er mindestens ein halbes Jahr Buch führen über seine Termine, so der Tenor. Für Hoffmann hieß das: noch mehr Arbeit und Bürokratie. Sein ursprüngliches Ansinnen verfolgt er daher nicht weiter. Seine Arbeitszeit reduziert hat er trotzdem – nun eben ohne pauschalen Gehaltsausgleich.
Generationenprojekte des Jahres
Für die ältere Generation hat sich dieses Jahr in Harthausen wesentliches getan: Das neue Seniorenzentrum Haus Theresa hat Ende Oktober seinen Betrieb aufgenommen. Platz ist für rund 90 ältere Menschen, doch die Senioren ziehen erst nach und nach ein. Schlechter sieht es aktuell für die ganz jungen Harthausener aus: Die Kita droht bald aus allen Nähten zu platzen. Das Jugendamt beteuert zwar, dass das Platzangebot aktuell gerade noch reicht, das wird sich aber – wie vielerorts – künftig mit dem neuen Kita-Gesetz ändern. Kinder sollen dann mindestens sieben Stunden am Stück betreut werden und in der Kita zu Mittag essen können. Eine neue Kita soll deshalb her, für die auch schon ein Standort ins Auge gefasst ist: zwischen Gewerbegebiet Kohlplatte und Ortseingang – ganz in der Nähe des neuen Seniorenzentrums also. Dann wäre Harthausen ein gutes Pflaster für beide: Junge und Alte.