Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Privatbrauerei, Python, Pipeline: So fließt das Bier auf dem Brezelfest

Zapfanlage bereit: Eichbaum-Techniker Eugen Hergert, Vertriebsleiter Christian Bauer und Marktmeister Jürgen Neubeck.
Zapfanlage bereit: Eichbaum-Techniker Eugen Hergert, Vertriebsleiter Christian Bauer und Marktmeister Jürgen Neubeck.

Von Donnerstag, 11. Juli, bis Dienstag, 16. Juli, werden auf dem Brezelfest 300 Hektoliter, also 30.000 Liter Bier getrunken. Diese Schätzung geben die Verantwortlichen schon im Vorfeld ab. Ins Glas kommt der Gerstensaft über ein System, das es so nur in Speyer gibt.

„Ach ja, unsere Bier-Pipeline“, sagt Uwe Wöhlert, Vorsitzender des veranstaltenden Verkehrsvereins, wenn man ihn auf die Versorgung des Festplatzes anspricht. Marktmeister Jürgen Neubeck ist verantwortlich für die Abläufe vor Ort und kann sich dabei auf das Personal der Mannheimer Eichbaum-Brauerei verlassen. Diese braut mit einem Exklusivvertrag das Bier für das Brezelfest, seit sie Ende der 1960er-Jahre die Schwartz-Storchen-Brauerei übernommen hat.

Mehrere Jahrzehnte ist auch schon das System alt, das den Biertransport am Festplatz durch teilweise unterirdisch verlegte Leitungen ermöglicht. Eichbaum bringt drei seiner vier großen Biertanks nach Speyer, schließt die Leitungen an, ummantelt deren Einzelteile und steckt diese dann über eine Art Kanaldeckel in die Rohre, die unter dem Festplatz verlaufen. Im Fall des „Schwarzwaldhaisels“ sind es etwa gut 30 Meter bis zum Ausschank. Dieses System wird im Vorfeld doppelt gereinigt – von einem externen Dienstleister und von der Brauerei.

30 Lastwagen aus Mannheim

„So gibt’s das nur in Speyer“, betont Eichbaum-Vertriebsleiter Christian Bauer. Er ist am Mittwoch vor Ort und begleitet die letzten Schritte des logistischen Meisterwerks, an dem seit Montag gearbeitet wird. Gut 20 Lastwagen haben Material wie Garnituren, Kühlschränke und andere Technik angeliefert, zehn weitere bringen das Bier und die alkoholfreien Getränke für die sechs Ausschankstellen. „Wir sind sehr zufrieden“, sagen sowohl Bauer als auch Neubeck über die Zusammenarbeit von Verkehrsverein und Brauerei, mit der traditionell eine Abnahmeverpflichtung für die Schausteller einhergeht.

Eichbaum-Techniker Eugen Hergert prüft, ob alle Anschlüsse sitzen. Er wird – auch das ist laut Bauer ein „besonderer Service“ für Speyer – in den Stoßzeiten des Brezelfests vor Ort sein. „Man will sich gar nicht vorstellen, wenn im Festzelt eine Stunde mal kein Bier fließen würde“, begründet Bauer. Hinter dem „Schwarzwaldhaisel“ wird ein 150-Hektoliter-Tank geparkt, am Festzelt einer mit 50 Hektoliter und beim Biergarten Barth einer mit 30 Hektoliter – was aber keinen direkten Rückschluss auf die Abnahmemengen zulasse, erklärt Bauer.

Insgesamt sei das Speyerer Brezelfest neben dem Stadtfest und dem Oktoberfest in Mannheim eine der drei größten Veranstaltungen für die Privatbrauerei. Auch deshalb wird alljährlich ein eigenes Festbier gebraut, diesmal mit einem Alkoholgehalt von 5,5 Prozent und 13,1 Prozent Stammwürze. Es geht „in Richtung Export, ist aber etwas süffiger“, so Bauer. Hintergrund: Auf dem Brezelfest solle es „der breiten Masse schmecken“.

Auf die Temperatur kommt es an

Eine Grundlage für den Geschmack ist beim Bier auch dessen Temperatur. Ziel sind 5 Grad, was in den großen Tanks am Anfang auch erreicht werde. Pro Festtag steige die Temperatur um 1 Grad an, was mit weiterer Technik am Festplatz abgemildert wird. Gasflaschen sorgen für Druck, pressen den Gerstensaft aus Fässern und Tanks in die „Python“, wie der dicke Schlauch mit mehreren Röhren im Inneren genannt wird. In einer Röhre läuft kaltes Wasser aus einem Standkühler. Dazu kommen Kühlwagen.

Auch dieses Jahr wird die Bier-Pipeline ihren Zweck erfüllen, sind sich die Verantwortlichen nach dem erfolgreichen Aufbau sicher. Der bundesweit statistisch rückläufige Bierkonsum gelte dabei nicht fürs Brezelfest, so Bauer: Dort sei der Verbrauch nach einer Delle vor der „Wiederbelebung“ der 2010er-Jahre mit Weltrekordversuchen stabil. Den größten Einfluss habe das Wetter: Wenn es fast 40 Grad heiß werde, wie an zwei Tagen im Vorjahr, sinke der Zuspruch. Insofern gefällt Neubeck und Bauer die Wettervorhersage für die nächsten Tage: Es werde nicht zu heiß – und gegen Regen helfe Überdachung.

Was Besucher zum Brezelfest sonst noch wissen müssen, lesen Sie hier.

Aus dem 150-Hektoliter-Tank in die Pipeline: Infrastruktur für die Bierversorgung.
Aus dem 150-Hektoliter-Tank in die Pipeline: Infrastruktur für die Bierversorgung.
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