Speyer
Postplatz, Normand, Nord: Hier wollen die Stadtplaner 2026 weiterkommen
Neues Wohnen und Gewerbe im Speyerer Norden? Die Stadt hängt in der Warteschleife, seit der Verkauf früherer Militärflächen 2025 gestoppt wurde: Die Bundeswehr prüft nun auch, ob sie die ehemalige Kurpfalzkaserne und das Polygon-Gelände zurückhaben will. „Wir warten dazu seit mehr als einem halben Jahr auf weitere Informationen“, sagt Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD). Sie suche Kontakte zu Land und Bund und hoffe auf „schnellstmögliche Entscheidungen, damit wir damit arbeiten können“.
Weil mit dem Fall gerechnet werden müsse, dass die Stadt das lange ersehnte Konversionsgelände doch nicht kaufen darf, werde sie 2026 vorsorglich nach Alternativen suchen. Zunächst gehe es dabei um Arbeitsplätze städtischer Mitarbeiter aus der Kaserne und um Quartiere für der Stadt zugewiesene Flüchtlinge, die heute in zwei Kasernenblöcken außerhalb der Landeserstaufnahmestelle untergebracht sind. Für den Konversionsprozess im Ganzen ruhten die Planungen im Rathaus derzeit jedoch ebenso wie für die Neugestaltung des früheren Stiftungskrankenhauses in der Spitalgasse. Hier will die OB zunächst geklärt wissen, ob die Pestalozzischule einziehen kann.
„Gewerbeohr“ soll kommen
Unabhängig von der Entscheidung der Bundeswehr will die Stadt laut Seiler im neuen Jahr die Entwicklung des Gewerbegebiets „Gewerbeohr“ nördlich der Kaserne, zwischen Spaldinger Straße und B9-Zubringer, anpacken. „Wir sehen dabei keine Abhängigkeit vom Kasernenthema“, betont sie. Zunächst werde es um ein Verkehrswertgutachten für die bisher landwirtschaftlich genutzte Fläche der Bürgerhospitalstiftung gehen. Dann sollten sich das baurechtliche Verfahren, die Erschließung sowie Ausgleichsmaßnahmen anschließen. „In fünf bis zehn Jahren“ könnten die Flächen dann verkauft sein, erwartet die Stadtchefin. Je nach Detailplanung sollten bei der Vergabe ortsansässige Betriebe bevorzugt und Logistikfirmen weitgehend ausgeschlossen werden.
Schon Ende Januar soll im Bauausschuss über einen Planungsauftrag für den Postplatz beraten werden. Dessen Umgestaltung ist schon seit Jahren geplant. OB Seiler strebt nun nach eigenen Worten einen „pragmatischen“ Ansatz an: Es sollten nicht alle Wünsche inklusive Brunnen und geöffnetem Speyerbach hineingepackt werden. Vielmehr gehe es vorrangig um die Schaffung eines zusammenhängenden Platzes vor der Postgalerie. Die dortige Fahrbahn soll der Spur auf der anderen Seite, vor der Deutschen Bank, zugeschlagen werden. „Wir wollen uns nicht verzetteln“, betont Seiler.
Pläne für Weihnachtsmarkt
Wenn die Postplatz-Umgestaltung nach bestenfalls zwei Jahren abgeschlossen wäre, möchte die Stadt die vergrößerte Veranstaltungsfläche stärker als bisher bespielen. Dafür würden zunächst „veranstaltungssichere“ Poller angeschafft, wie sie später auch den Seitenstraßen der Maximilianstraße zum Einsatz kommen könnten („Wir wollen sukzessive von den Betonpollern wegkommen“). Seiler schwebt unter anderem eine Ausweitung des Weihnachts- und Neujahrsmarkts auf dem Postplatz vor. Dieser könnte dann durch eine verbesserte Beleuchtung samt Nikolaus-Videoprojektion an die Außenseite des Altpörtels Besucher anziehen und von Angeboten der Postgalerie ergänzt werden.
Die Maximilianstraße brauche neue Infrastruktur und mehr Klimaresilienz. Dafür würden wie für den Postplatz Fördermittel des Landes benötigt, betont Seiler. Sie hoffe auf einen Zuschlag für das damit verbundene Paket „Kernstadt Mitte“ noch im ersten Quartal. Die Erneuerung von Sitzbänken in der „Maxi“ werde unabhängig davon fortgesetzt.
Im Frühjahr sei zudem eine Bürgerbeteiligung zum geplanten „Urbanen Biotop“ auf dem früheren Sportplatz der Normand-Kaserne an der Paul-Egell-Straße geplant. Dabei seien die möglichen 130 bis 150 Wohnungen noch kein Thema, sondern die angrenzende Grünfläche. Möglich seien eine Variante mit „erlebbaren Wegen“ und eine, in der eine Brücke über das Biotop reiche. Mitte 2026 könnte dafür der Auftrag vergeben werden, so die OB. Mit den neuen Wohnungen dort könnte es fünf bis zehn Jahre dauern. Zuvor stünden noch Grundsatzentscheidungen aus, inwieweit sich städtische Wohnungsbaugesellschaft dort beteiligen wollten und private Investoren beteiligen dürften. „Was ist wirtschaftlich umsetzbar?“, nennt Seiler eine Leitfrage.
