Speyer Plattform für den Mittelstand

Beim Wirtschaftsforum in Speyer: Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner.
Beim Wirtschaftsforum in Speyer: Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner.

„Geld und Leben“: Über diesen Zusammenhang haben sich rund 500 Besucher des Wirtschaftsforums der Volks- und Raiffeisenbanken am Dienstag in der Stadthalle informiert. Ein Thema war auch die Entwicklung ländlicher Regionen, zu denen Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) auch die Stadt Speyer zählte.

«Speyer.» Der Rhein-Pfalz-Kreis erfreue sich im Gegensatz zu anderen ländlichen Gebieten starken Zulaufs, sagte Klöckner. Es gebe jedoch auch viele Dörfer im Land, die sich abgehängt fühlten. Mehr als die Hälfte der Deutschen lebe in ländlichen Regionen. „Politik muss vor Ort wirken“, betonte Klöckner. Sie verknüpfte dies unter anderem mit dem Fachkräftemangel, der sich besonders auf den ländlichen Mittelstand auswirke. Das betreffe auch die Digitalisierung. Viele „Silversurver“ seien im Netz unterwegs, die Senioren im Land wollten ebenso wie Jüngere schnelles Internet nutzen. Einer von ihnen sei CDU-Landtagsabgeordneter Reinhard Oelbermann, den Klöckner als „Whitesurver“ ansprach. „Tiere sind keine Wegwerfware“, warb die Ministerin für bewussten Einkauf. „Wer sonntags mehr Tierwohl fordert, muss montags auch entsprechend einkaufen gehen.“ Die Hoffnung von Rudolf Müller, Vorstandssprecher der lokalen Volksbank Kur- und Rheinpfalz, sie werde dem Publikum mitteilen, für welchen Kandidaten für den CDU-Parteivorsitz sie sich morgen auf dem Hamburger Parteitag entscheide, zerstörte Klöckner. „Ich glaube, ich werde die richtige Person wählen“, erklärte sie. „Wir leisten unseren Beitrag, damit es sich hier gut leben lässt“, betonte Müller in seiner Rede. In den Mittelpunkt stellte er den 200. Geburtstag des Genossenschaftsgründers Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Auf den Tag genau vor 147 Jahren, am 4. Dezember 1871, habe das damalige Deutsche Reich die Goldmark zu 100 Pfennig als einheitliche Währung eingeführt, so Müller. „Die Währungen haben seitdem gewechselt, die Bank nicht.“ Der Bedarf an diesem in der Region verwurzelten Partner für die Finanzen sei heute noch so groß wie vor 150 Jahren, sagte der Vorstandssprecher. Rund 150.000 Unternehmen gehörten dem Mittelstand an, fast 90 Prozent seien Kleinstbetriebe. Die Volks- und Raiffeisenbanken sehen es demnach als ihre Aufgabe an, dem Mittelstand eine sozial- und wirtschaftspolitische Plattform zu bieten. Auch der Fußball kam beim Wirtschaftsforum zu Wort. „Fußballvereine sind ordentliche Mittelständler, die auf dem Weltmarkt agieren“, erklärte Peter Görlich, Geschäftsführer der TSG 1899 Hoffenheim. Der Erfolg seines Vereins sei nicht am Reißbrett geplant, betonte er im Gespräch mit Moderatorin Patricia Küll. Mit seinem Programm „Zufällig erfolgreich“ und seiner Vorstellung als „dritter Physiker nach Oskar Lafontaine und Bundeskanzlerin Angela Merkel“ sorgte Kabarettist Vince Ebert für Lacher. Er habe den Eindruck, er wisse nun, welchem CDU-Bewerber Klöckner in Hamburg ihre Stimme geben werde, berichtete Müller vom Gespräch mit der Ministerin auf dem Weg zu ihrem Dienstwagen vor der Stadthalle. Wer das ist, verriet er allerdings nicht.

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